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Verein "Self and Care": Wie in Hemsbach ein Lebenshof entstehen soll

In Hemsbach entsteht derzeit ein Verein mit einer besonderen Idee: ein Lebenshof für Tiere, verbunden mit einem Ort der Erholung für Menschen. Initiatorin...
Ein Frau mit einem Hund.
Christina Dosch fühlt sich schon seit ihrer Kindheit mit Tieren verbunden.Foto: Ritzert & Deichert

In Hemsbach entsteht derzeit ein Verein mit einer besonderen Idee: ein Lebenshof für Tiere, verbunden mit einem Ort der Erholung für Menschen. Initiatorin ist die 36-jährige Christina Dosch. Gemeinsam mit ihrer Mutter Nathalia Dosch-Schweikert und ihrem Lebensgefährten Tobias Knuth hat sie „Self & Care“ ins Leben gerufen – der Verein befindet sich aktuell in der Gründungsphase.

Der Begriff „Lebenshof“ ist Dosch wichtig. „Ich mag das Wort Gnadenhof nicht“, sagt sie. „Es klingt so, als würden wir den Tieren gnädig erlauben, weiterzuleben. Dabei hat jedes Lebewesen von Geburt an ein Recht auf Leben.“ Dieses Recht möchte sie jenen Tieren sichern, die in der landwirtschaftlichen Nutzung häufig frühzeitig aus wirtschaftlichen Abläufen herausfallen, da sie mangels „Leistungsfähigkeit“ keinen Nutzen mehr haben oder schlichtweg nicht „benötigt“ werden.

Nicht länger warten

Seit ihrer Kindheit fühlt sich Dosch Tieren besonders verbunden. Wenn sie gefragt wurde, was sie einmal werden wolle, habe sie geantwortet, sie wolle mit Tieren arbeiten – Tiere streicheln, ihnen nah sein. Tiere hätten sie schon immer fasziniert. „Sie urteilen nicht, sie fordern nicht, sie nehmen uns so an, wie wir sind.“ Gleichzeitig habe sie schon früh wahrgenommen, wie selbstverständlich tierisches Leben wirtschaftlichen Strukturen untergeordnet wird – eine Erfahrung, die sich für sie bis heute immer wieder bestätigt. „Und das zerreißt mir immer wieder das Herz“, sagt sie.

Zunächst stellte sie sich vor, ihren Traum erst später zu verwirklichen – mit mehr Zeit und finanzieller Sicherheit, vielleicht auf einem eigenen alten Bauernhof. Doch an Silvester 2025 traf sie eine bewusste Entscheidung: nicht länger warten. Ein Lebenshof müsse nicht sofort groß sein. Es sei ein guter Anfang, einigen wenigen Tieren ein dauerhaftes Zuhause zu geben – als erster Schritt für ein Projekt, das wachsen darf.

Langfristige Vision

Im nächsten Schritt plant der Verein, ehemalige Legehennen aufzunehmen, die nach rund einem Jahr intensiver Nutzung „ausgemustert“ werden – obwohl sie noch eine mehrjährige Lebenserwartung haben und weiterhin Eier legen könnten, wenn auch nicht mehr in der hohen Frequenz industrieller Haltung. Auch Ziegen sollen perspektivisch aufgenommen werden, insbesondere Böcke, die in der Milchproduktion keine Verwendung finden. Langfristig bleibt die Vision eines eigenen Hofes mit festen Stallungen, um auch ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Tiere dauerhaft versorgen zu können.

Suche nach Flächen

Derzeit sucht „Self & Care“ nach geeigneten Flächen in und um Hemsbach, auf denen die ersten Tiere ein neues Zuhause finden können – mit ausreichend Platz sowie der Möglichkeit, perspektivisch Unterstände oder Stallungen zu errichten. Denkbar sind sowohl zu verpachtende als auch zum Verkauf stehende Grundstücke.

Eine weitere Idee ist die „Landschaftspflege durch Ziegen“: Grundstücke mit naturbelassenen oder stark bewachsenen Flächen könnten zeitweise beweidet werden. Die Tiere finden dort Nahrung, während Eigentümer auf natürliche Weise Unterstützung bei der Pflege ihrer Flächen erhalten. Wer sich vorstellen kann, ein solches Projekt zu ermöglichen oder entsprechende Flächen kennt, darf sich gerne an Christina Dosch wenden. Langfristig bleibt jedoch das Ziel eines festen Hofes bestehen.

Gesundheitskurse als weiterer Baustein

Finanziert werden soll das Projekt über Spenden, Fördermitgliedschaften und Patenschaften. Zusätzlich setzt der Verein auf ein ergänzendes Modell: Gesundheitsfördernde Kurse wie Yoga, Ernährungsberatung, Krafttraining und Entspannungsangebote, die Dosch als zertifizierte Yoga-Lehrerin, Ernährungsberaterin und Coach anbietet. Ein Großteil der Einnahmen aus den Kursangeboten dient der Finanzierung des Lebenshofs. „Wir möchten nicht nur um Unterstützung bitten, sondern auch etwas zurückgeben“, so Dosch.

Unterstützt wird sie von ihrer Mutter Nathalia Dosch-Schweikert, die als zweite Vorsitzende ihre gute Vernetzung in Hemsbach einbringt und sich seit Jahren sozial engagiert. Schatzmeister Tobias Knuth, ihr Lebensgefährte, ist studierter Psychologe und Coach. Er sorgt dafür, dass die Finanzen im Blick bleiben und Ausgaben realistisch geplant werden – während Dosch die Vision vorantreibt, achtet er auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts.

Ein Begegnungsort

Warum Hemsbach? „Weil hier meine Familie lebt, meine Freunde, mein Zuhause ist“, sagt Dosch. Ein Lebenshof könne nicht nur ein Begegnungsort für die Region sein, sondern perspektivisch auch Menschen von außerhalb anziehen und damit zusätzliche Impulse für Hemsbach und Umgebung setzen – sozial wie touristisch.

Dosch weiß um die Herausforderungen: geeignete Grundstücke, Genehmigungen, langfristige Finanzierung. Doch sie wirkt entschlossen. Sie habe nicht länger auf einen vermeintlich perfekten Zeitpunkt warten wollen. „Wenn man wirklich etwas verändern möchte, muss man anfangen.“

Informationen zum Projekt und zu Unterstützungsmöglichkeiten finden Interessierte unter: www.selfandcare.de (md)

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Hemsbacher Woche
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Ausgabe 09/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
25.02.2026
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