Von Bernd Eppelmann
Als Fahrradflohmarkt hatten sie die Sonntagsveranstaltung erdacht. In der Realisationsphase haben sie dann aber mit dem Begriff „Fahrradbasar“ eingeladen, den ersten in Laudenbach. „Wir wollten weg von dem statischen Image eines Flohmarkts mit verstaubten Kellerschätzen. Fahrräder bedeuten Bewegung und Aktivität, auch beim Testfahren und Handeln“, erklärt Cornelia Baumgärtner, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, die den rein privaten Markt mit Ehrenamtlichen der Laudenbacher Klima-AG organisiert hat, die Absicht der Wortwahl. Dabei war die Ausschreibung bewusst niederschwellig angesetzt und eventuelle Überbleibsel wäre der Radhof im Weinheimer Bahnhof bereit gewesen, zu übernehmen.
120 Fahrräder im Angebot
Wenn man sich das Treiben auf der großen befestigten Sandfläche hinter der vereinseigenen Halle der Turngemeinde so betrachtete, hätte auch der Ausdruck „Bilderbuchmarkt“ gepasst. Über 50 Anbieter hatten sich für einen der kostenlosen Plätze auf dem großzügigen Areal angemeldet. „Wahrscheinlich stehen hier heute 120 Fahrräder zum Verkauf und wir haben so einige Bierbänke zum Abstellen von Kisten mit Ersatzteilangeboten an die Anbieter ausgegeben“, schätzt Baumgärtner, die auf Veröffentlichungen der Kommune, auf Plakaten und im Internet als grafische Werbefigur „Klima-Conny“ mit gewinnendem Lächeln und großer Lupe Energiefresser aufspürt und damit in Laudenbach so etwas wie einen eigenen Kultstatus besitzt. Dieses Klima-Conny-Lächeln kommt auch zum Einsatz, als sie die just zum nachmittäglichen Basarbeginn aufziehende Sonne mit: „Das ist Teil der Kompetenz der Laudenbacher Klima-AG“, erklärt.
Gute Angebotsqualität
Beim Gang über den Platz, auf dem die Räder in Reihen übersichtlich aufgestellt sind, fällt die überwiegend sehr gute Qualität der angebotenen Sachen auf. Sauber geputzte Fahrzeuge, Reifen aufgepumpt und mit Profil, sorgfältig geschmierte Ketten, funktionierende Beleuchtung und Bremsen sind Standard. Da gehen Käuferherzen auf und es wird mit Genuss probegefahren oder bei den Ersatzteilen gesucht, ob das passende Teil dabei ist.
„Die Preise wirken teilweise stattlich“, urteilt Ralf Bisdorf, eines der ehrenamtlichen Mitglieder der Klima-AG, die den Basar mit aufgebaut hat, aber die 300 Euro für das MTB Fully, das er selbst angeboten und schon nach 30 Minuten verkauft hat, seien nur ein Bruchteil dessen, was ihn das Rad mal selbst gekostet habe. Die 40 Euro, die er für sein anderes Angebot, ein gepflegtes Herrenrad mit Kettenschaltung, eingenommen hat, entsprechen dem unteren Preisniveau des Basars.
Auch Markus Schäfer hat keine Schwierigkeiten, sein topgepfleges Hardtail-Mountainbike abzusetzen. „Den Erlös investiere ich jetzt an der Kuchentheke“, freut er sich. Die Resonanz, auch auf Käuferseite, die augenscheinlich nicht nur zum Schauen gekommen seien, bemerkt er sehr positiv. Dabei wären die beiden Oldtimer-Schönheiten, Peugeot-Damenräder aus den Achtzigern im Bestzustand, die an zwei Ständen unabhängig voneinander angeboten wurden, schon alleine ein „Nur mal betrachten“ wert gewesen.
Auch Premiumbereich am Platz
Im Premiumbereich der E-Bikes ist Peter Frenzel auf Anbieterseite unterwegs. Er ist aus Hemsbach auf seinem Sondermodell mit Trekkingausstattung und Vintage-Ledersattel der Marke Conway nach Laudenbach geradelt und wäre bereit, zurück ohne sein Rad zu Fuß zu gehen, wenn er die aufgerufenen 1.500 Euro dafür bekäme. Bis kurz vor Ende des dreistündigen Markts war aber die Preishürde für das sechs Jahre alte Schmuckstück, fast im Neuzustand, mit 1.400 Kilometer Laufleistung, an dem Tag vielleicht doch zu hoch.
Am untersten Ende der Preisskala hat sich Roger Hördt mit „zu verschenken“ positioniert. Er bietet das 24er-Mädchenfahrrad seiner Tochter kostenlos an, weil dem Kettenschutz ein Stück weggebrochen ist und das vordere Schutzblech mit Klebeband geflickt ist. Ansonsten ist das Rad einwandfrei gepflegt, mit funktionierendem Licht, Bremse und Klingel. Das scheint bei Interessenten eine Art Unterreaktion herauszufordern. Das Rad, das mit vielleicht 20 Euro instand zu setzen wäre, bleibt stehen.
Am Ende des Basar-Sonntags gibt es aber zufriedene Gesichter, einen durchweg erfolgreichen Handelsnachmittag, eine Menge glückliche Fahrradneubesitzer und darunter auch Verkäufer, die ihren Erlös gleich am Ort in ein neues Stück reinvestiert haben.
Die Kuchentheke, die die Helfer der Klima-AG bestückt hatten, ist von den Marktteilnehmern gegen Spende leergeräumt worden, und Cornelia Baumgärtner ist am Nachmittag schon sicher, dass der erste so erfolgreiche Fahrradbasar nicht der letzte gewesen sein wird.