Christian Zinser, Kunstmühlenbesitzer in Ebersbach, erbaute 1888 am Standort Burgstall einen Kalksteintrockenofen. Wie Deuschle gewann und brannte auch er den Kalkstein in Roßwälden, hier im Flurstück „Burgstall“ auch „Buschel“ genannt. 1896 baut er einen Tunnel unter dem Weg durch, da er auf beiden Seiten des Weges nach Reichenbach Steine bricht. So mussten die Steine nicht über den Berg gefahren werden. Dieser Tunnel bzw. der Weg für die Rollbahn ist ansatzweise heute noch zu sehen.
1904 verkaufte Zinser an die Süddeutsche Zement-Verkaufsstelle, Heidelberg. Diese wiederum verkaufte das Anwesen in Ebersbach 1905 an Carl Kaufmann, Fabrikant aus Denkendorf. (Heutiges Kaufmannareal). Wie bei Deuschles Nachfolgern blieben die Grundstücke in Roßwälden im Besitz von Privatleuten und der Gemeinde.
1905 am 4. April kaufte Gottlieb Häfele, Fabrikant aus Göppingen (Süddt. Woll-Haarspinnerei und Weberei) die Zementmühle in Ebersbach (heute Haus Filsblick). Im Unterschied zu Deuschle trocknete Zinser den Kalkstein aus dem Flurstück „Burgstall“, auch „Buschel“ genannt, nur und brachte ihn nach Ebersbach zum Brennen. Der Ofen selbst wurde mit Steinen vom Steinbruch im Kratzer aus Roßwälden gebaut und innen mit Backsteinen ausgemauert.
Alfred Unger, Gründungsmitglied vom Stammtisch Heimatkunde, stieß im „Roßwälder Stab“ auf die Zementverarbeitung in Roßwälden. Dadurch wurde sein Interesse geweckt und er begann zu forschen. Vom Stadtarchiv Ebersbach wurden Baupläne und Unterlagen zur Verfügung gestellt und Alfred Unger nahm entsprechende Vermessungen vor. Dabei stieß er auf die jetzt noch sichtbaren Grundmauern des Zementwerks. Das Industriedenkmal in der Rosswälder „Halde“ (Zementofen genannt) wurde im Jahr 2005-2006 von Alfred Unger in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv, Ortschaftsrat und Bauhof der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Original von 1872 ist noch die betonierte Bodenplatte und das Gebäudefundament sichtbar.
Die Umgebungsmauer wurde mit den Steinen der alten Kirchmauer von Roßwälden erstellt.
Nach der Stilllegung der Zementwerke in Roßwälden wurde der Steinbruch in der Halde auf der Südseite bis 1960 zur Schuttablagerung verwendet. Der Steinbruch in der Halde wurde als Schießbahn mit einer Schießhütte und einem Schießhaus vom Kriegerverein bis 1945 verwendet. Schießhaus und Hütte wurden 1945 abgebrochen und das Abbruchmaterial zur Ausbesserung der vom Krieg beschädigten Gebäude in Roßwälden verwendet. Von 1960 bis 1972 war die Schießbahn Müllkippe und Auffüllplatz, um dann als Baumwiese verwendet zu werden.
1974 wurde dieser Steinbruch mit dem Erdaushub beim Bau der Raichbergschule aufgefüllt.
Und so sieht der Bereich um den Zementofen heute aus….
Alfred Unger/Sybille Hiller