Der Begriff Kultur ist viel weiter gespannt als Kunst. Deshalb nennt sich der Verein in Waghäusel auch „Kulturfreude“. Zur Kultur gehören Sprache, Religion, Wirtschaft, der Umgang mit der Natur, Kunstgegenstände, Musik, Literatur, Theater, Traditionen und auch Brauchtum/Bräuche.
Ist der „Vadderdag“ eigentlich das Pendant zum gesetzlichen Muttertag? Immer mehr Bürger meinen das. So wie der 1923 in Deutschland eingeführte Muttertag die Leistungen der Mütter ehrt, so werde am „Vatertag“ auch den Vätern gehuldigt. Eingedenk dieser Ehrerweisung steigen die Herren der Schöpfung auf ihre Fahrräder und machen sich gruppenweise mit beladenen Fahrradanhängern auf den Weg zu allerlei Vereinsfesten oder Biergärten.
In Wiesental beispielsweise geht’s zu den Pfadfindern, die früher vor dem alten Naturfreundehaus (siehe Ansichtskarte) feierten oder zum Rettichfest des Obst- und Gartenbauvereins. Beide verbuchten in der Vergangenheit einen Riesenzuspruch. Möglich waren diesmal auch Besuche beim TSV oder Reiterverein.
Seit Jahrzehnten wird aus dem ursprünglichen kirchlichen Feiertag „Christi Himmelfahrt“ mit den üblichen Flurprozessionen immer mehr der „Vatertag“ als neuzeitlicher profaner Brauch.
Wo liegt der Ursprung des Feiertags? Seit dem vierten Jahrhundert feiern Christen genau 39 Tage nach Ostersonntag – und damit immer an einem Donnerstag – Christi Himmelfahrt. Ab dem 16. Jahrhundert zogen die Gläubigen in Prozessionen um ihre Felder und beteten für eine gute Ernte.
Überlieferungen zufolge unternahmen die Wiesentaler um 1683 an Christi Himmelfahrt eine Prozession nach Hambrücken, um 1714 und 1774 ging's gar zu Fuß nach Speyer. Der gemeinsamen Wallfahrt in die Domstadt folgten später die weniger beschwerlichen Feld- und Flurprozessionen auf der Gemarkung.
Vor und nach dem Krieg nahmen die Flurprozessionen in Wiesental lange Wege, oft bis an die Waldränder. Der letzte Bittgang im alten Stil gab es 1971.
(W. Schmidhuber)


