
Landwirt Jan-René Hartmann aus Karlsruhe liebt seine Schafe und will ihnen ein Leben unter freiem Himmel ermöglichen. Auf einem Solarpanelfeld sollen die Nutztiere das Gras niedrig halten. Eigentlich für beide Seiten eine perfekte Lösung – würde es da nicht die Raben geben. An diesem Tag haben es die Raben auf ein frisch geborenes Lamm abgesehen.
Sie attackieren das Frischgeborene, sodass es ein Auge verliert. Der Bauer kommt gerade noch rechtzeitig und möchte das noch lebende Tier retten. Beim Tierarzt stellt sich allerdings heraus, dass dem jungen Lamm auch die Zunge herausgepickt wurde ... ein grausamer Einzelfall? Kann es sein, dass Raben Nutztiere wie Lämmer, Ferkel oder Kälber töten?
Um diese Frage tobt seit Jahren ein emotionaler Streit zwischen Tierhaltern und Naturschützern. Raben seien schlimmer als der Wolf, sagen Landwirte. Andere reden von der "Mär vom Lämmerkiller". Fest steht: Der Rabe ist streng geschützt, darf nicht bejagt werden. Doch Tiere in der Freilandhaltung - wie Lämmer, Ferkel, Gänse und Kälber - würden auf Weiden attackiert und getötet, berichten viele Freilandhalter bundesweit wie zum Beispiel Schäfer Stefan Fauser (Schwäbische Alb).
Nur glaubt ihnen niemand, sie fühlen sich mit dem Thema seit Jahren allein gelassen. Forschende, wie der Raben- und Krähenforscher Thomas Bugnyar bestreiten Attacken auf gesunde Weidetiere, dafür fehle die Evidenz: Raben seien Aasfresser, die Tiere nur testweise attackierten und höchstens kranke Tiere ausmerzen würden.
Das Gegenteil weiß Gänsehalter Paul Isenberg aus Brandenburg zu berichten. Er will seine 4.000 Tiere schützen, indem er versucht, die Raben zu verscheuchen. So will er vermeiden, dass bis zu 400 Gänse pro Jahr den Raben zum Opfer fallen. Doch diese sind klug genug und lernen schnell, dass ihnen nicht wirklich eine Gefahr droht.
Tierschützer sind gegen das Jagen von Raben. Doch welche Tiere wollen wir schützen – Raben oder Nutztiere? Eine Dokumentation des SWR beschäftigt sich nun mit diesem Thema, wirft einen differenzierten Blick auf das komplexe Thema, lässt verantwortliche Politiker aus Baden-Württemberg zu Wort kommen sowie den Biologe Dr. Veit Hennig aus Hamburg, der eine umstrittene Studie dazu verfasst hat.
Der Filmemacher Julian Prahl sucht Antworten und macht eine bundesweite Umfrage unter 600 Betrieben zu Raben-Angriffen. Das Stimmungsbild ist überraschend: etwa 3.000 bis 5.000 tote Nutztiere soll es 2024 durch Raben gegeben haben. Betroffen sind neben Baden-Württemberg Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Dokumentation kann tödliche Attacken abbilden und zeigt, wie es Raben gelingt, selbst ausgewachsene Gänse so lange zu jagen, bis sie deren Beute werden. Es sind traurige Aufnahmen mit Seltenheitswert. Die Szenen erinnern an Alfred Hitchcocks Kultklassiker „Die Vögel“ – nur dass es sich hier nicht um einen Spielfilm, sondern die Realität handelt.
Donnerstag, 26. März im SWR Fernsehen
21 Uhr: Gefährliche Raben – schützen oder abschießen?
Samstag, 28. März auf tagesschau 24
12.15 Uhr: Gefährliche Raben – schützen oder abschießen?