Nussbaum-Logo
NUSSBAUM+
Auch ehrenamtliche Helfer profitieren

Tafel Neckargemünd im digitalen Umbruch: Das ist neu

Der Laden „Dies&Das“ für alle geöffnet, frischer, neuer Internetauftritt – bei der Tafel Neckargemünd e. V. hat sich viel getan.
Eine dunkelhaarige ältere Frau steht an einem Tisch. Sie trägt einen beigen Pullover. Hinter ihr im Regal ordentlich gefaltete Kleidung.
Hilde ten Maat, langjährige ehrenamtliche Verkaufskraft im Dies&Das in Neckargemünd, dem Laden neben der Tafel, in dem jeder einkaufen kann.Foto: Kirsten Seubert

Seit 17 Jahren ist „die Tafel“ vor Ort, inzwischen auch mit Läden in Bammental und Schönau. Der gemeinnützige Verein steht „für Humanität, Teilhabe und Solidarität. Im Sinne dieser sozialen Verantwortung setzen wir uns für den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln ein, getreu dem Motto 'Lebensmittel retten. Menschen helfen.'“, heißt es auf der neu gestalteten Homepage.

Wer hier einkaufen darf

Zum Einkaufen wird eine Kundenkarte benötigt, die direkt im Laden, Spitzerfeld 44, erhältlich ist, wenn man einen Nachweis der Bedürftigkeit und einen Ausweis mitbringt. Berechtigt sind Personen, die Leistungen vom Amt beziehen oder beispielsweise als Einzelperson maximal 1.400 Euro netto im Monat an Gehalt oder Rente zur Verfügung haben. Mit der Kundenkarte kann bis zu zweimal pro Woche dort eingekauft werden.

Weniger Lebensmittel von Supermärkten

Die Grundidee der „Tafel“-Bewegung stammt aus den USA, wo Organisationen Lebensmittelüberschüsse sammelten. Die Tafeln in Deutschland retten 265.000 Tonnen an Lebensmitteln im Jahr. Weltweit werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl diese noch vollkommen verzehrfähig sind. Die Banane ist schon ein wenig braun? Die Gurke zu krumm?Momentan gibt esüber 970 Tafeln bundesweit, die von rund 60.000 Ehrenamtlichen getragen werden und jährlich Tonnen von Lebensmitteln an Millionen von Menschen verteilen. In den letzten Jahren wurden die Bestellvorgänge in Supermärkten durch KI optimiert – eine umfassende Änderung, mit Auswirkungen auf die Tafeln. Seitdem fallen weniger überschüssige Lebensmittel an.

Persönliches Einkaufen

Was verbirgt sich hinter „Begleitetes Einkaufen“? Es gibt in Neckargemünd keine vorgepackten Tüten und Massenabfertigung, hier wird jeder Einkäufer einzeln betreut. Ob Sprachprobleme oder zur Aufrechterhaltung der gleichberechtigten Verteilung der Lebensmittel, es steht eine freundliche Ehrenamtlerin mit orangefarbener Schürze zur Seite. Senf, Mehl, Getränke, Hygieneprodukte, die Auswahl ist riesig. Durch das reiche Angebot frischer Waren, über die Kühltheke, alles entspricht den Regelungen wie in jedem „normalen“ Supermarkt. Kühltemperatur muss protokolliert, die Kühlkette aufrechterhalten werden. Da helfen auch die unverzichtbaren Kühltransporter, alle vom Lions Club gespendet und von Gründungsmitglied Heiner Gassert unterstützt.

Mithelfen? Aber gerne!

Ehrenamtliche Helfer sind immer willkommen; nicht nur als Fahrer/in oder Beifahrer/in der Touren oder zum Helfen beim Be- und Entladen. Gesucht werden auch digitale Unterstützer, die die Website oder Social-Media-Seiten pflegen – kreative Köpfe, gerade sind gerade für den neuen Internetauftritt gefragt. Auch als Hygiene- und Arbeitsschutzbeauftragte können Ehrenamtliche eines der wichtigsten Anliegen der Tafel unterstützen und kontrollieren, sortieren sowie ausgeben. Das Team ist international und bunt. „Wichtigster Mann der Tafel Neckargemünd“ ist Joachim Janicke, so der Vorsitzende André Hütter. Janicke halte mit Organisation und Herzblut den Laden zusammen. Seit vier Jahren ist Beata Zieba aus der Ukraine helfende und zuverlässige Hand im Lebensmittelladen und bei der Warenannahme. Genauso lange hilft und unterstützt auch schon Anjali Mukherji aus Indien mit. Auch die meisten Tafelkunden setzen sich zurzeit aus Menschen aus der Ukraine und anderen zur Flucht Gezwungenen zusammen. Im absoluten Notfall für Menschen ohne jegliches Einkommen kann auch Mitarbeit gegen Lebensmittel vergütet werden. Ohne diese Aktiven „wäre der Betrieb gar nicht aufrechtzuerhalten“, so Janicke.

Dies&Das – für jeden was

Der Laden Dies&Das ist dienstags und freitags, 13 bis 16 Uhr für jedermann geöffnet, kein Ausweis erforderlich, jeder, der sich für Nachhaltigkeit interessiert, ist eingeladen vorbeizuschauen. Hilde ten Maat, eingewandert aus den Niederlanden, begrüßt seit 2018 Second-Hand-Käufer für Kleidung, Schuhe, Haushaltsutensilien, Schmuck und jahreszeitliche Deko-Artikel. Gut sortiert, sauber und aufgeräumt. Hier ist Schluss mit muffeligen Vorurteilen über Kleiderkammern & Co. Hier gibt es mal „Fehlkäufe mit Etikett für kleines Geld, mal Markengeschirr von Hutschenreuther und andere Schnäppchen“. Genau wie Ilse Ottenbach, die auch Ware entgegennimmt, weiß ten Maat, was gut ist. „Frisch gewaschen, gebügelt oder gefaltet muss es sein. Man muss sehen, dass mit den Sachen ordentlich umgegangen worden ist.“

Die traurige Seite der Medaille

Abgesehen davon, dass es so vielen Menschen am Nötigsten fehlt, hat die Tafel zudem an anderen Fronten zu kämpfen: Mit dem Abbau von Kleidercontainern wird auch vor den Türen der Tafel häufiger Müll „entsorgt“. Das reicht vom üblichen Sperrgut bis hin zum Fundstück des Monats: in einem Sack voll unbrauchbarer Kleidung eine Kante schimmliges Brot. Wahrlich kein Vergnügen. Und teuer ist das Ganze auch. Eine starke Belastung für das Budget der Tafel. Zweckgebundene Spenden für einen Extra-Container, der hierfür bezahlt werden muss, um der Lage Herr zu werden, stehen auf der Wunschliste des Ladens.

Neue Internetpräsenz

Janicke zeigt auch gerne die neue Webseite, die übersichtlich mit allen Details und Informationen bestückt ist. Seit rund zwei Wochen ist sie online und hat möglicherweise auch einen Vertreter einer Tafel aus Heidelberg hergelockt, der kurz hereinschaut. Auf der Website kann man zum Beispiel eine Beitrittserklärung schnell herunterladen und Fördermitglied werden. Mit einem jährlichen Betrag ab24 Euro erhöht sich so die Planungssicherheit für die Betriebs- und Verwaltungsausgaben. Denn auch technischer Support bleibt ein Kostenfaktor. Ebenso sind alle Supermärkte und Lebensmittelläden, die Waren spenden, auf der Seite zu finden, von Discountern, örtlichen Bäckereien und Naturkost.

Spenden abgeben

Lebensmittelspenden (Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überschritten und original verpackt) oder andere Sachspenden können dienstags und freitags zwischen 13 und 15.30 Uhr im Spitzerfeld 44-46 Neckargemünd oder nach Absprache per Telefon (06223 4876011) abgegeben werden.

Öffnungszeiten

Neckargemünd: Dienstag und Freitag, 13 bis 16 Uhr.
Bammental: Dienstag und Freitag, 13 bis 15.30 Uhr
Schönau: Dienstag und Freitag, 13 bis 15.30 Uhr

Erscheinung
Neckarbote
NUSSBAUM+
Ausgabe 50/2025
von Redaktion NUSSBAUMKirsten Seubert
10.12.2025
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Bammental
Neckargemünd
Schönau
Kategorien
Panorama
Soziales