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Tokyo Marathon

Ein Bericht von Matthias Schell Schon der erste Blick aus dem Hotelfenster am frühen Morgen war mega. Wolkenloser Himmel und der Mt. Fuji präsentierte...
Foto: Matthias Schell

Ein Bericht von Matthias Schell

Schon der erste Blick aus dem Hotelfenster am frühen Morgen war mega. Wolkenloser Himmel und der Mt. Fuji präsentierte sich in der Ferne. Direkt vor dem Hotel waren fleißige Hände mit den letzten Arbeiten für den Marathon beschäftigt, denn der Start befand sich direkt vor dem Hotel.
Der Tokyo Marathon ist die bestorganisierte Veranstaltung, die ich kenne. Es ist alles geregelt und erstaunlicherweise halten sich hier alle dran. Im Runners Guidebook ist alles präzise beschrieben. So durften selbst Plastikwasserflaschen nicht in den Startbereich mitgenommen werden, aber ungeöffnete Aerosolsprays bis 120 ml waren zugelassen. Vor und während des Wettkampfs sucht man sich sein Dixie nicht selber, sondern man steht in einer geordneten Schlange hinten an, bis man dran ist. Dafür gab es auf der Strecke Hinweisschilder, wie weit die nächste Toilette noch weg ist. Echt praktisch.
Der Start erfolgte exakt um 9.10 Uhr und die Organisatoren haben es geschafft, die 39.000 Starter aus 11 Startblöcken in 40 Minuten durchzuschleusen. Das war auch nötig, denn der letzte CutOff bei km 38 wurde ab dem Startschuss berechnet (Bruttozeit). Langsamere Läufer hatten da durchaus nachvollziehbare Bedenken.
Für mich waren die CutOff-Zeiten unproblematisch, so dass ich in bester Laune bei strahlendem Sonnenschein die Startlinie vor den Doppeltürmen des Metropolitan Government Hochhauses passierte. Die Strecke führte durch die bekannteren Stadtteile, zuerst von Shinjuku mit dem verkehrsreichsten Bahnhof der Welt, nach Akihabara, wo die Manga- und Comic-Welt beheimatet ist. Am Anfang geht es auf der ansonsten flachen Strecke leicht bergab und ich konnte die bunte Mischung aus Reklameschildern und schrillen Kostümen genießen.
Ich nutzte jede der 15 (!) Verpflegungsstationen, um Getränke und Nahrung zu mir zu nehmen. Die sehr freundlichen Helfer und die zahlreich vorhandenen Zuschauer feuerten uns alle immer wieder an - japanische Gastfreundschaft pur. Praktisch an jedem Kilometer standen mehrere Freiwillige mit Plastiktüten, um auch abseits der offiziellen Stationen den Läufermüll wie z.B. Geltuben einzusammeln. Auch das gehört zur japanischen Kultur.
In Ueno war die erste der 4 Wenden, so dass man auf der gegenüberliegenden Straßenseite die entgegenkommenden Läufer studieren konnte. Diese Begegnungsstrecken machten rund 60 % des gesamten Kurses aus, also ungewohnt viel. In Asakusa konnte man den mächtigen Tokyo Skytree Tower bewundern, bevor am Sensoji Tempel die nächste Wende nach Süden wartete. In Nihombashi war nach der Brücke über den Sumida River schon die erste Hälfte absolviert. Es ging weiter nach Süden bis zum Hachimangu Schrein, wo die Strecke nach der 3. Wende wieder nach Norden führte. Zurück über die Sumida Brücke bog man dann wieder nach Süden ab und erreichte nach 30 km das noble Shoppingviertel Ginza.
Natürlich wurden die Beine so langsam schwerer und ich beneidete die Läufer auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die schon 4 km weiter waren. Nach der letzten Wende bei km 37 wurde es dafür wieder etwas leichter, weil man auf der Gegenseite die Teilnehmer sah, denen es auch nicht besser ging. Und man freute sich, dass man nun selber schon etwas weiter war. Kurz danach kam schon der Tokyo Tower in Sicht. Das hieß, nur noch 3 km waren zu laufen. Die dortige Trommlergruppe gab noch zusätzlich etwas Auftrieb. Und bald kam der Hauptbahnhof in Sicht, wo man gegenüber des Kaiserpalastes auf das Ziel zulief.
Es war geschafft: die Medaille baumelte um meinen Hals. Dazu gab es einen Poncho aus Frotteestoff. Die Waden waren zwar beinhart, aber die Begeisterung hielt an. Normalerweise erhält man im Startbeutel die Pröbchen der Sponsoren. Hier wurde dies nach dem Finish geradezu zelebriert. Zuerst bekam ich eine Plastiktüte (die gibt es da noch!) in die Hand und jedes Produkt wurde nach und nach einzeln dazu sortiert, bis die Tüte ganz schön schwer war. Ein weiterer unerwarteter Höhepunkt war die Kleiderbeutelrückgabe. In einem langgezogenen Spalier standen die Helfer dicht an dicht. Jeder einzelne applaudierte, rief entweder auf Englisch Congrats oder auf Japanisch omedetogozaimasu. Viele hatten das auf die Innenseite der Handschuhe geschrieben und strahlten, als seien sie selbst gelaufen. Ein unglaublicher Abschluss!
Fazit:
Natürlich hat Tokyo nicht die Vielzahl an bekannten Sehenswürdigkeiten an der Strecke wie New York oder Berlin. Aber die Mischung aus traditioneller Architektur und den modernen Wolkenkratzern, aus japanischer Gastfreundschaft und den schrillen Kostümen ist ein Erlebnis. Wer das Glück hat, einen Startplatz zu ergattern, erlebt den am besten organisierten Marathon der Welt.

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Mitteilungsblatt Neustadt – Stadt Neustadt
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Ausgabe 14/2026
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