NUSSBAUM Trainerschule

Team hinter dem Team - Elternkommunikation

Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern durch strukturierte Kommunikation fördert den Zusammenhalt der Mannschaft und der Eltern.
Ein Trainer unterhält sich mit einem Vater und einer Mutter
Unterhaltung zwischen Trainer und ElternFoto: Anpfiff ins Leben/Simon Hofmann

Vorwort
„Und dann ist da ja auch noch die Elternarbeit…“. Jugendtrainer haben eine Fülle von Aufgaben und Herausforderungen zu meistern, die oftmals viel Zeit, Kraft und Ausdauer neben einem ohnehin gut gefüllten Alltag erfordern. Das Thema „Elternkommunikation“ wird dabei zwar oft als wichtig, aber auch als großer Aufwand wahrgenommen.
Keine Frage, ein guter Austausch mit den Spielereltern kostet hin und wieder viel Zeit und bindet einige Ressourcen des Trainers, kann aber bei erfolgreicher Umsetzung auch genau das Gegenteil bewirken – nämlich Zeit und Ressourcen des Trainers sparen und für die ganze Mannschaft sowie das „Team hinter dem Team“ äußerst gewinnbringend sein und euch als Gemeinschaft noch besser machen.
In diesem Blogbeitrag möchten wir euch zeigen, warum eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern eurer Spieler so wichtig ist, welche Potenziale in diesem Bereich schlummern und wie ihr ganz konkret in eurer Mannschaft ansetzen und die Eltern mit ins Boot holen könnt.

Warum ist eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern so wichtig?
Ohne Eltern geht es nicht im Kinder- und Jugendsport. Die Eltern sind es, die ihren Kindern den Zugang zum Sport ermöglichen. Ähnlich wie ein Trainer, haben auch Eltern eine Vielzahl von Rollen und Aufgaben, wenn es um den Sport ihrer Kinder geht – ein offenes Ohr haben, die Kinder von A nach B bringen, unterstützen, wenn es mal nicht so gut läuft, gegebenenfalls organisieren, dass mehrere Geschwisterkinder ihrem Sport nachgehen können. Das sind nur einige der zahlreichen Herausforderungen, die auf die Eltern im Zusammenhang mit dem Hobby ihres Kindes zukommen.
Bei dieser Fülle von Aufgaben ist es wichtig, dass die Eltern hinter dem Sport ihrer Kinder stehen und das Kind darin bestärken und unterstützen. Fehlt diese Rückendeckung wird es langfristig sehr schwierig, dass ein Kind regelmäßig und mit vollem Elan bei Trainingseinheiten und Spielen dabei ist.
Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern ist also schon allein aus dem Grund wichtig, weil sie gewährleistet, dass deine Spieler zuverlässig anwesend sind.
Aber nicht nur um diese Grundlage für Trainingsund Spielbetrieb zu schaffen, solltest du Wert auf eine gute Elternkommunikation legen.
Vielleicht hast auch du in deiner Elternschaft einige „schlummernde“ Potenziale und Kompetenzen, die ihr für ehrenamtliche Aufgaben dringend benötigen könnt.
Eltern können sich auf ganz vielseitige Weise und mit verschiedensten Fähigkeiten innerhalb der Mannschaft einbringen – das reicht von handwerklichen Fähigkeiten beim Umbau der Kabine bis zu beruflichen Kontakten für mögliche Praktika-Plätze deiner Spieler.
Ein positiver Nebeneffekt, wenn Eltern sich in deinem Verein einbringen: Der Zusammenhalt wird gestärkt und die gegenseitig entgegengebrachte Wertschätzung wächst – Aspekte, die sich auch positiv auf die gesamte Mannschaft auswirken können.

Was braucht es für eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern?

Perspektivenwechsel
Wenn du deine Spieler zum Training begrüßt, liegt normalerweise ein gut gefüllter und hin und wieder bestimmt auch stressiger Tag hinter den Kindern, den Eltern und auch euch als Trainern.
Indem du dich als Trainer für deine Spieler, aber auch für deren Eltern interessierst, zeigst du Wertschätzung und förderst ein gutes Miteinander. Welche Aufgaben und Herausforderungen Eltern in ihrem Alltag – auch mit Hinblick auf den Sport – zu meistern haben, aber auch, was der Trainer an einem ganz normalen Tag leistet, um pünktlich und vorbereitet auf dem Trainingsplatz zu stehen, ist dem jeweiligen Gegenüber oft nicht bekannt. Versucht euch gegenseitig „abzuholen“, indem ihr über den Alltag und die Herausforderungen ins Gespräch kommt. Dann wird oft erst klar, welche Expertise für den jeweiligen „Job“ als Elternteil bzw. Trainer gefragt ist und in welchen Alltagsstrukturen sich Eltern und Trainer bewegen.
Für diese Themen ist bestimmt nicht immer Zeit, ihr könnt aber versuchen, möglichst oft mit den Eltern eurer Spieler ins Gespräch zu kommen. Vielleicht bietet sich hierfür auch ab und zu die Gelegenheit, wenn ihr ohnehin wegen sportlicher Themen miteinander sprecht.

Vertrauen
Es ist wichtig, dass ihr den Eltern klar macht, dass euch bewusst ist, dass sowohl die Eltern als auch die Trainer eine sehr wichtige Rolle für die Kinder einnehmen. Es sollte jedoch auch verdeutlicht werden, dass es für ein gutes und erfolgreiches Miteinander wichtig ist, dass sich die beiden Rollen bzw. die mit den Rollen verbundenen Kompetenzen und Aufgaben nicht zu sehr vermischen. Die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit liegt im gegenseitigen Vertrauen, das sich Eltern und Trainer entgegenbringen – Vertrauen in die Kompetenzen, Expertise und Entscheidungen des jeweils anderen.

Welche Herausforderungen gibt es und wie kannst du damit umgehen?
Auch wenn die Zusammenarbeit mit deiner Elternschaft gut läuft, wird es immer wieder herausfordernde Situationen geben, in denen mindestens eine Seite unzufrieden mit etwas ist.
Oftmals ergibt sich bei Eltern eine Unzufriedenheit, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind nicht fair behandelt wird, nicht genügend Spielzeit bekommt oder seine Fähigkeiten nicht gesehen oder falsch eingeschätzt werden. Hier ist es für dich als Trainer wichtig, frühzeitig das Gespräch zu suchen.
Dass man offen, ehrlich und sachlich über die sportliche Situation eines Kindes spricht, heißt nicht, dass man eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern gefährdet. Im Gegenteil: Wenn sich Eltern (genau wie Kinder) mit ihrer Meinung und ihren Anliegen ernst genommen fühlen und sie ein ehrliches Feedback erhalten, kann das den Zusammenhalt und das gegenseitige Vertrauen sogar stärken.
Hilfreich ist es hierbei, solche möglichen Situationen bereits mit den Eltern zu thematisieren, bevor sie auftreten, um klarzumachen, welchen Umgang du dir als Trainer wünschst. Ein Elternabend zu Saisonbeginn bietet sich hierfür an.

Die Elternschaft einer Mannschaft ist oftmals eine sehr heterogene Gruppe – mit verschiedenen Charakteren, Ansichten und Meinungen.
Auch wenn ein gutes Miteinander unter den Eltern für dich als Trainer das Ziel sein sollte, heißt das nicht, dass hier Freundschaften entstehen müssen. Damit Differenzen in der Elternschaft möglichst selten emotional werden, hilft es, von vorneherein klarzumachen, dass unterschiedliche Meinungen okay sind, es aber wichtig ist, trotz aller Emotionen möglichst sachlich zu bleiben. Wurden Aufgaben an Eltern verteilt, so ist es wichtig, dass jeder weiß, was er zu tun hat.
Den Eltern sollte klar gemacht werden, dass es für den Zusammenhalt und Erfolg der Mannschaft enorm wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen, denn am Ende sollte es allen um das Wohl der Kinder gehen.

In unserem Blogartikel #9 geben wir ebenfalls viele Tipps zur gezielten Elternarbeit im Sportverein und auch Hilfestellungen für den Umgang mit herausfordernden Situationen in diesem Zusammenhang. Solltest du also noch tiefer ins Thema einsteigen wollen, lies hier gerne nochmal nach.

Ansätze und Ideen für eine gute Elternarbeit in der Praxis

Im Folgenden möchten wir dir ein paar Ideen und Inspirationen für deine Praxis mitgeben, die du nutzen kannst, um die Elternkommunikation in deiner Mannschaft bzw. deinem Verein zu stärken.

Ein wichtiger Termin im Laufe der Saison ist der Elternabend zu Saisonbeginn.
Nutze ihn, um den Eltern deiner Spieler direkt von Beginn an klarzumachen, dass eure Kommunikation auf Augenhöhe stattfinden soll. Wenn du gleich zu Beginn die Potenziale ansprichst, die in der Mannschaft – und damit auch in der Elternschaft – vorhanden sind, sorgst du direkt dafür, dass sich die Eltern der Kinder wertgeschätzt fühlen.
Ein großer Mehrwert für die Elternschaft kann es auch sein, wenn ihnen beim Elternabend ermöglicht wird, die anderen Eltern besser kennenzulernen. Gerade Eltern von Neuzugängen hilft es, wenn man ihnen am Anfang die Kontaktaufnahme zu den anderen Eltern erleichtert und „das Eis bricht“.

Auch die Eltern der anderen Jahrgänge kennenzulernen, kann bereichernd sein. Wenn sich hierfür der Elternabend nicht anbietet, lässt sich vielleicht im Laufe der Saison ein passendes Vereinsprojekt oder ein spannendes Thema für einen Eltern-Workshop finden, bei denen ihr diese Gelegenheit bieten könnt. Mache den Eltern außerdem klar, dass du auf ihre Unterstützung angewiesen bist, um erfolgreich mit deiner Mannschaft arbeiten zu können.
Es sollte der Elternschaft bewusst werden, dass die Kommunikation keine „Einbahnstraße“ sein sollte und du als Trainer kein Alleinunterhalter sein möchtest.

Ein nützliches Tool hierfür können (gemeinsam festgelegte) Mannschaftsregeln oder ein Leitfaden für Spieler, Trainer und Eltern (wie in den Förderzentren von Anpfiff ins Leben umgesetzt) sein.
Jedes Kind, aber auch jeder Elternteil bringt Talente und Erfahrungen mit, die wertvoll für dein Team sein können. Wenn Du dieses Potenzial wertschätzt und nutzt, kann sich jeder entsprechend seinen Kompetenzen und zeitlichen Kapazitäten einbringen. Nicht immer sind die Talente und (beruflichen) Kompetenzen der Eltern bekannt.

Wenn du zu Saisonbeginn vielleicht zur Datenerhebung ohnehin einen Fragebogen an die Eltern deiner Spieler ausgibst, kannst du einfach einen zusätzlichen Abschnitt hinzufügen, in dem du zum Beispiel die beruflichen Kompetenzen der Eltern, aber auch ihre Möglichkeiten, sich einzubringen, abfragst.
Am besten gibst du auch schon ganz konkret Tätigkeiten (z.B. handwerkliche Hilfe am Trainingszentrum, Hilfe bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen usw.) an, bei denen ihr im Verein Hilfe benötigt und auch in welchem zeitlichen Umfang (z.B. 2 Stunden im Monat) Unterstützung gebraucht wird. So wird die Hemmschwelle für die Eltern niedriger, sich bei euch einzubringen, weil sie konkret wissen, was sie erwartet und wie viel Zeit sie dafür aufwenden müssen.

Schlusswort
Eine erfolgreiche Jugend-Mannschaft braucht ein gutes Team hinter dem Team – dazu gehören auch bzw. gerade die Eltern der Spieler.
Indem du als Trainer deine Elternschaft kennenlernst und ihnen auch die Gelegenheit gibst, dich kennenzulernen, schaffst du einen wertschätzenden Rahmen und die Basis für eine transparente Kommunikation.
Wenn die Eltern sich als wichtigen Teil des Teams wahrnehmen und ihr einen ehrlichen Austausch miteinander pflegt, sind optimale Bedingungen dafür gegeben, dass sich jeder im Team wohlfühlt und sich gerne einbringt - die Grundlage für ein gutes und erfolgreiches Miteinander.

Quellen
Amar, S. (2023). Von Anfang an stark: Wie Elternarbeit den Verein nachhaltig unterstützt!. ins-netzgegangen.info/von-anfang-an-stark-wie-elternarbeit-denverein-nachhaltig-unterstuetzt
Amar, S. (2025). Eltern sind (k)eine Nebensache. insnetz-gegangen.info/eltern-sind-keine-nebensach

Erscheinung
exklusiv online
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Walldorf
Kategorien
Sport
Meine Heimat
Entdecken
Themen
Kiosk
Mein Konto