
1997 wurde das Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig, ins Leben gerufen. Demnigs kleine „Stolpersteine“, zehn mal zehn Zentimeter große Würfel mit den Lebensdaten von NS-Opfern, werden jährlich in Bruchsal vor den Häusern verlegt, in denen diese Menschen zuletzt freiwillig gelebt oder gearbeitet haben, aus denen sie vertrieben oder deportiert wurden.
„Als vor mittlerweile zehn Jahren aus Anlass der Heimattage Baden-Württemberg zum ersten Mal in Bruchsal durch den Künstler Gunter Demnig Stolpersteine im öffentlichen Raum verlegt wurden, hat sicherlich niemand der schon damals und noch heute Beteiligten ahnen können, zu welcher Dauerhaftigkeit sich dieser wichtige Beitrag zur Gedenkkultur in unserer Stadt verstetigen würde – und welche Anteilnahme die Verlegung dieser kleinen Mahnmale Jahr
um Jahr hervorruft“, so Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick.
Erinnert wird an jüdische Familien sowie ebenfalls an Opfer des systematischen Massenmords, an Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Einschränkungen. Tatsache ist: Aus vielen Nationen der Welt haben in den vergangenen Jahren Angehörige von Familien an den Verlegungen teilgenommen. Anteilnahme der Bevölkerung, Anteilnahme der Menschen in Bruchsal selbst, aber vor allem auch Anteilnahme der Familien und Nachkommen, an deren im Dritten Reich verfolgten, gedemütigten und ermordeten Vorfahren in Gestalt der Stolpersteine gemeinsam erinnert wird.
Maßgeblich am Projekt beteiligt ist der Verein "Stolpersteine Bruchsal e.V." sowie die Projektgruppe des Justus-Knecht-Gymnasiums (JKG) aus Schülern der 8. Klasse unter fachkundiger Betreuung von Oberstudienrat Florian Jung, ebenso wie die Stadt Bruchsal, die weitere organisatorische Aufgaben übernimmt. Im Sommer 2023 hatten sich einige historisch interessierte Bruchsaler zusammengefunden, um die bisher agierende Stolpersteininitiative zu einem eingetragenen "echten" Verein werden zu lassen.
In den seit 2015 einmal jährlich stattfindenden Stolpersteinverlegungen wurden in Bruchsal vom Künstler Gunter Demnig insgesamt 128 Stolpersteine verlegt. Dabei ist es den Initiatoren besonders wichtig, die Angehörigen der Opfer miteinzubeziehen.
Bruchsals Oberbürgermeisterin: „Dieses gemeinsame Gedenken ist der Kern dessen, was der christlich-libanesische Philosophen und Dichter Khalil Gibran mit 'Erinnern ist eine Form der Begegnung' in Worte fasste, denn unserer Verpflichtung, an die Opfer von Terror und Unterdrückung durch das NS-Regime zu erinnern, gilt es weiterhin, in der aktuellen politischen Situation mehr denn je, gerecht zu werden“. Florian Jung: „Die Erinnerungskultur mit dem Projekt Stolpersteine ist für alle achten Klassen fest eingeplant, eine Stunde wöchentlich in einem Projekt ihrer Wahl zu verbringen. Gemeinsam ist allen Projekten das Engagement für die Schulgemeinschaft oder die Gesellschaft“. So konnten die Schüler etwa eine schuleigene Trinkflasche gestalten, ein Fundbürosystem für die Schulgemeinschaft entwickeln, den Schülern der Flüchtlingsklasse Unterstützungsangebote machen, die Schülerbibliothek betreuen oder die nächste Stolpersteinverlegung mitgestalten.
Immer wieder sei schön zu beobachten, so Jung, wie sich die Teilnehmer im Lauf der Monate immer mehr mit jenen Personen beschäftigen, deren „Paten“ sie sind. Dazu werde im Generallandesarchiv Karlsruhe und in der Literatur recherchiert sowie Bilder und Geschichten bei Angehörigen „ausgegraben.
So hatte sich aktuell der Nachkomme der Familie Katzauer-Levi, Ronald Levi aus New York, im Vorfeld mit der Schülergruppe getroffen und vom Schicksal seiner Familie berichtet. Jung: „Eine beeindruckende und motivierende Begegnung, und gewissermaßen Geschichtsunterricht live“. Es sei zu hoffen, dass jene Schüler, die die Projektgruppe „Stolpersteine für Bruchsal“ besuchten, gegen aktuell wieder erstarkenden Antisemitismus oder die Verharmlosung der Verbrechen des Nationalsozialismus gestärkt würden.
Die nächste Verlegung in Bruchsal findet im Mai 2025 statt. Der Verein „Stolpersteine Bruchsal“ freut sich über jede Unterstützung. Der Jahresbeitrag beträgt 24 Euro und ist steuerlich absetzbar. Einzelspenden sind willkommen (Sparkasse Kraichgau, IBAN DE54 6635 0036 0007 1516 32).


