Am 23. Mai ist der Tag des Grundgesetzes. Seit über einem Dreivierteljahrhundert sichert das wichtigste Gesetz in Deutschland Freiheit, Frieden und Demokratie – zunächst in den „alten Bundesländern“, seit der Wiedervereinigung 1990 dank der friedlichen Revolution für Gesamtdeutschland.
Das Grundgesetz wurde am 8. Mai 1949 vom Parlamentarischen Rat aus Vertreterinnen und Vertretern aller Bundesländer in der US-amerikanischen, britischen und französischen Zone beschlossen und am 23. Mai 1949 feierlich verkündet - die Bundesrepublik Deutschland war somit faktisch besiegelt. Grund zum Feiern also: Seitdem wird der Tag des Grundgesetzes jedes Jahr am 23. Mai begangen.
Vor dem Hintergrund des Scheiterns der Weimarer Republik und der nationalsozialistischen Terrorherrschaft hatten sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes zum Ziel gesetzt, der neuen Bundesrepublik eine Verfassung zu geben, deren Dreh- und Angelpunkt die Würde jedes Einzelnen ist. Ganz bewusst haben sie mit Artikel 1 den wohl wichtigsten Satz an den Anfang gestellt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das ist bis heute die absolute Richtschnur für alle staatliche Gewalt.
Dass das Grundgesetz zwar faktisch eine Verfassung ist, aber den Namen „Grundgesetz“ trägt, liegt daran, dass es zunächst ein Provisorium darstellte: Nach der Wiedervereinigung, die bereits damals das Ziel war, sollte eine gesamtdeutsche Verfassung folgen, wie die ursprünglich vorangestellte Präambel dies formulierte. Mit dem Beitritt der Länder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR am 3. Oktober 1990 wurde das Grundgesetz zur Verfassung des gesamten Volkes.
Ein umfangreiches Dossier mit vielen Hintergründen zum Grundgesetz und seiner Entstehung gibt es auf den Seiten der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
Als „Botschafterinnen und Botschafter für Demokratie und Toleranz“ zeichnet die Bundeszentrale für politische Bildung am 23. Mai jährlich bis zu fünf Menschen aus, die diesen Titel für ein Jahr tragen dürfen. Die Jury, bestehend aus Mitgliedern der Bundesregierung, des Parlaments, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft kürt diese am Tag der Verfassung in Berlin. 2025 konnte – neben vier weiteren engagierten Menschen - Anna Ohnweiler bzw. ihr Verein „Omas gegen Rechts e.V.“ den mit 10.000 Euro dotierten Titel entgegennehmen. Ohnweiler, die auch in ihrer Heimatstadt Nagold als SPD-Gemeinderätin aktiv ist, positioniert sich mit ihrem bundesweit aktiven Verein mit rund 8000 Engagierten – auch in kreativen Aktionen – immer wieder gegen Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus, Rechtsextremismus und rechtsradikale Tendenzen, aber auch für Gleichberechtigung und Toleranz.
Für Ohnweiler ein besonderer Tag: „Für mich persönlich und auch für alle Vereinsmitglieder von Omas gegen Rechts Deutschland e. V. ist diese Auszeichnung eine große Ehre, da wir genau dafür ausgezeichnet werden, wofür wir stehen. Vielleicht kann man nachvollziehen, weshalb besonders ich mich so sehr freue, wenn man weiß, dass ich in einer Diktatur aufgewachsen bin. Jetzt lebe ich schon 45 Jahre in Deutschland, einem Rechtsstaat und werde sofort hellhörig, wenn in der Gesellschaft etwas in die falsche Richtung läuft. Die Würde des Menschen ist unantastbar und darf nicht verwässert oder ausgehöhlt werden, und eine Garantie dafür, dass es nicht geschieht, ist eine wehrhafte Demokratie, welche eine wache und mutige Zivilgesellschaft braucht.“
Anlässlich des 77. Geburtstages gibt es 2026 eine Premiere: Erstmals findet am 23. Mai auf Initiative von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein deutschlandweiter „Ehrentag“ statt. Ziel des neuen Formats ist es, das demokratische Miteinander zu stärken und Menschen zum Mitmachen zu animieren. Unter dem Motto „Für dich. Für uns. Für alle.“ Sind alle eingeladen, euch vor Ort zu engagieren, Menschen zu begegnen und gemeinsam anzupacken.
Der Ehrentag ist eine gemeinsame Initiative des Bundespräsidenten und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Die Idee: Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen. Am Geburtstag unserer Verfassung packen deshalb alle mit an, um das Land ein bisschen besser zu machen. Dabei stehen Begegnung und gemeinsames Tun im Mittelpunkt. Der Ehrentag besteht aus zahllosen kleinen und großen Aktionen vor Ort, die – auf freiwilliger Basis – von Vereinen, Organisationen, Unternehmen, Kommunen, Einzelpersonen organisiert werden. Das kann eine Aufräumaktion sein, ein inklusives Fußballturnier, ein Straßenfest, eine virtuelle Vorlesestunde, ein Spieleabend im Seniorenheim …
Im ganzen Land warten so viele Ideen darauf, umgesetzt zu werden. Denn Ehrentag ist, was wir daraus machen. Unter dem Motto: „Für dich. Für uns. Für alle“ – und für eine funktionierende Demokratie, die ihr Grundgesetz lebt.
Auf der Ehrentag-Homepage finden sich alle Aktionen, die man am Ehrentag unterstützen, aber auch besuchen und aktiv nutzen kann. Reinschauen lohnt sich.


