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Vor 100 Jahren

Das Oberamt Weinsberg in Württemberg wird 1926 aufgelöst Von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann (Fortsetzung vom Nachrichtenblatt 10/26) Zum Oberamt...
1. Oberamt
1. Oberamtsgebäude ab 1755 bis 1909Foto: Wiedmann

Das Oberamt Weinsberg in Württemberg wird 1926 aufgelöst

Von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann

(Fortsetzung vom Nachrichtenblatt 10/26)

Zum Oberamt selbst gehörten zu dieser Zeit alle damals württembergischen Gebiete in seinem Bereich. Es wird in der Literatur als ein weniger wichtiges Oberamt, an der württembergischen Grenze befindlich, bezeichnet.

Zum Amt Weinsberg gehörten Ende des 18. Jh. neben der Amtsstadt mit dem Weißenhof, früher Hardthof, die Orte Bitzfeld, Bretzfeld, Eberstadt, Grantschen, Horkheim, Hölzern, Hößlinsülz, Lennach, Rappach, Scheppach, Schwabbach, Siebeneich, Sülzbach, Willsbach, Weißlensburg, Teile von Ellhofen und Gellmersbach sowie das Stabsamt Böhringsweiler mit den Orten Böhringsweiler, Alt- und Neufürstenhütte, Bäumlesfeld, Eschenstruet, Grab, Größhöchberg, Hohengarten, Klein-Erlach, Knickenhöfle, Kuhnweiler, Liemannsklinge, Mannenweiler, Mönchsberg, Morbach, Neuwirtshaus, Nußlenshof, Rösersmühle, Schönbronn, Schöntalhöfle, Schmellenhof, Stangenbach, Stollenhof, Traubenmühle, Vorder- und Hinterbüchelberg, Waspenhof, Württemberger Hof, Wüstenrot sowie das Zollhaus zu Bubenorbis.

Das Königreich Württemberg wird 1806 in 12 Kreise aufgeteilt. Der dritte Kreis im Lande war der Kreis Heilbronn.

Das Organisationsmanifest von König Friedrich vom 19.3.1806 gliederte das Oberamt Weinsberg in den Kreis Heilbronn ein.

1810 werden die 12 Kreise in 12 Landvogteien mit insgesamt 64 Oberämtern umgewandelt. Weinsberg wurde der Landvogtei „Unterer Neckar“ zugeordnet.

Im Zeitraum von 1806 bis 1812 (Neuordnung durch den Reichsdeputationshauptschluss) fielen alle in dem Bereich des Oberamts liegenden neu zu Württemberg kommenden, weltlichen und geistlichen Gebiete dieser Verwaltungseinheit zu.

Dies sind im Einzelnen:

Affaltrach (Johanniterorden Commende), die Deutschordenshälfte von Gellmersbach, Wimmental (Kloster Schöntal), die ritterschaftlichen Orte Eschenau, Lehrensteinsfeld, Maienfels/Neuhütten und Weiler/Eichelberg. Dazu die hohenlohischen Orte Ammertsweiler, Bitzfeld, Finsterrot, Geddelsbach, Mainhardt, Unterheimbach und der Anteil der Hohenlohe in Ellhofen.

Schließlich wurden dem jetzt „Königlichen Oberamt“ die altwürttembergische Reservatenvogtei (frühere Grafschaft) Löwenstein und das Klosteroberamt Lichtenstern eingegliedert.

Mit letzterer Verwaltungseinheit kam auch die Gemeinde Dimbach dazu. Deswegen fanden wir bei der Erfassung der Grenzsteine im Zuge der Ermittlung der Kleindenkmäler den einzigen Lichtensterner Stein im Grenzverlauf zwischen Wimmental und Dimbach. Er zeigt das Lichtensterner Klosterwappen mit dem Stern und steht an sehr verborgener Stelle.

Die Oberaufsicht über das Amt oblag dem meist adeligen Obervogt, auch Oberamtmann genannt. Nach der administrativen Abschaffung der Obervögte erhielt der bisherige Untervogt, der die Amtsgeschäfte tatsächlich geführt und bis 1651 in Personalunion auch das Amt des Kellers (Verwalters) bekleidete, im Jahre 1759 führte er den Titel eines Oberamtmannes.

Die im Dreißigjährigen Krieg zum Amt Weinsberg gehörenden Ortschaften sind in Büschel 8 des Staatsarchivs Stuttgart verzeichnet. Im Zuge der staatlichen Neugliederung wurde das Oberamt durch Gebiete der Reichsritterschaft, Hohenlohes, Löwensteins, des Klosters Schöntal, des württembergischen Klosteramts Lichtenstern sowie Gebieten der beiden geistlichen Ritterorden vergrößert, dafür Horkheim an das Oberamt Heilbronn abgegeben und 1817 das Amt Böhringsweiler auf die umliegenden Oberämter aufgeteilt. Das Organisationsmanifest König Friedrichs vom 19. März 1806 gliederte das Oberamt dem Kreis Heilbronn an. 1807 erfolgte mit der Einrichtung eines Kameralamts die Vereinigung des bis dahin getrennt verwalteten Rentkammer- und des Kirchenguts

Mit der Reservaten-Vogtei kam die Stadt Löwenstein sowie die Gemeinden Neulautern, Unterheinriet und Waldbach an das Oberamt Weinsberg.

1807 wurden zweckmäßigerweise der im Heilbronner Bereich liegende und von diesem umschlossene Amtsort Horkheim dem Oberamt Heilbronn, das sehr weit entfernt liegende Hütten/Mainhardt dem Oberamt Öhringen zugeschlagen.

1842 wurden Geißelhardt und Lachweiler, heute ebenfalls Mainhardt, an das Oberamt Öhringen abgetreten.

Von 1842 bis 1926 blieb das Oberamt flächenmäßig unangetastet existent.

Die wesentlichen Aufgaben und Pflichten der Oberämter umfassten:

Das Oberamt übte die unmittelbare Aufsicht über die Selbstverwaltung der Gemeinden aus. Der an der Spitze stehende Oberamtmann fungierte als staatlicher Beamter, der die Einhaltung von Landesgesetzen überwachte.

Zu den Kernaufgaben gehörten auch die Jugendfürsorge sowie die „gehobene Fürsorge“ für Kriegsbeschädigte und sonstige Hilfsbedürftige.

Auch das Gesundheitswesen, an deren Spitze befand sich ein Oberamtsarzt. In Weinsberg war es von 1818 bis 1851 Justinus Kerner. Es war die Behörde für die öffentliche Gesundheitspflege und Hygieneüberwachung im Bezirk.

Die Oberämter waren für den Bau und den Unterhalt von Straßen sowie die Förderung der lokalen Wirtschaft verantwortlich. Zudem unterhielten viele Bezirke eigene Oberamtssparkassen, so auch in Weinsberg bis 1926.

Die Polizeibehörde war für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Amtsbezirk zuständig.

Bis zur Trennung von Verwaltung und Justiz Mitte des 19. Jahrhunderts um 1848 bis 1862 nahmen die Oberämter auch richterliche Funktionen in der unteren Instanz wahr.

Die einzige Einheit, die vom Oberamt Weinsberg heute noch vorhanden ist und selbst kreisübergreifend, auch weitgehend repräsentiert, ist das Evangelische Dekanatamt Weinsberg.

Bis auf das sehr weit entfernt liegende Mainhardt gehören alle Pfarrämter des früheren Oberamts noch zum Evangelischen Dekanat Weinsberg. Ob das auf Dauer so bleibt, ist nicht sicher. Schon vor ungefähr 40 Jahren waren innerhalb der Landeskirche Bestrebungen im Gange, kleinere, besonders aber kreisübergreifende Dekanate (beides trifft zu) aufzulösen und in größere Einheiten zu überführen. Durch Zusammenschluss Weinsberg-Neuenstadt ist das wohl nicht mehr relevant.

Wenn es auch schade wäre und den endgültigen Verlust altwürttembergischer Identität bedeuten würde, wird man sich im Ernstfall wohl kaum dagegenstellen können.

Das in den Geschichtswerken immer wieder erwähnte Unteramt Böhringsweiler wurde wie die Unterämter Löwenstein und Mainhardt am Ende der damaligen Organisationsreform 1818 aufgelöst und ins Oberamt Weinsberg eingegliedert.

Erstaunlich ist das Unteramt Böhringsweiler. Das ist heute nur noch ein einzelner Bauernhof, es soll ein früherer Burgstall (abgegangene Burg) gewesen sein und liegt an der Landstraße von Wüstenrot nach Altfürstenhütte oder nach Hohengarten zur Bundesstraße 14.

Aus Gräf, „Die Ämter Neuenstadt am Kocher und Weinsberg, 2004“

Das auch früher einzige Gebäude liegt auf einer leichten Anhöhe über dem Tal unterhalb des Wiedhofes im Norden und der kleinen Ansiedlung Altfürstenhütte im Süden. Es lag und liegt noch heute verkehrsmäßig abseits. Vielleicht kommen wir noch an Quellen, um diese abseits, fast versteckt gelegene einstige Verwaltungseinrichtung auszudeuten und zu bewerten.

Die dem Oberamt Weinsberg übergeordnete Verwaltungseinheit war bis 1810 der neu gebildete „Kreis“ Heilbronn, nicht zu verwechseln mit dem Oberamt Heilbronn. Als dessen Nachfolger bis 1818 wurde die „Landvogtei am unteren Neckar“ mit Sitz in Heilbronn geschaffen.

Von 1818 bis 1924 (Auflösung des Neckarkreises) war der „Neckarkreis“ mit Sitz in Ludwigsburg, die den zugeordneten Oberämtern vorgesetzte Dienststelle.

Ab 1818 war das Königreich Württemberg in vier Kreise eingeteilt: nämlich Neckarkreis, Jagstkreis, Schwarzwaldkreis und Donaukreis.

Schon 1886 gab es Überlegungen, die Bezirkseinteilung des Königreichs zu ändern. 1906, 1911 und 1919 kam das Thema ebenfalls in die politische Diskussion.

Wenn man bedenkt, dass das Oberamt Weinsberg an nicht weniger als acht andere Oberämter grenzte, weiß man, wie klein damals die Einheiten noch waren. Die angrenzenden Oberämter waren Heilbronn, Neckarsulm, Öhringen, Hall, Gaildorf, Backnang, Marbach und Besigheim.

(Fortsetzung im Nachrichtenblatt 12/26)

2. Oberamt
2. Oberamtsgebäude von 1909 bis 1926.Foto: Wiedmann
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Nachrichtenblatt für die Stadt Weinsberg
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Ausgabe 11/2026
von Stadtgeschichte
10.03.2026
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