Für den Rückblick auf die außergewöhnlichen Ereignisse dieser Zeit konnte mit dem damaligen Schramberger Oberbürgermeister Dr. Herbert Zinell ein direkt Beteiligter und Wissender gewonnen werden. Rund 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger, aber auch Gäste von auswärts, waren dazu am 06. Mai in den kath. Pfarrsaal in Tennenbronn gekommen. Heimathaus-Vorstand Alfred Moosmann stellte bei der Begrüßung fest, dass er viele als "geschichtlich interessiert" bekannte Gesichter sehe, wogegen die damaligen Eingemeindungsgegner dem Vortrag weitgehend ferngeblieben sind.
Dr. Zinell schilderte seine Erinnerungen einem stattlichen Publikum.
Dr. Zinell erwähnte zu Beginn, dass Schramberg durchaus eine "Eingemeindungs-Historie" hat: Sulgen kam auf Zwang der Nationalsozialisten dazu und mit der Gemeindereform 1971 freiwillig auch Waldmössingen. In die erste Amtszeit von Dr. Zinell fiel 1998 der Eingemeindungswunsch einer Mehrheit des Lauterbacher Gemeinderates, der aber trotz der prekären Haushaltslage beim Bürgerentscheid keine Mehrheit fand.
Herbert O. Zinell schilderte, wie er zusammen mit seinem Fachbereichsleiter am 14. Juli 2005 zu einer Gemeinderatssitzung in Tennenbronn eingeladen war, die ganz anders verlief als gedacht. Statt über eine Kooperation im Schwimmbadbereich zu beraten, wurden die Gäste mit einer möglichen Eingliederung konfrontiert. Auslöser war die erfolgreiche Kandidatur von Tennenbronns Bürgermeister Dold in Pliezhausen.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Schon fünf Tage später beschloss der Gemeinderat, Sondierungsgespräche aufzunehmen - gegen den Willen des noch amtierenden Bürgermeisters, der nicht schuld sein wollte an einem möglichen Verlust der Selbstständigkeit. Der Zeitplan war äußerst ambitioniert - bis Jahresende sollte "alles klar sein". Die Fakten zur Beurteilung der Lage wurden in einem "Weißbuch" zusammengetragen und im Oktober begannen die Vertragsverhandlungen. "Mit dem Essen kommt der Appetit", zitierte der Ex-OB ein Sprichwort, denn es war erkennbar, dass bei den Gemeinderäten aus Tennenbronn die Begehrlichkeiten gewachsen waren. Am Ende verpflichtete sich die Stadt, in den kommenden 10 Jahren rund 4,4 Millionen Euro zu investieren.
Befürworter und Gegner der Eingemeindung hatten sich formiert und warben bei Vereinen und Bürgerversammlungen intensiv für ihre Überzeugung. Das Medieninteresse war riesig, die Zeitungen veranstalteten Podiumsdiskussionen, Anfragen von Funk und SWR-Fernsehen trafen ein. Hoch emotionale Vorhaltungen, teilweise "Fake-News" und persönliche Angriffe machten dem OB und den Befürwortern zu schaffen - ein Glück, dass es noch kein Social-Media gab, meinte Zinell.
Der Tag der Entscheidung war der 15. Januar 2006 - die Bürgerabstimmung. Herbert O. Zinell hatte kurz davor seine erneute Kandidatur als Oberbürgermeister bekannt gegeben. Und tatsächlich wurde er aufgrund der Zustimmung von rund 62 % der Wählerschaft zur Eingemeindung ab 1. Mai 2006 auch der OB aller Tennenbronnerinnen und Tennenbronner.
Bei den abschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum wurde Herbert O. Zinell bestätigt, dass das aufgebaute Vertrauensverhältnis und seine erneute Kandidatur wesentlich zum positiven Ausgang des Bürgerentscheids beigetragen hat. Der Lauterbacher Gemeinderat Ansgar Fehrenbacher fragte sich, wo der Unterschied zur negativen Abstimmung in seiner Gemeinde lag - vermutlich war es die damalige Uneinigkeit im Gemeinderat. Lauterbach existiere zwar immer noch, habe aber auf viel Liebgewonnenes verzichten müssen.
Aber auch Tennenbronn ist immer noch am gleichen Platz und hat seine Identität bewahrt. Das ist auch ein Verdienst des Heimathauses, das 2010 mit Unterstützung der Stadt eröffnet wurde und intensiv die Geschichte und Ereignisse der Heimat vermittelt.