
Was für ein Abend! Nach gut zweieinhalb Stunden nahmen die Musiker die Ovationen des begeisterten Publikums im randvollen Alten Rathaus entgegen. Wohl niemand konnte sich der Faszination dieses mitreißenden Jazzabends aus Anlass des Doppel-Jubiläums „25 Jahre Altes Rathaus Schöckingen - 25 Jahre Klaus Graf Jazz Quartett“ entziehen. Was Klaus Graf am Altsaxophon, Volker Engelberth am Piano, Meinhard Obi Jenne an den Drums und Axel Kühn am Kontrabass boten, sprengte alle Fesseln. Die vier Musiker gaben alles und stellten eindrucksvoll unter Beweis, warum sie in der obersten Liga des Jazz spielen.
Ralf Ehring, AK-Vorsitzender und seit vielen Jahren mit seinem Schöckinger Nachbarn Klaus Graf befreundet, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass Graf mit seiner neugegründeten Band im Jahr 2001 das allererste Konzert im neueröffneten Alten Rathaus gab und fortan „ein guter Freund des Hauses“ wurde. Nach einem fulminanten Auftakt mit dem durch Cannonball Adderley bekannt gewordenen „Arriving Soon“ übernahm Klaus Graf die Moderation des Abends, erzählte von den Anfängen der Band und gab wunderbare Einblicke in die Geschichten, die seinen eigenen Kompositionen zu Grunde liegen. Ein kleines Ratespiel, bei dem die CD „Klaus Graf Quartett Live in India“ zu gewinnen war, drehte sich um eine kunstvoll verschlüsselte Coverversion der Beatles-Nummer „I Feel Fine“. Krönender Abschluss vor der Pause war das programmatische „Bft (Beaufort)“, ein Stück „mit Bezug zu Familie Ehring“. Mit deren damals zehnjährigem Sohn und dem eigenen, der heute selbst ein namhafter Musiker ist, geriet Klaus Graf mit seinem Boot auf dem Bodensee in eine aufziehende Sturmfront, erreichte aber trotz hoher Wellen den sicheren Hafen. Eine atemberaubende Seefahrt zwischen tobenden Elementen, dann abflauenden Winden und einem rasanten Freejazz-Finale, von den vier Musikern einfach genial inszeniert!
Michel Legrands lyrisches „You Must Believe in Spring“ führte schließlich zu Klaus Grafs 30-minütiger „Mysore Suite“, worin er die Erlebnisse und Geheimnisse in der indischen Stadt Mysore und deren Maharadscha-Palast beschreibt – ein opulent vielschichtiges Werk, das geheimnisvollen Klang mit westlich-urbanem Sound kunstvoll verband. Nach frenetischem Beifall gab es für das Publikum eine Zugabe zum Mitklatschen und eine Rose für den Heimweg und für das grandiose Klaus Graf Jazz Quartett eine von Nicole Kmitta gezauberte Jubiläumstorte. Wie gesagt: Was für ein Abend!
DH