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Aus den Rathäusern

Volkstrauertag 2025

Rede zum Volkstrauertag am 16. November 2025 in Faurndau Redner Valentin Stepanek Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sehr geehrte Frau Berger,...
Kränze wurden niedergelegt von Martina Heer für den VdK und Bezirksamtsleiterin Chris Berger für die Stadt Göppingen
Kränze wurden niedergelegt von Martina Heer für den VdK und Bezirksamtsleiterin Chris Berger für die Stadt GöppingenFoto: Werner Stepanek

Rede zum Volkstrauertag am 16. November 2025 in Faurndau


Redner

Valentin Stepanek

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Frau Berger,
sehr geehrte Frau Heer,
meine Damen und Herren,

wir haben uns versammelt, um gemeinsam der Menschen zu gedenken, die durch Krieg, Terror, Gewalt und Terrorismus oder auf der Flucht ihr Leben verloren haben.

Das ist der Sinn des Volkstrauertages!

Wir erinnern uns auch historisch.

Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg!

Dieser Zweite Krieg ist in der Geschichte der Menschheit die größte humanitäre Katastrophe gewesen.

Wir wissen heute, dass in diesem Krieg rund 3,5 Prozent der damals lebenden Menschen auf unserem Globus getötet wurden.

Das ist eine unglaublich schmerzliche Statistik.

Und wir wissen auch, dass seit 1945 erneut Hunderte von Kriegen überall auf der Welt geführt wurden und noch geführt werden.

Fachleute sprechen von derzeit 349 kriegerischen Auseinandersetzungen auf der ganzen Welt.

Die Spirale von Krieg, Gewalt, Folter und Morden will nicht enden.

Ich denke an die Toten des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, mitten in Europa.
Sie müssen sich jetzt auf den vierten Kriegswinter vorbereiten.

Ich denke weiter an die Menschen im Sudan, die von rivalisierenden Gruppen niedergemetzelt werden, und ich denke auch an die Opfer des Terrors der Hamas und der Hisbollah.
Schrecklich sind auch die Bilder des Leids der Menschen im Gaza-Streifen.

Die Nachrichtenlage von Krieg, Gewalt und Leid, von Hass und Hetze ändern sich fast täglich und Rassismus oder Antisemitismus nehmen durch Fake-News in Sekundenschnelle zu.

Man könnte besorgt fragen:
„Ist ein Gedenktag – so wie heute der Volkstrauertag – halt nur eine gut gemeinte Geste mit leeren Lippenbekenntnissen?“

Und man muss außerdem feststellen:

Auch die Reihen derjenigen lichten sich doch bei unseren Gedenkstunden, weil es immer weniger Menschen noch gibt, die solche menschlichen Tragödien persönlich selber erleiden mussten – und deshalb persönlich trauern.

Dabei wird die Zahl der Kriegsopfer, um die wir trauern, aber weltweit tatsächlich immer größer.

Meine Antwort ist eindeutig!

Wir brauchen eigentlich jeden Gedenktag, nämlich um kritisch nachzudenken!

Wir müssen doch jede Gelegenheit nutzen, um über die schrecklichen Folgen von menschlichem Handeln nachzudenken.
So gesehen bleibt der Volkstrauertag eine stete Herausforderung und Mahnung an uns zugleich.

Er muss mit Fragen nach dem Frieden einerseits anstrengend und zugleich unbequem sein und bleiben.

Aber außerdem können wir auch darüber nachdenken, ob die Form unserer Gedenkfeiern noch junge Menschen anspricht, die doch unsere Zukunft gestalten wollen und müssen.

Ich selber gehöre – Gott sei Dank – einer Generation an, denen ein so hartes Schicksal erspart geblieben ist.

Das ist eine Fügung – kein Verdienst.


Die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen der letzten Monate verunsichern mich aber gerade deshalb!

Gerade die jüngere Generation nimmt doch besorgt verschiedene Stichworte auf und wird nachdenklich.

Da liest man:

„Amerika hat jetzt ein Kriegsministerium“ und

„unser Volk muss kriegstauglich sein“ oder

„der Wehrdienst muss verpflichtend oder freiwillig“ werden,

oder

„der Militärhaushalt wächst in Deutschland auf eine Rekordhöhe von mehr als 86 Milliarden Euro“.

Man fragt sich, was wurde aus dem Versprechen von damals: „Nie wieder Krieg!“ und „Schwerter zu Pflugscharen machen“?

Rutschen wir klammheimlich in eine Akzeptanz, dass wir uns nur mit kriegerischer Gewalt gegen eine andere kriegerische Gewalt schützen können?
Darüber gilt es, kritisch nachzudenken.

Ja, und deshalb brauchen wir den Volkstrauertag auch heute mehr denn je.

Das Gedenken und Nachdenken am Volkstrauertag ist nach meiner Meinung ein wichtiger Beitrag dafür, zu verstehen, was wir künftig brauchen, um solche menschenverachtenden und mörderischen Entwicklungen zu verhindern.

Die teuflische Spirale von Krieg, Gewalt, Terror, Folter, Hunger und Vergewaltigungen müssen wir doch beenden können.

Der Volkstrauertag ist doch nicht nur eine wichtige Tradition des Gedenkens und des Respekts vor dem Leid von Millionen Opfern, sondern auch die Wut auf die weltweit agierenden Peiniger und Schlächter von Menschenleben.

Die gilt es zu entlarven, aufzudecken und letztlich zu verhindern.

Dafür braucht es neben der Einsicht in deren Machenschaften auch eine Vorstellung von einem politisch friedensstiftenden Handeln.

Es braucht z. B. Formen einer tragfähigen Völkerverständigung, einer ehrlich gemeinten Aussöhnung von Feinden, einer friedlichen Strategie der Konfliktlösung und einer ausgleichenden Solidarität.

Wann und wo immer wir heute helfen können, dass man Blutvergießen beenden und Not lindern kann, müssen wir das tun.

Wenn wir einen Beitrag für Versöhnungsprozesse leisten oder Menschen vor Gewalt, Terror und Verfolgung retten können, dann dürfen wir nicht wegschauen, so als ob es uns nichts angeht.

Ich weiß, dass die Forderung leichter ist als das reale Tun.

Aber wenn sich deutsche Rettungskräfte, Aktivisten, Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute an Friedensprozessen in der ganzen Welt beteiligen, dann ist das auch eine Lehre aus unserer deutschen Geschichte.

Diese Menschen riskieren dabei nämlich auch ihr Leben.

An diesem Volkstrauertag denken wir deshalb besonders auch an sie und ihre Angehörigen.

Am Ende steht für uns deshalb die Erkenntnis, dass gerade am Volkstrauertag unsere Dankbarkeit und die Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit zu kämpfen, sehr stark verbunden sind.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Erscheinung
Mitteilungsblatt Faurndau
NUSSBAUM+
Ausgabe 47/2025
von Bezirksamt Faurndau
18.11.2025
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
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