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Musik

Und Trommeln können wirklich sprechen

Schlagzeug-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart entfacht Klangfeuerwerk Das Schlagzeug-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart, „Talking Drums“...
Das zehnköpfige Ensemble Talking Drums spielt auf verschiedenen Schlaginstrumenten
Die „Talking Drums“ zeigten bei ihrer Performance, dass Trommeln wirklich sprechen können.Foto: Tommasi

Schlagzeug-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart entfacht Klangfeuerwerk

Das Schlagzeug-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart, „Talking Drums“ entfachte bei den beiden Konzerten in der Jugendmusikschule Gerlingen ein wahres Klangfeuerwerk. Und das Ensemble zeigte eindrucksvoll, was sich hinter dem Begriff Schlagzeug alles verbirgt.

Als zu Konzertbeginn in der Aula der Musikschule die Scheinwerfer auf der „Bühne” angehen, wartete das Publikum gespannt, was kommen würde. Die ersten Töne kamen dann von hinten, erinnerten an Brummen in einer Höhle oder auch an Meeresrauschen. Aus der Tiefe des Raumes wanderten die Studierenden der Stuttgarter Musikhochschule langsam nach vorne auf die Bühne und der „Krach” - wie es Hochschullehrer Professor Klaus Dreher in seiner Moderation bezeichnete - verwandelte sich in rhythmische Klänge.
Begrüßt wurden die Besucher vom Leiter der Jugendmusikschule Udo Will. Der wünschte allen einen schönen Abend und übergab das Wort an Dreher. Der Hochschullehrer erklärte eingangs, dass Schlaginstrumente zum ältesten kulturellen Erbe der Menschheit gehören. Und er erklärte, dass Schlagzeug weit mehr ist als das, was man gemeinhin damit verbindet - ein Instrument aus verschiedenen Trommeln und Becken. Weiter erfuhren die Konzertbesucher, dass das Schlagzeug bis vor rund 100 Jahren in der symphonischen Musik nur in Form von Pauken zum Einsatz kam. Seit 100 Jahren sei es möglich, mit Schlaginstrumenten auch Stücke zu spielen, die für Violin- und Bassschlüssel geschrieben sind.


Dem bereits erwähnten Auftakt der Klangimprovisation „Introduction from the Dark“ folgte mit „Clapping music” und „Pieces of Wood” von Steve Reich zwei von Can Ünlüsoy arrangierte Stücke mit denen fünf Studierende zeigten, wie sich aus rhythmischem Klatschen die Nutzung von Klanghölzern entwickelte.
Wenn fünf Menschen mit zehn Hölzern fünf Töne spielen, sei das schon sehr aufwändig, stellte Dreher anschließend fest. Menschen überall auf der Welt hätten aufgrund dieser Erkenntnis erkannt, dass man die fünf Töne auch spielen könne, wenn man die Hölzer aneinanderreiht. So sei das Xylophon entstanden, das in anderen Ländern beispielsweise Ridnik oder Balafon genannt wird. „Der große Bruder des Xylophons ist das Marimbaphon“, erläutert Dreher. Und das sollte im Verlauf des Konzerts eine große Rolle spielen und sorgte beim Auftritt von Hyunsong Lee regelrecht für Furore. Beim Stück „Wind in the Bamboo Grove“ von Keiko Abe lernten die Konzertbesucher zwei Bauarten von Xylophonen mit ganz unterschiedlichem Klang und deren großen Bruder die Marimba kennen.
Vor dem nächsten Stück erläuterte Dreher, dass es beispielsweise für Stücke aus der Zeit des Barock noch keine Noten für Marimba gab. Damals seien die Komponisten noch ohne Schlagzeug ausgekommen. Deshalb würden heute Stücke alter Komponisten - die eigentlich für andere Instrumente geschrieben wurde - für Schlagwerk umgeschrieben und dann mit zwei oder vier Schlägen oder auch mit zwei Musikern gespielt. Wie sich die „Sinfonia a due voci“ in h- und d-moll von Johann Sebastian Bach vierhändig auf der Marimba und „Zwillinge Nr. 5“ aus zwölf Melodien der Sternzeichen von Karlheinz Stockhausen anhört, erlebten die Konzertbesucher direkt im Anschluss. Stockhausen habe bei seinem Werk die Besetzung offen gelassen, und auch nicht gesagt, für welche Instrumente er geschrieben habe, erläuterte der Hochschullehrer weiter. Was die Studierenden dem Publikum dann auf ihren Instrumenten servierten, war ein echter Hörgenuss.


Beim nächsten Stück „TalkinDrums“ erlebten die Zuhörer, dass Trommeln wirklich sprechen können. Das von Dreher arrangierte Stück, das gleichzeitig Namensgeber des Ensembles ist, besteht aus zwei Stücken von Famoudou Konaté. Der afrikanische Trommelmeister sei schon an der Hochschule zu Gast gewesen und habe die Musik seiner Heimat französisch Guinea mitgebracht, erzählt Dreher. Und Konaté habe sich sehr über das Interesse an seiner Musik, und dass daraus ein neues Arrangement entstand, gefreut. Was die Studierenden dann mit ihren verschiedenen Trommeln anstellten, wirkte zeitweise wie ein rhythmisches Zwiegespräch, das das Publikum zum Mitwippen brachte. Unterstützt wurde das Ensemble bei dem Stück übrigens von zwei Schülern des Ensemblemitglieds Grzegorz Chwalinski, der an der Jugendmusikschule Gerlingen unterrichtet. Die beiden hätten vorher nur zwei Proben gehabt, lobte der Hochschullehrer.


Nach einer kurzen Pause ging es dann mit einem Soloauftritt von Grzegorz Chwalinski weiter. Der Musikschullehrer „erzählte“ das von Francois Sarhan komponierte Bodypercussionstück „Homework I“ so eindrücklich, dass leicht nachvollziehbar war, was in dem Protagonisten des Stücks vorgeht. „Alles, was sie gerade gesehen und gehört haben, ist in der Partitur aufgeschrieben“, so Dreher. „Zur Partitur gibt es auch eine Erläuterung, die festlegt, welches Symbol für einen Schenkelklatscher oder eine Ohrfeige steht.“
Dass man mit Marimba und Vibraphon auch so schwierige Klavierstücke wie Maurice Ravels „Sonatine pour Piano“ spielen kann, durften die Gäste in der Aula beim nächsten Stück erleben. Arrangiert worden ist das Stück übrigens von dem früheren Studenten der Hochschule Jonathan Frey. Gemeinsam entfachte das Trio ein wahres Klangfeuerwerk.
Weiter ging es im musikalischen Reigen mit „Pat’s Café (would Lyle like it, too?)“ aus der Feder von Sebastian Dreher. Er habe das Stück eigens für einen Auftritt von Studierenden geschrieben.


Was dann folgte, war Schlagzeugmusik vom Feinsten. Hyunsong Lee intonierte begleitet von drei Kommilitonen das Stück „Marimba Spiritual“. Das Stück sei eigens für Keko Abe geschrieben worden, erfuhren die Konzertbesucher. Abe sei die wohl wichtigste Person für die Entwicklung der Marimbamusik. Auch sie war schon an der Hochschule in Stuttgart und hat mit Klaus Treßelt - bei ihm haben übrigens Dreher und Will studiert - einige Projekte durchgeführt. Unter anderem habe sie eine internationale Wettbewerbsreihe für Marimba ins Leben gerufen. Bei ihrer Interpretation der Stückes von Minoru Miki schien die Koreanerin förmlich mit der Musik und ihrem Instrument zu verschmelzen. Ein echtes Schlagzeug-Highlight, bei dem sogar Hochschullehrer Dreher im Takt mitwippte.
Zum Schluss des Konzerts gab es für das Publikum „The Taste of Korean Drums“ aus der Feder der ehemaligen Hochschulstudentin Se-Mi Hwang. Ein Stück, mit dem das Ensemble noch einmal eindrucksvoll zeigte, dass Trommeln wirklich sprechen können.
Dreher hielt abschließend fest, dass es ein großes Glück sei, dass an der Hochschule Studierende aus aller Welt studieren. Rund 50 Prozent kommen aus Deutschland, 25 Prozent aus dem europäischen Ausland und 25 Prozent aus außereuropäischen Ländern. Das sei ein großer Gewinn für alle, weil alle voneinander lernen können. „Ich würde mir wünschen, dass allen klar wird, dass der Austausch und das Miteinander von Nationen fruchtbar ist.”
Der Vorsitzende der Jugendmusikschule Gerlingen, Dr. Alexander Steineck, der sich sehr herzlich für den fulminanten Abend bedankte. Man habe gesehen, dass alle beim Konzert viel Spaß hatten und habe spüren können, wie sich die verschiedenen kulturellen Einflüsse gegenseitig befruchten.
Text/Fotos: Tommasi.

Erscheinung
exklusiv online
von Stadt Gerlingen
01.10.2025
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