Das macht ihr so schnell keine nach: Wenn die mehrfach preisgekrönte Bauchsängerin Murzarella die Bühne betritt, bringt sie gleich ein ganzes Ensemble an hochkarätigen Sängern mit – und die sind alle aus Stoff. Bei ihrem jüngsten Gastspiel im Königlichen Kurtheater strapazierte die Ausnahmekünstlerin nicht nur die Lachmuskeln des Publikums, sondern zog die Zuhörer vor allem mit einem faszinierenden Novum in den Bann: singenden Puppen, die ein komplettes musikalisches Spektrum von Pop über Rock und Schlager bis hin zur klassischen Oper abdecken.
Das Phänomen dabei: Jede der vier Puppen besitzt einen völlig eigenen, schrägen Charakter, den sie mit grandiosem Selbstbewusstsein und einer ganz individuellen Stimme zur Schau trägt. Da ist die vorlaute Kanalratte aus Wanne-Eickel, der exzentrische Kakadu oder die elegante Operndame mit klassischem Timbre. Vervollständigt wird das Quartett neuerdings durch die Praktikantin Leonie, die mit naiver, kindlicher Stimme die Herzen im Sturm eroberte.
Wenn die Grenzen der Realität verschwimmen
Es ist eine Kunst für sich, wenn Puppen singen und sich der Mund der Künstlerin dabei keinen Millimeter bewegt. Verblüffend war an diesem Abend die ungeheure Professionalität und Leichtigkeit auf exzellentem Niveau, gepaart mit deftigem Witz und perfekter Bauchrednerkunst. Die Puppen selbst sind mittlerweile so sehr zu echten Künstlern herangereift, dass sie insgeheim schon von einer Solokarriere auf den großen Bühnen dieser Welt träumen.
Doch die ausgebildete Sängerin Murzarella lässt sich so leicht nicht die Show stehlen. Als Ausbund an Vitalität und Kreativität gab sie selbst ordentlich Gas und bewies als Popdiva, Rockröhre und Soulsängerin absolute stimmliche Extraklasse. So entstand eine einzigartige Show, bei der die Grenzen zwischen Realität und Illusion für die Zuschauer zunehmend verschwammen.
Tobender Applaus von Jung und Alt
Das Publikum im Kurtheater – unter das sich dieses Mal erfreulicherweise auch einige Kinder gemischt hatten – war von der ersten Minute an absolut hingerissen. Am Ende gab es kein Halten mehr: Mit nicht enden wollendem Beifall und stehenden Ovationen feierten die Wildbader Zuschauer eine Künstlerin, die an diesem Abend für ein außergewöhnliches Kulturerlebnis gesorgt hatte. (as/red)


