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Vom Malheur zum Meisterstück

Am vergangenen Mittwoch verwandelte sich das Pfarrheim Malsch in eine Bühne für Genuss, Wissen und Humor. Unter dem Motto „Von den besten Lagen“...
Senioren bei der Weinprobe.
Weinprobe mit Harald KempfFoto: Peter Silver

Am vergangenen Mittwoch verwandelte sich das Pfarrheim Malsch in eine Bühne für Genuss, Wissen und Humor. Unter dem Motto „Von den besten Lagen“ war das Weingut Harald Kempf zu Gast beim herbstlichen Senioren-Nachmittag. Nach der traditionellen Kaffee- und Kuchenrunde mit „Zwetschgendatschi“ begann die Präsentation mit einem spritzigen „Secco Rosé“. Mit viel Witz und Fachkenntnis wurden die Unterschiede zwischen Secco, Sekt, Prosecco, Crémant und Champagner erklärt. Während ein Secco oder Prosecco mit Kohlensäure in die Flaschen abgefüllt wird, wird bei einem Sekt, Crémant oder Champagner die Kohlensäure durch Vergärung des Weines in der Flasche erzeugt. Auf die Frage eines Anwesenden, warum der Secco billiger ist als der Sekt, schob Harald Kempf die historische Anekdote nach: unter Kaiser Wilhelm wurde zur Finanzierung der Kriegsmarine eine Sektsteuer eingeführt. Bis heute hat der Staat dieses finanzsichere Traditionsgut gerne beibehalten. Denn, eine Sektflasche hat einen Flaschendruck von ca. 6,2 bar. Dieser Druck ist bei einem Secco auf 2,5 bar begrenzt und deshalb eigentlich kein Sekt und von der Sektsteuer frei.

Es folgte ein Weißwein aus der Auxerrois-Rebe. Die Bezeichnung „Auxerrois“ ist für eine weiße, frühreife Rebsorte, die nach der französischen Grafschaft Auxerre benannt ist. Es ist eine eigenständige Rebsorte, die zur Familie der Burgundersorten gehört. Die Sorte stammt ursprünglich aus dem Elsass und ist eine natürliche Kreuzung von „Gouais Blanc“ und „Pinot“. Sie ist bekannt für fruchtige und Bukett-reiche Weine. In Frankreich findet man diese besonders im Elsass, in Deutschland hauptsächlich in der Pfalz, in Baden, im Kraichgau und Malsch außer in Malschenberg, wie Harald süffisant mit Malscher Unterton anmerkte. Dieser Probe folgte ein „Weißer Burgunder“, der auch unter dem Namen „Pinot Blanc“ bekannt ist und den er als großen Bruder vom „Auxerrois“ bezeichnete. Trotz seines meist höheren Alkoholgehaltes wirkt der Weißburgunder oftmals leicht, filigran und auch etwas cremig im Abgang, ähnlich dem Chardonnay. Von den Aromen her bringt der „Weißburgunder“ oft eine Frische mit floralen Noten und Aromen von Melone, Birne und Lindenblüten ins Glas. Ebenso war es dann bei „Blaufränkisch“, der dann an der Reihe war. Für die Zuschauer ging man nun nach Harald zum „Farbfernsehen“ über. Mit kräftiger Tönung zeigte er sich und wird bisweilen mit anderen Traubensorten gemischt. Die Zuhörer erfuhren viel Spannendes über Herkunft, Aromen und die Besonderheiten der Malscher Weinlagen, weshalb er Malsch augenzwinkernd als „Burgunder-Gemeinde“ bezeichnete. Sie halten hier die Vormachtstellung, sie brauchen aber auch ihre Pflege.

Den krönenden Abschluss bildete ein Rotwein-Cuvée aus Lemberger und Spätburgunder – das Markenzeichen des Weinguts Kempf. Die Mischung aus Lemberger (Blaufränkisch) und Spätburgunder (Pinot Noir) bringt einen Wein mit Aromen von Kirsche, Blutorange, Blaubeere, Holzwürze und Mokka ins Glas. Ein „Mon Chéri in flüssiger Form“, wie es Harald und seine Frau Michaela Kempf beschreiben. Die Entstehungsgeschichte dieses Weines sorgte für herzhaftes Lachen: Denn ein Missverständnis beim Abfüllen führte dazu, dass beide Rebsorten versehentlich in einem einzigen Fass landeten. Was war geschehen? Seine Frau hatte die Aufgabe, in verschiedenen Holzfässern zwei unterschiedliche Weine abzufüllen (Lemberger und Spätburgunder). Das Ehepaar befand sich dabei außer Sichtweite und war auf gegenseitige Zurufe angewiesen. Der Mann teilte durch lautes Rufen den Sortenwechsel seiner Frau mit. Doch sie verstand dies nicht als Fasswechsel. Erst als das Fass überlief, rief sie: Halt das Fass läuft über und schon war das „Malheur“ geschehen. Was zunächst wie ein Malheur wirkte, entpuppte sich als Glücksfall. Die neue Kreation erhielt den Namen „Grand Malheur“ – und überzeugte auch die Senioren auf ganzer Linie und manche meinten, ob solch ein Malheur nicht auch mit dem „Sündenfall“ von einst verglichen werden kann.

Dass die Senioren nicht nur probierten, sondern diskutierten, lachten und applaudierten, spricht für die Qualität der Veranstaltung. Solche Nachmittage sind mehr als nur Verkostungen – sie sind soziale Höhepunkte, die Erinnerungen schaffen. Mit viel Applaus bedankten sich Karola Hirsch im Namen von Senioren und Seniorenteam bei Harald Kempf für seine humorvolle und lehrreiche Führung durch die „besten Lagen von Malsch“ und seine großzügige Geste, die Weine zu spenden. Es war ein Nachmittag, der auch zeigte: Manchmal liegt im Missgeschick der Ursprung von etwas Großartigem.

Ha. Müller/Jo. Eisend

Senioren bei der Weinprobe.
Weinprobe mit Harald Kempf.Foto: Peter Silver
Erscheinung
Malscher Gemeinde Rundschau
NUSSBAUM+
Ausgabe 40/2025
von Altenwerk Malsch
30.09.2025
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