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Vernissage in der Galerie im Schloss: Außergewöhnliche Papierwelt

„Raum – Körper – Form“ – so heißt die Ausstellung mit Werken von Barbara Friebe, die in der vergangenen Woche im Rahmen der Galerie im Schloss...
Eine Frau vor einem Kunstwerk aus Papier.
Barbara Friebe stellt ihre Papierkunst in der Galerie im Schloss in Hemsbach aus.Foto: cs

„Raum – Körper – Form“ – so heißt die Ausstellung mit Werken von Barbara Friebe, die in der vergangenen Woche im Rahmen der Galerie im Schloss eröffnet wurde. Sie ist eine Liebeserklärung der Künstlerin an ihren Werkstoff Papier. Das zeigt sich wandelbar und nicht nur von seiner zarten Seite.

Leicht und trotzdem stark, zerbrechlich und gleichzeitig erstaunlich widerstandsfähig. So umreißt Bürgermeister Jürgen Kirchner in seiner Begrüßung die Eigenart der Exponate aus der Werkstatt Friebes. Die zeigen sich in außergewöhnlichen Formen, waren mal von äußerst filigraner Arbeit und auf der anderen Seite von vorgetäuschter Kraft. Insofern sind ihre Werke vielleicht ein bisschen die Mimikry in der Kunst. Denn so resistent die Exponate auch scheinen, so tragen sie doch die Anfälligkeit der Zerstörung in sich. Weil Papier von Natur aus anfällig ist.

Probieren geht über Studieren

Friebe hat ihren eigenen Weg gefunden, ihren Materialfavoriten zu verstärken. Sie füllt Zigarettenpapier mit Zahnstochern, um ihnen in ihrem Werk die notwendige Kraft zu verleihen, oder nutzt Draht, um das Bild in ihrem Kopf in die Wirklichkeit zu transferieren. Anfangs, so sagt Friebe, sei es Ausprobieren gewesen. Doch sie arbeite seit 20 Jahren mit Papier, daher stelle Reißfestigkeit oder Verarbeitung für sie keine Herausforderung mehr dar. „Mittlerweile weiß ich, was geht“, so die Künstlerin.

Schwereloses Weiß

Was geht, sind die fantasievollsten Dinge: Sie häkelt Nylonfäden, sie flicht Papierstreifen ineinander, sorgt mit Kleber für die notwendige Stabilität, um die entstandenen Formen an Ort und Stelle in ihrem Rahmen zu halten. Es seien reduzierte und geometrische Formen, sagt Friebe über ihr Werk. Zumeist ist auch die Farbe reduziert. Das Weiß des Papiers ist an jeder Wand zu sehen, hier und da unterbrochen von Schrift oder grauen Rändern, nur selten zeigen sich bunte Flächen. Dafür Skulpturen, die im reinen Weiß fast schwerelos zu sein scheinen. Es ist eine ganz eigene Welt, die Friebe in ihrer Kreativität erschafft. Eine, die ihr offensichtlich leicht fällt.

„Ich bin ein Papiermensch“

Sagt sie über sich. Es sei ein Material, mit dem man alles machen könne, ohne schweres Gerät nutzen zu müssen. Dafür liebt Friebe das Papier. Und das Papier liebt sie, denn es wird unter ihren Fingern zu einem gefälligen Partner, der so vieles mit sich machen lässt. Doch nicht alles ist umsetzbar – auch nicht nach 20 Jahren Erfahrung. „Dann muss die Mülltonne her“, sagt die Künstlerin. Impulse zu ihrer Kunst, erzählt Friebe, entstehen im Alltag. So habe sie an einem Fotoautomaten gestanden, als der Korb mit den geschredderten Fotos geleert wurde. Die habe sie mitgenommen. „Dann habe ich sie zu Hause farblich sortiert und aneinandergelegt.“ Daraus entstanden in mühsamer Kleinarbeit beispielsweise Skulpturen. Auch sie sind im Rathaus ausgestellt.

Überall wird gesammelt

Ausdauer ist etwas, an dem es Barbara Friebe nicht mangelt. Sie habe für ein Werk über Monate Zigarettenpapier gedreht, erzählt sie. Es ist eine meditative Arbeit, in die sich die Künstlerin vertiefen kann und will. „Ich habe ein Bedürfnis, mit Händen zu arbeiten. Und ich muss es machen, weil es zu mir gehört.“ Zu ihr gehört daher auch eine Wohnung voll mit Papier. Es wird nichts weggeworfen, denn vielleicht braucht sie es für ihre nächste Idee. Und auch im Supermarkt ist Barbara Friebe unterwegs auf der Suche nach etwas, das ihr neues Werk werden könnte. Und was dann aus mitgenommenen Muffinförmchen einzig mittels Kreativität werden kann, ist auch in der Ausstellung zu finden. Zu sehen ist die noch bis einschließlich 8. Mai zu den Öffnungszeiten des Rathauses. (cs)

Erscheinung
Hemsbacher Woche
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Ausgabe 14/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
03.04.2026
Orte
Hemsbach