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Eine erfolgreiche Saison

SV Germania Weingarten: Saisonrückblick und Blick voraus

Im Februar sicherte sich die SV Germania den deutschen Vizemeistertitel. Zeit zurückzublicken und ebenfalls einen Blick auf die neue Saison zu werfen.
Halle
Die Mineralix-Arena in Weingarten wird bei Wettkämpfen stets zum Hexenkessel.Foto: of

Der vorläufige Höhepunkt liegt noch gar nicht so lange zurück. Im Februar war der SV Germania Weingarten für viele überraschend deutscher Vizemeister im Ringen geworden und in einem spannenden, emotionalen Bundesliga-Finale dem SV Wacker Burghausen unterlegen.

Nach dem Vorkampf in der heimischen Mineralix-Arena hatte man lediglich mit einem Punkt Rückstand die Reise nach Bayern angetreten, doch der Gegner hatte sich an diesem Tag als zu stark erwiesen. Nach einer Saison mit Höhen, Tiefen und Wendungen ist man beim rund 600 Mitglieder großen Verein, dem auch 200 Kinder und Jugendliche angehören, auch mit ein wenig Abstand stolz auf das Erreichte und definiert neue Ziele.

Viele Mosaiksteine

Das 22-köpfige Team von Trainer Frank Heinzelbecker hat sich in nur zwei Jahren vom Aufsteiger zum Vizemeister entwickelt. Eine nicht alltägliche Leistung, bei der viele Mosaiksteine bestmöglich zusammengesetzt wurden – und funktionierten. Auch Weingartens Bürgermeister Eric Bänziger (der die Finalkämpfe vor Ort mitverfolgte) hatte die Griffkünstler empfangen und ihnen, wie auch der Vereinsführung mit den vielen, ehrenamtlichen Kräften, zum Erfolg gratuliert. Die Mannschaft, die sich in das „Goldene Buch“ eintragen durfte, sei über sich hinausgewachsen und von den Fans bis ins Finale getragen worden. Bereits in den Jahren 2011, 2012 und 2017 war der SV Germania Weingarten deutscher Mannschaftsmeister in der Bundesliga und 2020 Erster in der Ringerliga geworden.

Ein Hexenkessel

Schmuckstück des Vereins ist die 2007 erbaute, eigene Mineralix-Arena (bis 2013 Kleiberit-Arena), die als modernes Sport- und Kulturzentrum mit Gym, Kulturtraum für Veranstaltungen und Restaurant in der Region seinesgleichen sucht. Bei den Heimkämpfen, zu denen in aller Regel zwischen 800 und 1.000 Fans kommen, verwandelt sich die Halle in einen Hexenkessel und die Lautstärke nimmt oftmals ohrenbetäubende Ausmaße an. Bereits seit 2007 führt Dr. Ralph Oberacker den Verein.

Der 50-jährige Funktionär ist im Hauptberuf Chefarzt der Inneren Medizin im SRH-Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, war allerdings selbst nie im Ringsport aktiv und spielte in der Jugend beim KSC Fußball. Der zehn Jahre jüngere Sportleiter Sebastian Mayer, seit Anbeginn an der Seite des 1. Vorsitzenden als Erfolgsgespann am Start, hat ebenfalls keine Vergangenheit auf der Matte aufzuweisen und ist als Selbstständiger im Baugewerbe tätig. Beide Funktionäre sind, wie auch Trainer Frank Heinzelbecker, bereits seit 1999 im Verein, blicken im Gespräch mit dem Freien Mitarbeiter Hans-Joachim Of auf ereignisreiche Tage zurück und richten den Blick nach vorne, zumal die erste Ringer-Bundesliga in der Saison 2026/27 in eine neue Ära startet.

Kampf um die Meisterschaft in neuem System

„Die Ringer-Bundesliga schlägt in der neuen Saison, die am 5. September startet, ein neues Kapitel auf“, informiert Sebastian Meyer. Der Deutsche Ringer-Bund habe ein umfassendes Zukunftsmodell beschlossen, das Struktur, Wettbewerb und sportliche Rahmenbedingungen der höchsten deutschen Liga grundlegend verändern soll. „Ziel ist eine transparente, leistungsorientierte und attraktive Bundesliga für Vereine, Athleten und Fans gleichermaßen“, heißt es. Ralph Oberacker: „Ähnlich wie bei der im Vorjahr eingeführten Neuausrichtung in der Fußball-Champions-League entsteht eine eingleisige Bundesliga mit 20 Mannschaften, womit die bislang üblichen regionalen Staffeln vollständig entfallen“.

Somit werde eine gemeinsame Liga gebildet, in der alle Teams in einer Gesamttabelle geführt werden. In der Hauptrunde bestreitet jede Mannschaft zwölf Kämpfe, wobei bewusst auf ein System mit klarer Leistungsdurchmischung gesetzt werde. Jeder Verein trifft auf sechs Gegner aus Topf A und sechs Gegner aus Topf B. „Es gibt wie früher keine Hin- und Rückkämpfe, denn jeder Gegner kommt nur einmal vor“, wird informiert. Ob das gut oder schlecht ist, wird sich am Saisonende zeigen.

Die Einteilung der Vereine sei, so die Info aus der Ringerliga, anhand sportlicher Kriterien der vergangenen Jahre erfolgt und soll für Ausgeglichenheit und Spannung sorgen. In Topf A befinden sich neben SVG 04 Weingarten auch Meister Wacker Burghausen und im Topf ist Lokalrivale RKG Reilingen-Hockenheim.

Weitere Veränderungen sind: Abschaffung des Punktelimits, klare Kaderregeln mit Fokus auf deutsche Athleten sowie Play-offs mit erweitertem Teilnehmerfeld. Mayer: „Pro Mannschaftskampf stehen zehn Ringer auf der Matte, davon sechs deutsche und vier ausländische Athleten, wobei jedem Verein maximal acht Ausländerlizenzen erlaubt sind.“ Der Deutsche Meister trägt künftig offiziell den Titel „DRB Bundesliga Champion“.

Germanen wollen ganz nach oben

Dass dieses Ziel auch für den SV Germania Weingarten früher oder später Wirklichkeit werden kann, ist in der Ringerhochburg Weingarten keine Utopie. „Wer einmal im Finale stand, will natürlich irgendwann auch ganz oben auf dem Treppchen stehen“, sagt Ralph Oberacker lachend. Im Moment wird bereits kräftig am Kader gebastelt und abgeklopft, wer das Team von Trainer Frank Heinzelbecker in der kommenden Runde beim radikalen Neustart mit fester Mannschaftsstruktur verstärken könnte. „Die Verträge und Lizenzen werden stets für eine Saison, so wie es der Ringer-Verband vorgibt, abgeschlossen“, informiert Oberacker. Einige Athleten im Kader kommen aus Russland, Frankreich, Georgien oder Japan! – die Amtssprache ist Deutsch.

Ein Hallensport mit besonderer Atmosphäre

Im Rückblick sagt Sebastian Meyer: „Mit dem aktuellen Erfolg konnte man nicht rechnen, zumal wir auch im Halbfinale als Außenseiter gehandelt wurden. Das war schon überraschend.“ Das Schöne am Ringsport? „Eine Hallensportart mit besonderer Atmosphäre am Abend, nicht vergleichbar mit Fußball, wobei auch der Event-Charakter mit Spots und abgedunkelter Halle seinen Teil beträgt“, sind sich beide Vorstandsmitglieder einig.

Der gut geführte, gesunde Verein, der 2024 sein 120-jähriges Bestehen feierte und auch auf potente Sponsoren zählen darf, kann stolz auf seine Erfolge und besonderen Meilensteine in der Clubhistorie zurückblicken und wird sicher seine außergewöhnliche Geschichte fortschreiben. Zu dieser gehören sicher auch die Erfolge im Frauenringen mit Top-Athletin Luisa Niemesch (Olympia-Teilnehmerin 2016 und 2024) sowie im weiblichen Ringer-Nachwuchs mit seinen Talenten.

Wichtig ist, wie bei allen Vereinen, Kinder und Jugendliche ins Boot zu holen. Ralph Oberacker merkt hier augenzwinkernd und abschließend an: „Im schlimmsten Fall wissen die Kinder, was Ringsport ist, im besten Fall werden sie Fans und im allerbesten Fall Vorstandsmitglied“. (hjo)

Frühlingsfest

Zunächst startet am Samstag, 28. März, ab 18.30 Uhr in der Mineralix-Arena das zum zweiten Mal ausgetragene Frühlingsfest unter dem Motto „Oans, Zwoa, Gsuffa!“. Dabei sollen „Die Grombacher“ mit fetziger Live-Musik für einen „frühlingshaften, stimmungsvollen und unvergesslichen Tag“ sorgen, wie es in einer Info heißt. Auf geht’s!

Erscheinung
Weingartener Woche
Ausgabe 13/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
24.03.2026
Orte
Weingarten (Baden)
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Sport