Nussbaum-Logo
NUSSBAUM+
Wissenschaft & Technik

Urbacher Miniaturen 117: Die Geschichte unseres Trinkwassers, Teil 1

Es ist seit Jahrhunderten die Aufgabe einer Gemeinde, ihre Bürger ausreichend mit reinem Trinkwasser zu versorgen. So findet sich im Gemeindearchiv ein...
Inschrift über dem Eingang zum Wasserstollen im Gewann Hag, der 1908 in Fronarbeit gebaut wurde
Inschrift über dem Eingang zum Wasserstollen im Gewann Hag, der 1908 in Fronarbeit gebaut wurdeFoto: Geschichtsverein Urbach

Es ist seit Jahrhunderten die Aufgabe einer Gemeinde, ihre Bürger ausreichend mit reinem Trinkwasser zu versorgen. So findet sich im Gemeindearchiv ein Buch von Amtmann Konrad Jakob Stälin, das auf der Grundlage alter Dokumente und Berichten älterer Dorfbewohner in den Jahren 1696-98 angelegt wurde, und in dem auch ein Abschnitt über die früheren Dorfbrunnen der Gemeinde zu finden ist. Es heißt dort: „Welcher auf seinem eigenen Grund ein Brunnen oder Cistern graben will oder einen hiervor graben oder gebauen hätte. Der soll in Kraft der hochfürstlichen Bauordnung in alleweg fürsehen, daß dadurch dem gemeinen Nutz und einen Nachbauren ob und unter der Erden kein Schaden entstehen und widerfahren möge“. Es gab von alters her im Flecken Oberurbach 34 gegrabene Galg- und Schöpfbrunnen, bei denen die in den Akten benannten Hausbewohner das Recht hatten, Wasser zu schöpfen und zu holen. Sie waren aber auch verpflichtet, die Brunnen auf eigene Kosten zu bauen, instand zu halten und zu reinigen. Einige der aufgezählten Brunnen seien benannt: Der 1. Brunnen lag in der damaligen Milchgasse (heute Mühlstraße) in Wolf Hurlebausens Hof. Er wird schon 1564 erwähnt. Der 3. und der 4. Brunnen befanden sich ebenfalls in der Mühlstraße. Der 7. Brunnen war der Widdumbrunnen. Der 9. Brunnen war der Ratsbrunnen und diente neben Rat-, Schul- und Pfarrhaus auch weitern acht umliegenden Gebäuden als Wasserstelle. Außerdem gab es noch zwei Brunnen für „die Gemeind am Rain“, und je einen bei der Zehntscheuer, in der Ledergasse, in der Schloßgasse und einen Eichbrunnen, dem 28 Häuser zugewiesen waren. Ein Brunnen war unter dem Badhaus (Schloßstraße 3), weitere am Weppach, sieben im Ortsteil Hohenacker und einer in der Feuerseegasse, der allerdings nur als Viehtränke zu nutzen war. Unterurbach hatte damals acht Brunnen. Da gab es unter anderen einen „Kettenbrunnen“ und einen „Schwenkelbronn“ je nach Art der Wasserschöpfung und einen „Kressenbronn“ bei der Neumühle.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschlossen die beiden Gemeinden eine öffentliche Wasserversorgung im Ort einzurichten. Unter dem Schultheißen Krieger erhielt Oberurbach 1908 eine Wasserleitung, nachdem Unterurbach 1905/06 unter Schultheiß Gottlob Ahles damit vorangegangen war. Nun wurden die Brunnen entbehrlich und verschwanden allmählich aus dem Ortsbild. Es schreibt der Chronist Wilhelm Böhringer: „Mit ihnen sank ein Stück der guten alten Zeit dahin, in der sich die Frauen und Mädchen des Dorfes abends fröhlich plaudernd am Brunnen zusammenfanden, um das köstliche Naß einzufassen.“

Man begann die Quellen im Gebiet des Staatswaldes zu fassen und in einer gemeinsamen Sammelleitung, wie „Perlen an der Schnur“ zu einem Sammelbehälter oberhalb des jeweiligen Ortes zu führen. In Oberurbach fasste man hierzu Quellen an den Hängen des hinteren Bärenbachtales. Beginnend mit einer Quelle unterhalb des Köshofes, weiteren Quellen entlang des Bärenbachweges und des Ködenweges am Hang, der Katzenbrunnen bis zur Hagsteige, wo dann ein Tunnel unter dem Berg gegraben wurde und die Leitung weiter in freiem Gefälle zum Hochbehälter an der Hagsteige geführt wurde. Die Leitungen wurden in „Fronarbeit“ von den Dorfbewohnern ausgeführt, unter Leitung und Beteiligung der Mitglieder des Gemeinderates und des Bürgerausschusses. Die Quellfassungen sind in gemauerten Schächten mit einem kleinen Becken am Einlaufrohr der Fassung, wobei hier auch die Wasserschüttung der Quelle gemessen und kontrolliert werden.

Die Leitungen vom Hochbehälter an der Hagsteige in den Ort, in jede Straße und jedes Haus zur Versorgung von Mensch und Vieh wurden ebenfalls bis in die Nachkriegsjahre des 2. Weltkriegs in Fronarbeit, d. h. unentgeltlicher Arbeit durch die Bürger ausgeführt. Der Hochbehälter an der Hagsteige liegt auf einer Höhe von ca. 325 m ü. NN, der Ort in einer Höhenlage von ca. 260 – 280 m, sodass mit natürlichem Gefälle ein Druck von ca. 4–6 bar erreicht wurde. Die Leistung der Quellen lag bei ca. 90.000 cbm/Jahr, sodass der Ort bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts versorgt werden konnte.

In Unterurbach wurden ebenfalls Quellen im Bärenbachtal gefasst. Letzte Quelle war unterhalb des Plüderwiesenhofes, weitere Quellen am Eulenbergweg. Die Quellfassungen wurden wie in Oberurbach ausgeführt. Die Leitung wurde entlang des Bärenbaches, mit Anschluss des Bärenhofes, bis zum Hochbehälter auf dem Leutersberg geführt. Dieser Behälter liegt auf einer Höhe von ca. 305 m ü. NN, der Ort etwa auf 255 – 275 m, sodass auch hier mit natürlichem Gefälle ein Druck von ca. 3–5 bar erreicht wurde. Die Quellschüttungen lagen bei ca. 50.000 cbm/Jahr, sodass der kleine Ort Unterurbach problemlos versorgt werden konnte. Die ebenfalls zu den Gemeinden gehörenden Höfe Hegnauhof, Ilgenhof und Eulenhof hatten eine Eigenwasserversorgung über Quellen.

In der nächsten Ausgabe werden wir über die weitere Entwicklung der Wasserversorgung seit Ende des 2. Weltkriegs berichten.

Erscheinung
Urbacher Mitteilungen
NUSSBAUM+
Ausgabe 05/2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Urbach
Kategorien
Wissenschaft & Technik
Passende Themenseiten
Deine Saison
Deine Saison
Feste, Märkte & Traditionen
Feste, Märkte & Traditionen
Heimat entdecken
Heimat entdecken