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Spatenstich:

Umbau des Schlachthofs Gärtringen

Leuchtturmprojekt für Tierwohl, Regionalität und Verbraucherschutz startet in die Bauphase
Schlachthof Gärtringen
Foto: Landratsamt Böblingen

Nach fünfeinhalb Jahren intensiver Planung und Verhandlungen erfolgte heute der Spatenstich für den umfassenden und tierwohlgerechten Umbau des Schlachthofs in Gärtringen. Das Projekt, das durch den Landkreis im Sommer 2020 nach der Schließung des Schlachthofs initiiert wurde, setzt neue Maßstäbe für Tierwohl, Regionalität und Verbraucherschutz in der Region. Die geplante Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 9,9 Millionen Euro.

Landrat Roland Bernhard bezeichnet den Baustart als Meilenstein für die gesamte Region: „Heute ist ein Freudentag für die Landwirtschaft, das Metzgerhandwerk und die Verbraucher im Landkreis Böblingen und darüber hinaus. Hinter uns liegt eine wahre Herkulesaufgabe. Dieses Projekt stand mehrfach auf der Kippe, und kaum jemand hat noch an den Erfolg geglaubt. Dass wir heute hier stehen, ist das Ergebnis des unerschütterlichen Willens aller Beteiligten, eine regionale und nachhaltige Fleischwirtschaft zu sichern. Er wird in diesem Sinne eine wichtige Scharnierfunktion erfüllen zwischen dem Schlachtvieh-Angebot des ländlichen Raumes Gäu-Neckar-Alb und dem Bedarf für Fleischprodukte im Ballungsraum des südlichen und westlichen Großraums Stuttgart.

Mein besonderer Dank gilt dem Kreistag, der in finanziell angespannten Zeiten mit einer Förderung von 6,8 Millionen Euro ein klares und mutiges Bekenntnis zu diesem Zukunftsprojekt abgelegt hat. Der Landkreis Böblingen macht Strukturpolitik für die Landwirtschaft. Und wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Als zuständige Behörde werden wir den Betrieb nach der Wiederinbetriebnahme engmaschig und konsequent überwachen, um Tierwohl und Lebensmittelsicherheit auf höchstem Niveau zu garantieren.“ Ein weiterer Dank geht an das Land Baden-Württemberg und den persönlichen Einsatz von Minister Peter Hauk MdL. Er habe Wort gehalten und die Fördermittel für dieses wichtige Projekt gesichert. Der Landeszuschuss sei der entscheidende Mosaikstein in einem komplexen Finanzierungsmodell.

Der Weg bis zum heutigen Spatenstich war von erheblichen Hindernissen geprägt. Nach der Schließung des alten Betriebs im Sommer 2020 wegen gravierender Mängel war die Bedingung für eine Wiedereröffnung ein schlüssiges Gesamtkonzept, das das Tierwohl mit modernster Technik kompromisslos in den Mittelpunkt stellt. Langwierige Verhandlungen über ein interkommunales Finanzierungskonzept erlitten einen herben Rückschlag, als die Stadt Rottenburg und der Landkreis Tübingen nach einem Bürgerentscheid als Partner ausstiegen. Dies führte zu einer einjährigen Verzögerung. Zudem sprengten die Angebote der ersten Ausschreibung den Kostenrahmen bei Weitem. Da für die Umplanung ein Wechsel des Architekturbüros vorgenommen wurde, musste man ein weiteres Jahr Verzug in Kauf nehmen. Nur durch eine verschlankte und dadurch deutlich kostengünstigere, aber im Hinblick auf das Tierwohl vollumfängliche Neuplanung ohne Abstriche, konnte das Projekt gerettet werden. Ein Kompliment geht daher an das Architektenbüro Kuon, das dieses Kunststück fertiggebracht hat.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL betont die Bedeutung des Vorhabens für das Baden-Württemberg: „Für das Land ist der Erhalt von regionalen, erzeuger- und verbrauchernahen Schlachthöfen mit hohen Tierwohl-Kriterien ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Wertschöpfungskette der regionalen Fleischerzeugung. Nur so können wir das Angebot an regionalen Produkten stärken und das Tierwohl, auch durch kurze Transportwege, weiter verbessern. Nach intensiver Planungszeit und umfassender Prüfung startet heute der Umbau und die Modernisierung des Schlachthofs in Gärtringen. Das freut mich für alle Beteiligten, ganz besonders für die Landwirte vor Ort. Mit der Förderung des Landes ist auch die klare Vorgabe verbunden, dass der neu gestaltete Schlachthof den gesetzten Kriterien, gerade auch hinsichtlich des Tierschutzes, entspricht. Mein besonderer Dank gilt den Landwirten und Metzgern, die die Betreibergesellschaft begründen und die jetzt die Verantwortung für die Umsetzung des Schlachthofs übernehmen. Sie haben unseren Respekt und unsere Anerkennung verdient.“ Das Land Baden-Württemberg unterstützt den Umbau im Rahmen der EU-Vorgaben mit dem Höchstsatz von 40 Prozent der förderfähigen Kosten – maximal 3,93 Mio. Euro.

Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch hebt die vorbildliche Zusammenarbeit hervor: „Die Gemeinde Gärtringen stand von Anfang an hinter diesem wichtigen Projekt und hat es nach Kräften unterstützt, unter anderem durch die zügige Schaffung des notwendigen Planungsrechts und bei der Abwasserbeseitigung. Wir freuen uns, dass der Umbau des Schlachthofs das Tierwohl in den Mittelpunkt stellt und erwarten, dass auch der Betrieb entsprechend vorbildlich laufen wird.“

Der Schlachthof wird künftig von der Heimatfleisch GmbH im Auftrag der Schlachthofgenossenschaft gebaut und betrieben, einem Zusammenschluss von Landwirten und Metzgern aus der Region. Für sie geht ein langer Wunsch in Erfüllung. Für den geschlossenen Kreislauf einer regionalen und nachhaltigen Fleischwirtschaft ist der Schlachthof der Dreh- und Angelpunkt zwischen Erzeugern und Metzgern.

„Für uns Metzger ist es entscheidend, unseren Kunden Fleisch anbieten zu können, dessen Herkunft wir lückenlos nachvollziehen können“, sagt Vorstand Josef Hecht, Metzgermeister und Geschäftsführer in der Heimatfleisch GmbH. „Dieses Projekt gibt uns die Sicherheit, Qualität und Transparenz zu liefern, die der Kunde zu Recht erwartet.“

Landwirt Daniel Burgmayer und ebenfalls Vorstand der GmbH ergänzt: „Der Erhalt einer regionalen Schlachtstätte mit kurzen, stressfreien Transportwegen ist für das Überleben unserer bäuerlichen Familienbetriebe existenziell. Nur so können wir hochwertige, regionale Lebensmittel erzeugen und die Wertschöpfung in der Region halten.“

Zum Schluss erläutert Architekt Josef Kuon die Grundzüge seiner Planung mit dem kompletten Neubau des Viehstalls und der dortigen Konzentration der gesamten Schlachttechnologie: „Wichtigste Merkmale in puncto Tierwohl, die beim Schlachthof Gärtringen im Mittelpunkt stehen, sind u.a. Automatisierung, um menschliche Fehlerquellen zu reduzieren, Möglichkeiten die Weideschlachtung zu integrieren, Strohstall, tiergerechte Laufgänge, Kameraüberwachung und eine neue, moderne Betäubungsstation.“

Die Fertigstellung ist noch im laufenden Jahr 2026 geplant. Der Landkreis Calw beteiligt sich zur Unterstützung seiner Viehhaltungsbetriebe mit 200.000 Euro an den Kosten.

Grundzüge der Planung für einen neuen Schlachthof Gärtringen

Drei Bauabschnitte: Viehhalle, Schlachthalle, Sozialräume:

1. Abbruch der bestehenden Viehhallen und kompletter Neubau der Viehhalle unter Berücksichtigung klarer Zuordnung der Tiergattungen Rind, Schwein, Schaf. Strohstall bei den Schweinen und Temple Grandin-Kurve bei den Rindern.

2. Integration neuer Schlachttechnologien für die Betäubung (Schweine, Schafe, Rinder, Kälber), neuer Enthaarungsbereich für die Schweine und neue Pansen- und Organeentnahme für die Rinder, Integration in die bestehende Ausschlachtlinie.

3. Neue Organisation der Sozialräume im ursprünglichen Bereich des Rinderstalls, Auslegung als Lehrschlachthof mit großem Umkleidebereich für die Veterinäre und Schulungsraum im Obergeschoß des Bestandes.

4. Viehhalle: 246 Schweine und 48 Rinder oder 178 Schafe/ Ziegen

5. Schlachtkapazitäten (pro Woche): 500 Schweine, 60 Rinder, oder 100 Schafe/ Ziegen

Für die Viehhalle wird ein Veterinärgang über den Tieren geschaffen, der eine gute Übersicht über den Zutrieb und die Betäubung im Sinne Tierschutz darstellt. Gemäß Tierwohl sind die Flächen großzügig ausgelegt, für alle Tiergattungen sind Tränken und für Schweine und Schafe sind Futtertröge und Stroheinstreuung vorgesehen.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
27.02.2026
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