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Südafrika 1890: „Fünf Pilze für Monsieur Biehler“

Im Zuge der Napoleonischen Kriege besetzten die Briten 1806 die einst von Niederländern begründete Kap-Provinz im heutigen Südafrika, denn deren Hauptstadt...
Foto: Briefmarkensammlerverein Ettlingen

Im Zuge der Napoleonischen Kriege besetzten die Briten 1806 die einst von Niederländern begründete Kap-Provinz im heutigen Südafrika, denn deren Hauptstadt Kapstadt war ein wichtiger Stützpunkt und Verbindungshafen für den Seeweg nach Indien und den Handel mit Fernost. Ab 1853 hatte die Kap-Kolonie eigene Briefmarken, die wegen ihrer damals ungewöhnlichen Dreiecksform in Sammlerkreisen als Kap-Dreiecke bezeichnet werden. Sie galten aber bald als unhandlich und nicht perforierbar, so dass die Postverwaltung ab 1864 Format und Motiv wechselte, und damit gezähnte Marken an den Postschaltern verkauft werden konnten. Das Motiv bildete jedoch nicht ein Portrait Queen Victorias, sondern eine sitzende Allegorie der „Hoffnung“ als Symbol des Kaps der Guten Hoffnung, wie das hier abgebildete Couvert aus dem Jahre 1890 sehr schön veranschaulicht:




Der gut erhaltene Umschlag ist mit 6 Exemplaren (darunter ein waagerechter Dreierstreifen) der 1 Penny rosarot frankiert, die im Juli 1882 verausgabt worden war und die auf einem Schild neben einem Anker und Blätterzweigen sitzende „Hope“ sowie die Herkunftsangabe „CAPE OF GOOD HOPE“ zeigt. Der Anker symbolisiert die Seefahrt, verbunden mit der „Hoffnung“, die gefährliche Passage des Kaps gut zu überwinden. Das Poststück wurde in Grahamstown aufgegeben, das mit heute etwa 50.000 Einwohnern rund 900 km östlich von Kapstadt liegt und seit 2018 Makhanda heißt. Die Entwertung der Marken erfolgte mit 5 pilzförmigen Datumsstempeln („mushroom-like datestamps“), wobei der „Pilzhut“ die Ortsangabe „GRAHAMSTOWN“ enthält, und der kugelförmige „Stiel“ das Datum „1 AU[GUST] [18]90“. Der Brief war an „Monsieur E. Biehler“ nach Enghien in Belgien gerichtet, das ca. 35 km südwestlich von Brüssel in der Provinz Hennegau nahe der Grenze zu Flandern gelegen ist. „Monsieur Biehler“ war offenbar im dortigen „Maison St. Augustin“, einem Jesuitenkolleg, wohnhaft, da es in der Adressangabe erwähnt wird. Unser Brief wurde per Seepost via England befördert, wie wir den beiden rückseitigen Transitstempeln von Kapstadt („Cape Town“) vom 4.8. sowie von London vom 25.8.1890 entnehmen können. Zudem ist der belgische Ankunftsstempel von Enghien vom 26.8. auf der Rückseite abgeschlagen. Die attraktive Frankatur mit der damals seltenen Destination von Südafrika nach Belgien besticht insbesondere durch ihre 5 ungewöhnlichen „Pilzstempel“, wobei wir natürlich nicht wissen, ob und was sich „Monsieur Biehler“ beim Empfang dieser „philatelistischen Pilzlieferung“ dachte. Jedenfalls sind diese über 135 Jahre alten „Pilze“ immer noch sehr gut „genießbar“.

Die Tauschtage finden regelmäßig am 2. und 4. Sonntag eines Monats ab 10 Uhr im St.-Vincentius-Haus, Heinrich-Magnani-Str. 2–4, statt. Gäste sind willkommen.

www.bsv-ettlingen.de, Ralf Vater, Tel. 07243 13420

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