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Bildung

Unterricht in der Ehemaligen Synagoge

An zwei Vormittagen waren vier achte Klassen der Kurpfalz-Realschule Schriesheim zu Gast in der Ehemaligen Synagoge. Der Synagogen-Arbeitskreis hatte...
Ehemalige Synagoge statt Klassenzimmer: Lernen vor OrtFoto: Mersi

An zwei Vormittagen waren vier achte Klassen der Kurpfalz-Realschule Schriesheim zu Gast in der Ehemaligen Synagoge. Der Synagogen-Arbeitskreis hatte die Schülerinnen und Schüler eingeladen, um ihnen Unterricht außerhalb des Klassenzimmers zu ermöglichen und Geschichte an einem authentischen Ort zu erfahren.

Zu Beginn der Veranstaltung konnten alle Teilnehmenden Matzen probieren. Das flache, ungesäuerte Brot erinnert im Judentum an den Auszug der Israeliten aus Ägypten vor rund 3.000 Jahren. Darüber hinaus gibt es einen lokalen Bezug: Die Mutter des Firmengründers Heumann, dessen Unternehmen heute zu den bekanntesten Matzenherstellern zählt, stammte aus Leutershausen.

Im weiteren Verlauf erfuhren die Jugendlichen Wissenswertes über die Geschichte der Synagoge, die jüdische Gemeinde vor Ort und das Judentum allgemein. Ein Ortsrundgang führte zu Häusern, in denen einst jüdische Familien lebten. Dabei wurde unter anderem das Schicksal von Alfred Abraham Schriesheimer und seiner Frau vorgestellt. Das Ehepaar wohnte in der Hauptstraße 1. Bevor die Synagoge errichtet wurde, befand sich dort im ersten Stock der Betsaal der jüdischen Gemeinde. Eine Kommode dieses Ehepaares steht seit Kurzem im Eingangsraum der Ehemaligen Synagoge. Zugleich wurde auch die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit thematisiert: Alfred Abraham Schriesheimer und seine Frau wurden 1940 in das Lager Gurs deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.

Ein weiteres Beispiel jüdischen Lebens war die Familie des Kantors Bernhard Weil, die in der ehemaligen Schule in der Mittelgasse 15 wohnte. Dort wurde 1895 ihr Sohn Kurt Hermann Weil geboren. Nach seinem Einsatz als Pilot im Ersten Weltkrieg studierte er Maschinenbau und arbeitete später mit dem Flugzeugpionier Hugo Junkers zusammen. Gemeinsam waren sie an der Entwicklung der Junkers F 13 beteiligt, des weltweit ersten vollständig aus Metall gefertigten Verkehrsflugzeugs. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Weil zunächst nach England und anschließend in die USA. 1948 kehrte er zeitweise nach Deutschland zurück und wirkte an der Organisation der Berliner Luftbrücke mit. Später wurde er Professor für Maschinenbau in den Vereinigten Staaten. Seine Hochschule erinnert bis heute mit dem „Kurt-Hermann-Weil-Preis“ an sein Lebenswerk.

Mit Arbeitsblättern und einem Online-Quiz konnten die Schülerinnen und Schüler ihr neu erworbenes Wissen überprüfen. Besonders das Quiz kam dabei gut an.

Die positiven Rückmeldungen am Ende der beiden Vormittage zeigten, dass das Angebot nicht nur den Jugendlichen Freude bereitet hat. Auch die Mitglieder des Synagogen-Arbeitskreises und die begleitenden acht Lehrkräfte, darunter auch die Rektorin, zogen ein sehr erfreuliches Fazit.

Zum Unterricht gehörte auch ein Rundgang zu Orten jüdischen Lebens.Foto: Mersi
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