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Urbacher Minaturen 127: Die Bedeutung des Klosters Elchingen für Urbach

Im Mittelalter spielten neben den weltlichen Grundherren - in Urbach waren dies die Staufer, die Herren von Urbach und zuletzt das Haus Württemberg -...
Ansicht des Klosters Elchingen aus dem Jahr 1619
Ansicht des Klosters Elchingen aus dem Jahr 1619Foto: Public domain

Im Mittelalter spielten neben den weltlichen Grundherren - in Urbach waren dies die Staufer, die Herren von Urbach und zuletzt das Haus Württemberg - auch die geistlichen Grundherren eine bedeutende Rolle. Diese waren in Urbach anfänglich das Stift und später das Kloster Lorch, die Katharinenkirche Schorndorf und vor allem das Kloster Elchingen.

Ursprünglich war die Urbacher Kirche wahrscheinlich eine Eigenkirche der Staufer. Das änderte sich 1115. In diesem Jahr stifteten Graf von Ravenstein und seine Frau Berta von Staufen das Kloster Elchingen bei Ulm und schenkten dem Kloster die Urbacher Kirche. Solche Schenkungen hatten den Zweck, die wirtschaftliche Unabhängigkeit einer Stiftung zu sichern. Das Kloster Elchingen wurde nicht nur Kirchherr, sondern auch Zehntherr der Kirche von Urbach und blieb dies bis 1536.

Elchingen hatte als Patronatsherr das Präsentationsrecht für den Pfarrer, den sie nach ihrer Wahl vorschlagen konnte. Die Einsetzung oder Investitur des Pfarrers nahm der zuständige Diözesanbischof vor, in diesem Fall der Bischof von Augsburg, denn Urbach gehörte zu jener Zeit zum Bistum Augsburg, das bis zur Wieslauf reichte. Westlich der Wieslauf begann das Bistum Konstanz.

Die Beziehungen zwischen Elchingen und Urbach wurden 1325 noch weit enger als Papst Johannes XXII. den Bischof von Augsburg beauftragte, dem Kloster Elchingen die Urbacher Pfarrkirche zu inkorporieren. Die Inkorporation (Einverleibung) hatte zur Folge, dass fortan der Abt des Klosters der eigentliche Pfarrer von Urbach war. Natürlich ließ es sich immer vertreten.

Aus einer Quelle von 1489 ist uns bekannt, was eigentlich an in Urbach an Kirchenbesitz vorhanden war, aus dem der Ertrag erwirtschaftet wurde, der dem Kloster Elchingen zustand. Im Wesentlichen war dies der, der Kirche gewidmete (gestiftete) Hof, der daher Widumhof hieß. Er umfasste neben mehreren umfriedeten Gebäuden, die zum Teil noch heute erhalten sind nebst einem Garten, ca. 12,8 Hektar Ackerland - etwa zehn Prozent des gesamten Urbacher Ackerlandes - und ca. 2,4 Hektar Wiesen. Das Kloster hatte zur Optimierung der Einnahmen den Hof verpachtet. Als Zehntherr stand dem Kloster zudem der Zehnte aus 394 Hektar Weingarten, 122 Hektar Acker und 153 Hektar Wiesen zu. Um den Zehnten aufzubewahren, wurde die Zehntscheuer gebaut und ein Keller, in dem der Wein aufbewahrt wurde. Dazu kam ein Bindhaus für die Küfer und Fuhrleute, die sich saisonal mit dem Wein befassten und in dieser Zeit vom Pfarrherrn unterhalten werden mussten. Ebenso lag beim Widumhof das Recht der Faselviehhaltung, also von Farren und Ebern zur Zucht von Rindern und Schweinen.

Die Urbacher Pfarrer waren in der Regel Leutpriester oder Plebane, obwohl es Elchingen freigestellt gewesen wäre, Mönche des Klosters als Priester einzusetzen, was sie aber nur selten machten. Leutpriester waren Geistliche, die die Stelle für den Pfründeninhaber versahen, wenn dieser als Laie oder als Inhaber mehrerer Pfründen die Stelle nicht selbst besetzen konnte. Deswegen hießen sie auch „Ewigvikare“. Wie aus einigen Urkunden hervorgeht, war die Bezahlung dieser Ewigvikare durch das Kloster allerdings sehr niedrig, weswegen es immer wieder zu Auseinandersetzungen kam.

Mit der Rückeroberung Württembergs durch Herzog Ulrich 1534 wurde die Reformation im ganzen Land eingeführt und das lutherische Bekenntnis zum offiziellen Bekenntnis des Herzogtums Württemberg. Bereits 1534 wurden in Schorndorf die Geistlichen des Amtes zusammengerufen und nach ihrer Überzeugung befragt. Da in Urbach Elchingen die Pfarrei besetzte, musste vor der Einführung der Reformation in Urbch erst der Verkauf der Güter und Rechte an das Haus Württemberg durchgeführt werden. Dieser Verkauf erfolgt am 7. September 1536. Damit endet die Geschichte des Klosters Elchingens als geistlicher Grundherr in Urbach. Nun war das Haus Württemberg sowohl der weltliche als auch der geistliche Grundherr in der Gemeinde. Der letzte von Elchingen eingesetzte Urbacher Pfarrverweser verließ wohl noch im selben Jahr den Ort. Als erster evangelischer Pfarrer amtete von 1537 bis 1540 Hieronymus Rupertus.

An Elchingen und seine Bedeutung für die Urbacher Geschichte erinnert heute noch ein Straßenname in Urbach-Nord und ein Schlussstein im Chor der Afrakirche mit einer Darstellung der Madonna mit Kind, die dem Wappen des Klosters Elchingen nachgebildet ist. Dieser Schlussstein bezeugt, dass das Kloster auch finanziell zum Bau der Kirche in der Zeit von 1509 bis 1512 beigetragen hat.

Das Kloster Elchingen wurde 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und ging an Bayern. Bis 1840 wurde fast die gesamte Klosteranlage abgebrochen. Außer der Kirche stehen heute nur noch die Klostermauer und das Westtor.

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