Zeitkritik mit Pinsel und Pointe:

Triptychon „Die Schirmolympiade“ im Rathausfoyer

Eine beeindruckende künstlerische Zeitsatire hält der Calwer Bevölkerung den eigenen Spiegel vor:
Die Schirmolympiade, Rathaus Calw
Foto: Stadt Calw

Seit kurzer Zeit ziert anlässlich der 950-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Calw Kurt Weinholds bedeutsames Triptychon „Die Schirmolympiade“ aus dem Jahre 1928 das Rathausfoyer.

Kurt Weinhold, 1896 in Berlin-Charlottenburg geboren, gilt als ein bedeutsamer Vertreter der Neuen Sachlichkeit, der im Umfeld von George Grosz, Otto Dix und Rudolf Schlichter vor allem in den 1920er Jahren seine großen, internationalen Erfolge feierte. In dieser Zeit lernt er auch Margarete Schüz kennen, die er 1922 heiratet und mit ihr nach Calw zunächst ins „Haus Schüz“, dem heutigen Hermann-Hesse-Museum, zieht. Dieser Umzug bedeutet für ihn jedoch einen gravierenden Einschnitt in seinem Leben, fällt es dem großstädtisch-bürgerlich geprägten Weinhold nicht immer leicht, sich in das pietistisch-religiöse Umfeld der kleinbürgerlich-schwäbischen Stadt am Rande des Nordschwarzwaldes einzufinden. Tatsächlich nimmt Weinhold in seinem nun zu sehenden Triptychon dann auch den gesellschaftlich bedeutenden Ritus des allsonntäglichen Kirchgangs zum Ausgangspunkt einer allegorischen Zeitsatire.

Das etwa vier Meter lange Triptychon, bestehend aus den drei Teilwerken „Kleinstadtfrömmigkeit“, „Alte Jungfern“ sowie der „Großen Schirmschlacht“, thematisiert als phantastische Groteske die für Weinhold im Ort so sehr vorherrschende Bigotterie und das damit verbundene geistige Klima, sodass das Werk eine deutliche Zeitkritik aufweist. Verspottend, anprangernd und lächerlich machend hält der Künstler auf diese Weise seiner Umwelt den Spiegel vor. Die Präsentation wurde nun in Kooperation mit der Kunstsammlung der Sparkasse Pforzheim Calw als Leihgeberin und der Firma Wienss aus Welzheim ermöglicht, die den hochwertigen Stahlrahmen zum sicheren Ausstellen anfertigte und
einbaute.

Save the Date

Schon heute ist die Bevölkerung am Mittwoch, 10. September 2025, um 17 Uhr in das Calwer Rathausfoyer eingeladen, wenn Oberbürgermeister Florian Kling und Sven Eisele, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw, im Rahmen einer Matinee das Kunstwerk der Öffentlichkeit übergeben werden. Nathalie Reisert, Kuratorin der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim Calw, stellt im Anschluss das Werk in seiner Bedeutung und Entstehung näher vor.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
01.08.2025
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