
Die Kirchenglocken läuten, die Stadtkapelle stimmt ein würdevolles Lied an, Menschen strömen aus der Wildberger Martinskirche und versammeln sich am Ehrenmal auf dem Vorplatz des Gotteshauses. Sie senken die Häupter und versinken in stillem Gedenken an Tote, an Opfer von Krieg und Gewalt. Nicht nur in Wildberg oder Deutschland, sondern auf der ganzen Welt.
Der Totensonntag – im christlichen Glauben auch Ewigkeitssonntag genannt – ist ein Tag der Stille und des Gedenkens. Die genaue Bedeutung erklärten Schüler des Bildungszentrums Wildberg, die vergangenen Sonntag an der Gedenkfeier in der Kernstadt teilnahmen. Im Unterricht hatten sie sich zuvor intensiv mit dem Thema befasst.
Jedes Jahr finden in allen Wildberger Stadtteilen Gedenkfeiern zu diesem Anlass statt, in Gültlingen kommen Bürger bereits am Sonntag zuvor, am Volkstrauertag, zusammen. Sie alle eint der Wunsch nach Frieden, weshalb sie mit ihrem Besuch auf Friedhöfen und an Denkmälern ein Zeichen gegen Krieg und Gewalt setzen. Ein Thema, das selbst heute noch aktuell ist. 122 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht, berichtete Helmut Dolderer, Vorsitzender des Wildberger Ortsverbands des Sozialverbandes VdK. 41 Prozent der Geflüchteten seien Kinder. Rund 50 Millionen Jungen und Mädchen sind derzeit also ohne Heimat. „Niemals dachten wir, dass wir mitten in Europa, in Deutschland,“ wieder Angst vor dem Krieg haben müssen, bedauerte Dolderer. „Wir wissen, was Krieg bedeutet. Wir haben einen Auftrag“, erklärte er die Mission des Sozialverbandes VdK. „Solidarität bedeutet, dass alle Menschen aufeinander Rücksicht nehmen – auch, wenn sich daraus kein eigener Vorteil ergibt. Die Solidarität ist ein Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft, die es immer mehr zu verteidigen gilt.“
Auch Bürgermeister Ulrich Bünger ermahnte die Anwesenden in der Wildberger Kirche, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. Noch immer müsse man sich für den Erhalt der demokratischen Grundwerte stark machen. Genau das taten die Bürger vergangenen Sonntag, in der Kernstadt ebenso wie in den Stadtteilen.


