
Das jüdische Verständnis von Leben, Tod und Auferstehung unterscheidet sich vom christlichen. Das führt dazu, dass die Religionen nur wenige gemeinsame Friedhöfe haben. Denn Juden glauben an die Auferstehung des ganzen Menschen, wenn der Messias kommt. Deswegen bleiben Gräber unbegrenzt erhalten. In der Folge finden sich Grabstätten, die z.T. weit ins Mittelalter zurückreichen, wie z.B. in Worms. Der Friedhof am Ölberg in Jerusalem ist sogar seit etwa 3000 Jahren in Gebrauch.
Jüdische Friedhöfe werden am Rande der Ortschaften an Wasserläufen errichtet. Denn wer einen Friedhof betreten hat, gilt als unrein und muss sich einer rituellen Waschung unterziehen. In Leutershausen und Großsachsen gab es dafür rituelle Bäder, Mikwen, aber nicht jede Gemeinde hatte diesen Luxus.
Geeignete Friedhofsplätze, die noch dazu den Juden überlassen wurden, waren nicht leicht zu finden, und in der Tat befindet sich im direkten Umfeld von Leutershausen nur ein kleiner jüdischer Friedhof in Schriesheim südlich des christlichen Friedhofs, auf dem für eine kurze Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts Schriesheimer und Dossenheimer Juden beigesetzt wurden, und ein ebenfalls kleiner in Ladenburg.
Ansonsten wurden aber die Jüdinnen und Juden aus Leutershausen, Großsachsen, Schriesheim, Dossenheim und weiteren neun Gemeinden (Feudenheim, Hemsbach, Ilvesheim, Lampertheim, Laudenbach, Lützelsachsen, Viernheim und Weinheim) seit etwa 1680 auf einem Verbandsfriedhof außerhalb von Hemsbach beigesetzt. Schon damals Bürokratie: Durch einen Begräbnisverein von 1716 wurde die gemeinsame Nutzung und Unterhaltung auf eine rechtliche und finanzielle Grundlage gestellt. Aus den ersten Jahren sind wenige Grabsteine noch lesbar. Seit 1717 bzw. 1734 fanden aber nachweislich Begräbnisse von Leutershausener bzw. Großsachsener Juden dort statt. Insgesamt sind durch Forschungen 1066 Grabsteine erkennbar, davon ca. 132 für Leutershausener und 42 für Großsachsener Juden.


