
Wer das Konzert von Johannes Gaechter besucht, weiß: Es wird kein gewöhnlicher Abend. Der Pianist, der mittlerweile fast zum festen Inventar der Wildbader Musikszene gehört – es war bereits sein zehnter Auftritt in der Kurstadt –, verstand es auch diesmal, das Publikum mit einem Programm jenseits der ausgetretenen Pfade zu fesseln.
Gaechter ist bekannt dafür, Raritäten und musikalische Schätze ans Licht zu heben. Diesmal fiel seine Wahl auf den russischen Komponisten Anatoli Ljadov. Ein gewagter, aber kluger Schachzug: In der Gegenüberstellung der Werke wurde schnell deutlich, warum Gaechter dieses Programm wählte. Ljadovs Stücke, die wie eine spannende Symbiose aus impressionistischem Chopin, einer Prise Ravel und der Harmonik des frühen Skrjabin wirken, entfalteten unter seinen Händen eine ganz eigene Magie.
Schon zu Beginn demonstrierte Gaechter mit anschaulichen Beispielen die Verwandtschaften zwischen Ljadovs Nocturnes oder der Barcarolle und den großen Vorbildern. Der Pianist zeigte dabei erneut sein gesamtes Spektrum: Von einer enormen Anschlagskultur über technisches Bravourstück bis hin zu einer beeindruckenden Gedächtnisleistung war alles geboten. Ob in den zarten, innigen Momenten oder in den leidenschaftlichen Ausbrüchen – Gaechter zog alle Register seines Könnens.
Die Höhepunkte des Abends markierten die Werke von Frédéric Chopin. Die Polonaise in fis-Moll op. 44 interpretierte Gaechter zupackend, temperamentvoll und mitreißend. Bei der Barcarolle in Fis-Dur op. 60 kostete er die breite Anlage des Stücks förmlich aus. Der stetige Aufbau des weitgespannten Gesangsthemas mündete in einer Welle aus fein perlenden Passagen, die das Publikum in Begeisterung versetzten.
Der tosende Applaus der Zuhörer war der Lohn für einen Abend, der erneut die künstlerische Weiterentwicklung Gaechters unterstrich. Als Zugabe durfte sich das Publikum über eine Tarantelle von Ljadov sowie eine Miniatur von Charles-Valentin Alkan freuen. Ein grandioser Klavierabend fand damit einen fulminanten Abschluss.
Wer Johannes Gaechter über die Jahre verfolgt, weiß: Die jährliche Wiederkehr des Pianisten nach Wildbad ist ein Gewinn für das Kulturleben. Man darf schon jetzt gespannt sein, welche musikalische Entdeckung er bei seinem nächsten Besuch mit im Gepäck hat. (as/red)