
Obwohl die Kostproben von Müller-Thurgau und Kerner von den Teilnehmern sehr gelobt wurden, gehören sie zu den stark abnehmenden Sorten, zu denen auch noch der Silvaner gehört. Internationale und Mediterrane Sorten sind auf dem Vormarsch und verdrängen die heimischen Gewächse.
Jetzt waren die Rotweinsorten an der Reihe. Zunächst ein Trollinger trocken –S-. Tiefgründig, am Gaumen stoffig frisch, ein Wein, bewertet mit unglaublichen 94 Punkten. Enderle berichtet, dass hochwertige, kräftige Trollinger mehr in den Fokus gerückt werden und die leichten saftigen eher weniger gefragt seien.
Im Ursprungsland Südtirol dagegen, von wo die Rebe einst als Tirolinger zu uns kam, erlebt er als Vernatsch eine regelrechte Renaissance.
Die nächste Probe war ein 2022er Pinot-Meunier trocken, im Eichenfass gereift. Gerbstoffbetont, körperreich und gehaltvoll präsentiert sich dieser Schwarzriesling zu wahrer Trinkfreude.
Leider gilt auch bei den Rotweinen, dass Trollinger und Schwarzriesling in Reinform immer weniger gefragt sind. Beide sind jedoch für Cuvées oder zur Sektherstellung beliebte Partner.
Mit einem echten Gaumenschmeichler, einem 2023er Spätburgunder trocken, der keine Wünsche mehr offen lies, wurde die Probe fortgesetzt. Mit der heimischen Hausrebsorte Lemberger, trocken und vom Gipskeuper, im Barrique ausgebaut, hat Enderle den Höhepunkt gesetzt und seine Probe unter großem Applaus abgeschlossen. Sein Fazit: Sowohl Spätburgunder als auch Lemberger nehmen in der Gunst der Weintrinker noch zu, wobei der Rückgang einiger typischen Sorten wohl nicht mehr aufzuhalten ist.
Text und Foto: Manfred Schmälzle