Mit der zwölften Verlegung von Stolpersteinen hat die Stadt Bruchsal am 18. Mai ein weiteres sichtbares Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur gesetzt. Im Anschluss an die Verlegung gab es im Martin-Luther-Haus eine Gedenkveranstaltung. „Stolpersteine machen sichtbar, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht fern, sondern konkret vor Ort geschahen – in unserer Stadt, in unserer Nachbarschaft“, sagte Oberbürgermeister Sven Weigt. „Ein kleines Quadrat aus Messing, darauf ein Name, ein Schicksal“ als Erinnerung an Menschen, die zu Opfern des nationalsozialistischen Terrorregimes wurden – dort, wo sie zuletzt freiwillig lebten. In Bruchsal sind seit 2015 rund 200 Stolpersteine verlegt worden, jetzt kamen 16 weitere an sieben Standorten hinzu. Das Projekt des Künstlers Gunter Demnig hat sich zum größten dezentralen Mahnmal der Welt entwickelt. Ohne die Initiativen vor Ort sei das nicht möglich, betonte der Künstler. Demnig verlegte alle Steine selbst.
Schülerinnen und Schüler des Justus-Knecht-Gymnasiums - die Projektgruppe Stolpersteine unter der Leitung von Florian Jung – stellten die Biografien der NS-Opfer vor, direkt an den Verlegeorten und anschließend im Lutherhaus. „Stolpersteine halten uns den Spiegel der Geschichte vor“, sagte Jung und betonte die besondere Bedeutung des Projekts. Angehörige von Opfern kämen für Stolpersteinverlegungen regelmäßig von weit her nach Bruchsal und setzten damit ein Zeichen der Versöhnung. Jetzt waren Nachfahren aus USA, Israel und Deutschland in der Barockstadt. Für die Jugendlichen selbst sei die Auseinandersetzung mit den individuellen Lebensgeschichten eine außergewöhnliche Erfahrung, sagte Jung. Die intensive Recherche zu Lebenswegen, Berufen und persönlichen Hintergründen sowie die Begegnungen mit den Familien eröffneten einen neuen Zugang zur Geschichte. Mehrere Angehörige würdigten das Engagement der Schülerinnen und Schüler in ihren kurzen Ansprachen ausdrücklich. Pfarrer Helge Pönnighaus ordnete die Verlegung in den gesellschaftlichen Kontext ein: Gedenken gewinne zunehmend an Bedeutung in einer Zeit, in der unsere Gedenkkultur immer mehr unter Druck zu geraten scheint“. Zugleich werde die Aufgabe dringlicher, da immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren Erfahrungen berichten könnten. Stolpersteine leisten hier einen wichtigen Beitrag: Sie geben den Opfern ihren Namen zurück und holen ihre Lebensgeschichten bewusst in den Alltag der Menschen.
Die Gruppe Shtetl Tov umrahmte die Veranstaltung mit Musik.
Martina Schäufele