„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Dieser Satz von Antoine de Saint-Exupéry könnte über dem Wirken von Judith Maier-Ortseifen stehen. Am Sonntag, 15. März, verabschiedet sich die Kath. Kirchengemeinde Wiesloch im Gottesdienst um 10:30 Uhr in St. Laurentius, Wiesloch, von ihrer Gemeindereferentin, die nach 40 Jahren im Dienst der Kirche in den Ruhestand tritt.
Vier Jahrzehnte lang hat Judith Maier-Ortseifen Kirche mit dem Herzen gesehen – und genau darin lag ihre besondere Stärke. Ihr beruflicher Weg führte sie von Mannheim nach Wiesloch, wo sie nicht nur ankam, sondern Heimat fand. In einer Zeit großer Umbrüche hat sie die Entwicklung der Kirche aktiv mitgestaltet, drei Lehrplanänderungen begleitet und immer wieder neue Wege gesucht. Stillstand war nie ihr Ding – Bewegung schon.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ – dieser Gedanke wurde in ihrer Arbeit lebendig. Judith Maier-Ortseifen richtete ihren Blick konsequent auf die Menschen. Sie verstand Glauben nicht zuerst als Struktur oder Konzept, sondern als Beziehung. „Der Beziehungsgott, das ist meins“, sagt sie von sich selbst. Wer ihr begegnet, spürt diese Haltung: aufmerksam, wertschätzend, zugewandt. Sie hat die besondere Gabe, das Wesentliche im Anderen zu entdecken – oft jenseits dessen, was auf den ersten Blick sichtbar ist. So wurde für viele durch sie erfahrbar, was „Leben in Fülle“ bedeuten kann: Ermutigung, Vertrauen und Raum zur Entfaltung. Mit Kreativität, Mut und großer Energie eröffnete sie neue Perspektiven – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und für Kolleginnen und Kollegen.
Auch über die eigene Gemeinde hinaus übernahm Judith Maier-Ortseifen Verantwortung. In der Mitarbeitervertretung und im Berufsverband setzte sie sich engagiert für Gerechtigkeit, faire Arbeitsbedingungen und die Anliegen der Mitarbeitenden ein. Wo das Wesentliche auf dem Spiel stand, erhob sie ihre Stimme – klar, verlässlich und mit Herz. Der Abschied am 15. März ist deshalb mehr als das Ende eines Berufslebens. Er ist ein Moment der Dankbarkeit für eine Frau, die die Kirche geprägt hat, weil sie gelernt – und gelehrt – hat, mit dem Herzen zu sehen. Die Pfarrei St. Aegidius sagt Danke für 40 Jahre gelebte Berufung, für Nähe, Engagement und Glauben, der Menschen verbindet. (rkkg)