
Die Touristik Bad Wildbad GmbH blickt auf ein ereignisreiches touristisches Jahr zurück. Geschäftsführerin Stefanie Bott präsentierte im Gemeinderat eine umfangreiche Bilanz und einen Ausblick, der positiv erscheint. Doch die Diskussion mit den Gemeinderäten legte schnell die kritischen Fragen der Finanzierung und des messbaren Nutzens für die Stadt offen.
Starkes Wachstum bei Events und Führungen
Die Besucherzahlen in der Tourist-Information Bad Wildbad steigen signifikant: von 31.633 im Jahr 2022 auf 34.380 im Jahr 2023. Allein bis zum 8. September 2025 wurden bereits 25.745 Besucher registriert. Dieses Wachstum ist nicht zuletzt auf erfolgreiche Veranstaltungen zurückzuführen: Die Enzbeleuchtung (5. Juli 2025) verdoppelte die Besucherzahl von 3.800 auf beeindruckende 7.300. Die Schwarzwälder Klötzlestage wuchsen von 1.200 auf 2.000 Besucher, und das Festival Rossini in Wildbad legte auf 3.265 Gäste zu.
Auch die vielfältigen Führungen zeigen reges Interesse: Es gab 13 öffentliche Stadtführungen (167 Teilnehmer) und 15 Gruppenführungen (397 Teilnehmer). Spezielle Angebote wie die Genusstour (161 Teilnehmer), die Palais Thermal Führungen (74 Teilnehmer) und neue Formate wie die Stadtführung im Sitzen (25 Teilnehmer) und die viermal gebuchte Bierwanderung trugen zur Belebung bei. Geplant sind unter anderem noch eine ausgebuchte Hochzeitsmesse mit 34 Ausstellern am 30. November sowie der Weihnachtsmarkt und der Lichterzauber von November 2025 bis Februar 2026 am Baumwipfelpfad, der Wildline, auf dem Sommerberg und im Kurpark.
Die Stadt investierte in neue Attraktionen und Infrastruktur, darunter die Ahornbrücke (eingeweiht am 12. August), einen neuen Fotopoint und die Radstation (Einweihung am 19. September). Für das Heiraten wurde das Vogelhaus seit Mai für Trauungen geöffnet. Zudem soll der Kino-Express ab dem 10. Oktober Fahrten von den Höhenorten zum Kino anbieten. Im Souvenirbereich setzt man auf Produkte wie die verkaufte Schwarzwaldmarie (77.000 Stück) und den AKVO Thermal Vodka.
Für Aufsehen sorgte die sogenannte „Netzpleite“, die Bad Wildbad eine ungewollte, aber immense Reichweite verschaffte. Bürgermeister Marco Gauger sprach von „unverhoffter weltweiter Reichweite“ in Medien wie dem ARD Morgenmagazin, der Tagesschau, RTL, Der Spiegel und der BILD Zeitung.
Der optimistische Bericht stieß im Gemeinderat auf ernste Kritik an der finanziellen Transparenz. Gemeinderat Mathias Fey (AfD) forderte kategorisch konkrete Zahlen zu Ausgaben und Einnahmen der Veranstaltungen. Er bemängelte, dass der Gemeinderat als Abstimmungsgremium die genauen Bilanzen nicht kenne, da diese lediglich dem Aufsichtsrat vorlägen. Bott verteidigte dies mit dem Hinweis, sie sei Geschäftsführerin der Touristik GmbH und ihr Entscheidungsgremium sei der Aufsichtsrat; die Präsentation diene lediglich der Kenntnisnahme. Fey hielt dagegen, dass das Vorenthalten von Zahlen nicht gut sei, wenn der Gemeinderat letztlich abstimmen müsse.
Die größte Sorge äußerte Gemeinderätin Rita Locher (FWV). Sie kritisierte, die vorgelegten Zahlen seien „schön“, zeigten aber nicht die für die Stadt so wichtigen Gästeübernachtungen. Sie konstatierte, dass das Vorkrisenniveau nur durch einen 100.000 Euro Marketingzuschuss aus Corona-Hilfen erreicht wurde, der nun fehle. Locher forderte eine Darstellung, welche Wertschöpfung die Touristik generiere und wie sich Kurtaxe und Einnahmen entwickelten, damit der Gemeinderat die Ausgaben im Haushalt richtig einordnen könne. Bott entgegnete, dass die Übernachtungszahlen wegen ungemeldeter Zimmer („viele schwarze Schafe in Wildbad“) nicht repräsentativ seien. Es gehe vielmehr darum, über gezielte Maßnahmen (z. B. Reels, Influencer Marketing) und eine Steigerung der Qualität bei den Leistungsträgern die Wertschöpfung zu sichern und die Verweildauer der Gäste zu erhöhen.
Trotz der kritischen Töne lobten andere Räte das Engagement. Gemeinderat Oliver Eder (CDU) sprach von einer „Vielfalt, die dargestellt“ wurde, und einer Überwindung der Corona-Zahlen. Er betonte, dass der Erfolg auch den Einzelhändlern nützen müsse. Gemeinderat Jochen Borg (CDU) stellte die Aufbruchsstimmung und die Freude des gesamten Teams heraus.
Gemeinderätin Ursula Jahn-Zöhrens (SPD) mahnte jedoch, das Gesamtbild zu sehen. Es tue ihr leid, dass Einzelhändler nach der Einwohnerfragestunde gegangen seien. Sie betonte die Tradition der Stadt im Gesundheitsaspekt und der Prävention und forderte Gemeinderat, Touristik und Bürger auf, gemeinsam hinter dem Tourismus zu stehen.
Bürgermeister Gauger stellte klar, dass die Corona-Hilfen zur Bewältigung der Mehrbelastung der Kommunen gedacht waren, um das Niveau von 2019 zu erreichen, was in Bad Wildbad gelungen sei. Er gab zu bedenken, dass ein kompletter Rückzug aus dem Online-Marketing ein zu hohes Risiko darstelle und man schauen müsse, wie die Stadt die Touristik künftig unterstützen könne. (mm)