
Das Wetter meint es nicht besonders gut mit den Organisator*innen. Allerdings passt es zum Anlass: Am Orange Day, dem Tag, an dem Gewalt gegen Frauen im Zentrum steht, weint der Himmel. Es regnet in Strömen, als sich am 25. November, dem Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen, abends eine kleine Gruppe auf der dunklen Turmbergterrasse versammelt.
Sie wollen dabei sein, wenn die Scheinwerfer eingeschaltet werden, die den Turm orangefarben beleuchten. Die Illumination initiiert der Soroptimist International (SI) Club Karlsruhe in Zusammenarbeit und mit Unterstützung von dm drogeriemarkt GmbH + Co.KG (dm) sowie dem Stadtamt Durlach.
Bis weit auf die Durlacher Allee hinaus ist zu sehen, wie ein an eine Burg erinnernder Turm über Durlach zu schweben scheint. An der Haltestelle Untermühlsiedlung gibt es eine vergleichbare Installation: Auch die dm-Zentrale leuchtet orangefarben. Das Beleuchtungskonzept entwickelt und umgesetzt haben Rainer Metzger und Nikolai Stefansky im Auftrag von dm.
In den Jahren zuvor hatte der SI Club Karlsruhe am Orange Day den Liebesbrunnen in orangefarbene Tücher verhüllt und orangefarbene Fahnen aus den Fenstern des Durlacher Rathauses wehen lassen. Unter dem Motto „Wenn Liebe zuschlägt“ klärte man damals die Bevölkerung auf.
„Orange the World“, der englische Ausdruck für etwa „Mach die Welt orangefarben“, ist, wie der SI Club mitteilt, eine Kampagne der Vereinten Nationen (UN). Damit weise die UN seit 1991 vom 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte auf Gewalt gegen Frauen, hin. Sie sei seit 2008 Teil der Kampagne „Unite to End Violence against Women“, auf Deutsch etwa „Vereint euch, um Gewalt gegen Frauen zu beenden“, des UN-Generalsekretärs. Sie werde von UN Women durchgeführt.
Mitten im Orange des Turmes ist eine weiße Stopp-Hand auf der Mauer zu sehen. Fünf gespreizte Finger signalisieren übergroß und überdeutlich: „Halt! Keinen Schritt, keine Handlung, kein Wort weiter! 'Nein heißt nein!'“
Nicht alle Menschen verstehen das oder sind bereit, Grenzen, die Frauen ziehen, zu respektieren. Das Bundesministerium des Innern veröffentliche Informationen, nach denen Straftaten gegen Frauen und Mädchen weiter zunehmen und die häusliche Gewalt auf einem Höchststand ist. Von den 265.942 aktenkundigen Opfern 2024 waren mehr als 70 Prozent weiblich. Im Bereich der partnerschaftlichen Gewalt waren rund 80 Prozent der Opfer Frauen. 77 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer. Grundsätzlich wächst die Gewalt im analogen und im digitalen Raum, besonders gegen Frauen.
Seit einigen Jahrzehnten gibt es eine Bezeichnung für diese Verbrechen gegen Frauen, die diese nur deshalb erfahren, weil sie Frauen sind. „Femizid“ ist der Begriff für die Tötung von Frauen oder Mädchen als extreme Form geschlechtsbezogener Gewalt. Sie wird auf der Grundlage eines Gesellschaftsbildes verübt, dem traditionelle Geschlechterbilder und eine patriarchalische Weltsicht zugrunde liegen.
„Es gibt immer mehr Frauen, die unter Gewalt leiden“, sagt Friederike Pasquay-Münch vom SI Club Karlsruhe. „Der beleuchtete Turm kann Bewusstsein schaffen und Mut machen, nein zu sagen und sich zu wehren.“ Der Turm könne etwas bewirken. Allerdings sei bei den Männern, die Gewalt ausübten, kaum eine Wirkung zu erwarten. „Es geht jedoch um die Frauen“, sagt sie weiter. „Da geht es um Leben und Tod.“ (rist)
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