
Am 24. Januar veranstaltete der Verein blut.eV das erste Weingartener Eisbaden, eine Charity-Aktion.
Unter strahlend blauem Himmel und eisiger Luft betrug die Wassertemperatur an diesem Tag vier Grad Celsius und entsprach der Definition für das Eisbaden. Über 400 Menschen aus nah und fern – die Erhebung einer Parkgebühr hätte sich gelohnt – pilgerten an den See, um den Einstieg um 14 Uhr zu erleben, hautnah oder als Beobachter.
In dicken Schichten aus Bademänteln oder mit heißem Tee in der Hand bemühten sich die Kandidaten, nicht ins Frieren zu kommen in diesen endlosen Minuten vor dem Start. Da ertönte die sonore Stimme von David Metzger, den vermutlich jeder Weingartener kennt. Das gibt Sicherheit, keiner wird alleine gelassen hier am eiskalten See. „Es gab 132 Voranmeldungen, die jetzt auf 153 gestiegen sind“, gibt er bekannt, denn noch ganz kurzfristig kamen Anmeldungen, sodass die Zahl in die Höhe schnellte. Wie eine Asymptote, die sich den Achsen angleicht, so wird auch die Verweildauer der Kandidaten im Eiswasser ausfallen. Moderator David hebt hervor, dass es um Charity geht, nicht um Challenge.
Wer ins Eiswasser steigt, muss bedacht vorgehen, das weiß auch Christian Boeters. Wie der Sportler sich vorbereitet hat? „Kaum. Mal das Tauchbecken nach der Sauna, ich mache das aus dem Stand.“ Er wird heute das erste Mal bei diesen Temperaturen in den See gehen. „Ich hab super Angst vor kaltem Wasser, das ist hier sozusagen der Endgegner.“ Sein Ziel ist, einmal bis zum Hals ins Wasser zu gehen. „Aber ich weiß noch nicht, wie weit ich komme.“
Auch für Mandy Hammer ist es das erste Eisbad. Sie tauscht sich aus mit Juliane Kuhn, die in den vergangenen Jahren schon des Öfteren im Kaltwasser geschwommen ist. Nach dem Umziehen ist jede auf sich alleine gestellt. Der kalte Boden entzieht den Füßen Wärme. Das Warten hat ein Ende, pünktlich um 14 Uhr eilen 153 Extremschwimmer zum Strand, um behutsam ins eisige Element zu treten.
„In der ersten Minute hast Du mit Dir zu tun“, informiert Diana Belter, um die es später gehen wird. Riskant ist das Vorhaben schon. Allein in der dritten Januarwoche hat das Eiswasser in Deutschland drei Menschenleben gefordert. Unter Extrembedingungen reagiert der Körper unmittelbar. Und bei Kälte bleibt nicht viel Zeit: So platzieren sich auch Rettungstaucher direkt am Strand, um im Notfall sofort am Start zu sein. „Sonst würde ich es nicht machen", sagt Mandy Hammer.
Der Einstieg passiert laut. Kreischen und Schreie sind zu hören, die Zuschauer jubeln, die Luft ist wie elektrisiert. Die meisten bleiben im vorderen Bereich stehen, das Ufer fällt recht steil ab, sodass keiner lange laufen muss, um bis zum Hals im Wasser zu stehen. Diana Belter schwimmt voran. Die Eislady will aus der Menge raus. Die Ersten verlassen den See, sie haben es durchgezogen und sind nicht vorher umgekehrt.
Ab Minute sechs trennt sich die Spreu vom Weizen. „33 Menschen befinden sich in Minute neun noch im Wasser“, informiert David Metzger, und es werden immer weniger, der See leert sich. Das Sicherheitsteam verzeichnet keine Verluste, eine Handvoll Menschen steht oder bewegt sich noch zwischen Boot und Strand.
„Nach 20 Minuten alle raus“, appelliert David. Die letzte Person verlässt um 14:20 Uhr das Wasser. Es ist Diana Belter. Die „Eislady“, die beim ersten Weingartener Eisbaden final dem See entstieg. Sie hat Schwierigkeiten, zu gehen. Doch sie kennt ihren Körper, sie weiß um die Reaktionen auf den Kältereiz. „Kann sein, ich war die Letzte, ich wollte 20 Minuten drin sein.“ Sie gehört zu den Pionieren, seit zehn Jahren schwimmt sie zu jeder Jahreszeit draußen in der Natur, am liebsten in Ruhe, aber nie allein. Ihr Schwimmpartner Uwe Schneider hat ihr auch heute Gesellschaft geleistet, aber nicht bis zuletzt.
„Heute hat mich die Energie der Masse getragen, heute habe ich weniger gezittert und hatte keine Gänsehaut."
Auch den anderen geht es gut nach dem Eisbad. Vielleicht ist gut zu lasch, denn nach dem Eisbad erzählt Christian Boeters: „Ja, ich war drin, tatsächlich auch länger, als ich gedacht habe.“ Der Tipp zur Atmung vom Eisschwimmtrainer Oliver Bee habe ihm geholfen. „Es war ein ganz, ganz tolles Gefühl, ich hatte so ein Gefühl noch nie. Ich würde es definitiv wiederholen.“
Auch Mandy Hammer ist begeistert. „Ich mach's wieder. Aber ich muss mir was für die Füße einfallen lassen.“
Das letzte Wort gehört der „Eislady“. „Ich kenne niemanden, der damit angefangen und wieder aufgehört hat. Das ist wie ein Baum, der sich immer weiter verästelt, es kommen immer mehr dazu.“ (we)