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Donnerstag, 12.03.
9:30 Uhr Gesprächskreis mit Jörg Breitling
Spanngurt im Briefkasten
Wie an dieser Stelle schon berichtet, sind wir aufgrund unseres Umzugs kräftig am Aussortieren. Dabei haben wir auch unsere Dachbox verkauft. Die Kinder sind inzwischen groß und fahren nicht mehr mit uns in den Urlaub – also brauchen wir sie nicht mehr. Ein junger Mann aus dem Nachbarort kam, um sie abzuholen. Doch beim Aufladen merkten wir: So ganz passte die Dachbox nicht in sein Auto. Die Heckklappe musste ein Stück offenbleiben. „Kein Problem“, sagte ich, holte einen Spanngurt und lieh ihn ihm. „Du kannst ihn ja nach Gebrauch einfach in den Briefkasten legen.“ Er bedankte sich, fuhr davon – und ich wartete. Tage vergingen. Wochen vergingen. Doch der Spanngurt blieb verschwunden. Ich dachte mir: „Wahrscheinlich hat er ihn vergessen.“ Ich wollte ihm nichts Böses unterstellen. Und selbst wenn – es wäre kein großer Verlust gewesen. Aber, ich merkte auch: So ein kleiner Zweifel war da. Und dann, vor kurzem, lag er plötzlich im Zeitungsfach, der Spanngurt. Sauber zusammengerollt. Der junge Mann hatte Wort gehalten. Und ich musste mir eingestehen: Ich hatte innerlich schon angefangen, falsch über ihn zu denken. Wie schnell bilden wir uns ein Urteil über andere Menschen. Wie schnell haben wir einen Verdacht. Wie schnell trauen wir anderen etwas Negatives zu – oft, ohne es zu merken. In der Bibel sagt Jesus im Matthäusevangelium: „Hört auf, andere zu verurteilen, dann werdet auch ihr nicht verurteilt.“ (Matthäus 7, 1; Übersetzung Neues Leben)
Jesus lädt uns ein, vorsichtig zu sein mit unseren Urteilen. Denn wir kennen oft nicht die ganze Geschichte. Wir sehen nur einen Ausschnitt. Wir wissen oftmals nicht, warum etwas geschieht – oder warum etwas länger dauert. Diese kleine Begebenheit mit dem Spanngurt hat mich neu daran erinnert: Menschen verdienen Vertrauen. Und wir tun gut daran, nicht vorschnell zu urteilen. Und noch etwas anderes ist mir bewusst geworden: Wie gut, dass Gott nicht vorschnell über mich urteilt. Er ist geduldig. Er gibt mir Zeit. Vielleicht ist der nächste „Spanngurt-Moment“ in unserem Leben eine Einladung, neu zu vertrauen. Und anderen mit mehr Geduld und mehr Liebe zu begegnen.
Jörg Breitling