Ein waschechter Wissädalä erobert mit seinem, wie er sagt, „landesweit einzigartigen Kulturprogramm“ den Nachbarort Oberhausen im Sturm. Zu erleben ist der Inhaber vieler (Kleinstkunst-)Preise, Kabarettist, Wortakrobat, Gitarrenspieler, Sänger, Entertainer und Spaßmacher.
Das Dreiergespann auf der Bühne des TVO besteht aus Papa Heiko mit seinen zwei nicht minder begabten erwachsenen Töchtern Emely und July. In der vollen Halle wollen die Begeisterung und der Jubel kein Ende nehmen. Wen wundert’s, dass dann der Meister des gesprochenen Worts über sich hinauswächst. Zum Schluss gibt es gar zweimal Standing Ovations für das mitreißende Trio.
Die Auftritte an zwei Tagen hintereinander entwickelten sich zu einem Siegeszug: so, als habe die Rheingemeinde sehnlichst darauf gewartet, wieder einmal die bekannte Künstlerfamilie mit dem Mundartprogramm „maierlive“ zu erleben und zu feiern. Die supertolle Stimmung wirkte sich auf die Performance des tonangebenden Familienoberhaupts aus. Wortgewaltig und schlagfertig versetzte der Allrounder in Sachen Improvisation und Spontanität das Publikum in den Alltag, den er aus seinem hintergründigen Blickwinkel beleuchtete. Seit 2007 greift der Wortakrobat (fast) alle Themen auf, die das Leben so bietet. Und es kommt so gut an, dass sein Publikum während des knapp dreistündigen Auftritts unentwegt jubelt, juchzt und jauchzt.
Hochdeutsch, etwa für Neubürger und Gäste aus dem nichtbadischen Ausland, ist verpönt. Bereitwillig gibt er seine Erkenntnisse und Erfahrungen nur im breitesten Dialekt preis. Mit Staunen registrieren die Zuschauer, wie unerschöpflich Maiers Repertoire ausfällt. So auch in Oberhausen, wo er auf Einladung des TVO, dem größten Verein, für ein kulturelles Highlight sorgt. Ob jeder versteht, was er mit Heizkörpäbensl, Spinnähuddlä-Sauger und Babberdeckelschachtlä meint?
Schlag auf Schlag geht es voran, eine Pointe nach der andern folgt, ein Volltreffer nach dem andern. Dem Publikum wird kaum eine Verschnaufpause beim Dauerlachstress vergönnt. Der Improvisationskünstler kann nicht nur sein lockeres Mundwerk entfalten, er imponiert auch als Gitarrist und Gesangskünstler.
Stolz kann der Vater auf seine talentierten Töchter mit den vielen Heiko-Genen sein: July, perfekt am Piano, und Emely, die singt und ihre kräftige Stimme zur Geltung bringt. Spontan, schlitzohrig, humorvoll, rundum unterhaltsam, so ist der Chef von „maierlive“ zu erleben. Seinem geübten Auge entgeht vor Ort nichts: weder die Bedienung noch einzelne Zuschauer im Saal. So stößt auf alles Mögliche und macht es zum Schabernack: Camping, E-Bike-Fahren, Schlaflosigkeit, dumm gelaufene Situationen, Socken in der Waschmaschine, bizarre Werbung im Fernsehen. Politisches wird nur am Rand gestreift. Ohne deren Namen zu nennen, lästert er über Trump und Putin, legt ein Bekenntnis zur kulturellen Vielfalt ab.
(Werner Schmidhuber)


