Der diesjährige Vereinsausflug führte uns nach Südtirol. Eine Region, die mit dem Bus gut erreicht werden kann, mediterranes Klima aufweist, für hervorragende Weine und eine ausgezeichnete Küche bekannt ist, eine reichhaltige Kultur besitzt und uns sprachlich nahesteht.
Bereits am frühen Morgen um 6 Uhr war Abfahrt mit dem Bus angesagt. Zuvor wurden noch frische Brötchen gekauft. Kurz vor der Grenze nach Österreich gab es ein üppiges Frühstück. Reichlich Lachs sowie diverse Wurst- und Käsesorten wurden aufgetischt. Direkt vor dem Bus wurde ein Biertisch aufgestellt, der am Ende gut belegt war. Es war zwar noch etwas frisch, aber die Sonne hatte zunehmend gute Arbeit geleistet. Harald Kempf versorgte die Gruppe mit Wein: Weißer Sekt und Rosé-Sekt sowie Weiß- und Rotwein. Natürlich wurde auch Wasser gereicht. Zum süßen Abschluss gab es selbstgebackenen Kuchen.
Die Weiterfahrt gestaltete sich problemlos und wir waren sogar früher bei unserem ersten Ziel angekommen, die Kellerei St. Michael-Eppan. Im Jahre 2020 wurden hier umfangreiche räumliche Erweiterungen vorgenommen. Seit den 80er Jahren sind der weiße und rote Barriquekeller das Herzstück der Kellerei. In den Fässern aus französischer Eiche reift eine Auswahl der edelsten und prestigeträchtigsten Weine heran. Dieser Ausbau erfordert große Sensibilität und bringt komplexe Weine mit einer perfekten Symbiose von Frucht und Holz hervor. In der Kellerei St. Michael-Eppan spielt der traditionelle Ausbau in großen Holzfässern noch heute eine entscheidende Rolle. Im Laufe der Jahre wurde der historische Keller komplett renoviert und mit 50 großen Eichfässern bestückt. Im tiefen Fasskeller stehen heute noch die riesigen Holzfässer, die zu historischen Anlässen mit prunkvoll geschnitzten Fassböden verziert wurden. Der Einsatz von Edelstahl ist aus der modernen Kellertechnik nicht mehr wegzudenken. Vom Gärbehälter bis zum Lagerfass. Die Tanks garantieren nicht nur Hygiene und Sauberkeit, sondern bürgen für einen reintönigen Ausbau, der die Frische und Aromen der Rebsorten unterstreicht. Der Appius-Keller zeichnet sich durch eine eindrucksvolle und sakrale Atmosphäre aus. Die gekachelten Wände weisen stilistische Bezüge zu den alten Weinkellern auf und umrahmen die kegelstumpfförmigen Fässer aus satiniertem Bronzestahl, spezielle Tanks, die die beste Qualität des Appius garantieren. Der im Jahr 2020 fertig gestellte Gravitationskeller, mit einer Gesamtfläche von 30.000 m³ ermöglicht eine schonende und individuelle Verarbeitung der verschiedenen Qualitätsstufen in kürzester Zeit. Nach so viel Theorie waren wir auf die Endprodukte gespannt. Es wurden acht Weine zwischen € 14,40 und € 148,00 die Flasche verkostet. Der teuerste Wein, den es in dieser Form seit 2010 gibt, war ein Weißwein: Chardonnay 73 %, Pinot Grigio 12 %, Weißburgunder 10 % und Sauvignon blanc 5 %. Ohnehin hat sich Südtirol inzwischen zu einem Weißweinland gewandelt. Die Erzeugnisse waren sehr ansprechend, was sich auch im Weineinkauf niedergeschlagen hat. Die Weine werden in traditioneller Handlese geerntet.
Am Abend sind wir in Kaltern eingetroffen und haben unsere Hotelzimmer bezogen. Wir hatten uns für das „Weiße Rössl“ direkt am Marktplatz entschieden. Ein traditionsreiches Haus, das seit rund 435 Jahren existiert. Die beeindruckenden Marien-Fresken aus dem 16. Jahrhundert im ersten Stockwerk zählen zu den ältesten Wandmalereien des Hauses. Zum Abendessen und Frühstück hatten wir unseren separaten Bereich. Das Essen war ausgezeichnet mit den entsprechenden Weinen.
Am nächsten Tag sind wir nach einem reichhaltigen Frühstück zum Versuchszentrum Laimburg in Auer aufgebrochen. Seit den ersten Versuchsanlagen im Jahr 1968 hat sich das Versuchszentrum Laimburg zu einer führenden Forschungseinrichtung für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelsektor etabliert. Schritt für Schritt wuchs die Infrastruktur, wurden neue Versuchsflächen erschlossen, spezialisierte Labore eröffnet und bedeutende Forschungsprojekte initiiert. Wir waren zum Thema Wein dort. Der Felsenkeller ist inzwischen das Vorzeigeobjekt des Versuchszentrums. Als das Landesweingut Laimburg in den späten 1980er Jahren vor der Notwendigkeit stand, zusätzlichen Raum für die Lagerung seiner Fässer und Weinflaschen zu schaffen, bot sich eine Erweiterung in den roten Porphyrfelsen des angrenzenden Mitterberges hinein an. Mit der Kraft von fünf Tonnen Dynamit entstanden im rotbraunen Porphyrgestein des Mitterbergs ein Barrique-Fasskeller und ein Keller für die Lagerung von Flaschen bei einer natürlich-konstanten Raumtemperatur von etwa 14 °C. Zusätzlich wurde ein weiterer 300 m² großer Saal aus dem Felsen gesprengt. Der Saal dient als Verkostungsraum, der Vorstellung Südtirols als Weinland bei offiziellen Anlässen und ist Repräsentationsraum der Südtiroler Landesregierung und des Landes Südtirol. In den Jahren 2003 und 2005 wurde der Keller um 6.000 m³ durch den neuen Barrique-Fasskeller, den Weißweinkeller und Verbindungsstollen erweitert. Um die Entwicklung der Laimburg-Weine über die Jahre zu beobachten, werden im Flaschenkeller mit seiner natürlich-konstanten Raumtemperatur jährlich etwa 100 Flaschen einer jeden Rebsorte gelagert. Weiter werden dort Weine aus den wichtigsten Weinbauregionen der Welt gesammelt, um in Vergleichsverkostungen das Niveau der Weine Südtirols am Weltmarkt zu prüfen. Schlussendlich dient das Weinarchiv noch als Lager für die Weine aus dem Versuchskeller des Versuchszentrums Laimburg. In seiner Rolle als Musterbetrieb produziert das Landesweingut selbst jährlich etwa 90.000 Flaschen Wein, mit dem primären Anliegen, den Rebsortencharakter der etwa 15 typischen Sorten des Landes ins Glas zu bringen.
Andreas Staar
- Fortsetzung folgt -


