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Vor 100 Jahren

Das Oberamt Weinsberg in Württemberg wird 1926 aufgelöst Von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann (Fortsetzung vom Nachrichtenblatt 12/26) ...
Karte: Amt Weinsberg um 1500
s. TextteilFoto: Wiedmann

Das Oberamt Weinsberg in Württemberg wird 1926 aufgelöst

Von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann

(Fortsetzung vom Nachrichtenblatt 12/26)

Schon einmal haben Weinsbergs Frauen es gewagt,

Für ihre Heimatstadt zu bitten,

Es sind vergangen nun 886 Jahr,

Seit jener Kaiser Konrad kam geritten

Nach Weinsberg, zu verderben unsre Stadt,

Die doch nichts Böses angerichtet hatt`.

Was hat die Stadt denn Uebles jetzt getan,

Daß sie auf einmal wird so meuchlings abgetan?

Dem Kaiser fiel es einstens schwer,

Gegebnes Wort den Frauen auch zu halten,

Doch Manneswort und Frauentreue galt bei unsren Alten.

Es sperrten seine Räte sich gar sehr,

Er ließ zum Wortbruch doch nicht sich verleiten

Und sprach: „Ein Kaiserwort soll man nicht drehn und deuten!“

Und schenkt den Frauen ihre Männer neu,

Daher auch unsre Burg genannt ist „Weibertreu“.

Vor 100 Jahren drohte zu verfallen,

Der Frauentreue Denkmal Stein für Stein;

Da griff mit starker Hand vor allen

Justinus Kerner in das Schicksal ein.

Er warb, daß uns durch hoher Frauen Gnad`

Uns unsre Weibertreu erhalten ward,

Und dies Vermächtnis sind auch stets bereit

Zu schützen Weinsbergs Frau`n in Ewigkeit.

Ein Kaiserwort ward uns zwar nicht gegeben,

Doch hoffen wir, daß Frauentreu und Mut,

Der Amtsstadt rettet wiederum das Leben,

Wenn man zu uns ist ritterlich und gut,

So treten Weinsbergs Frauen vor Euch, hohe Herren

Ihr wollet uns die Bitte doch gewähren:

„Oh schmälert niemals Weinsbergs Ruhm und Ehr,

Laßt Weinsbergs Amtsstadt bleiben wie bisher!“

Vertrauend unsern guten Sternen,

Wir liefern unsre Bitt` ergebenst aus.

Um Schutz nur stehend, hohe Herren,

Betreten wir das hohe Haus.

Mög Frauentreue und Redlichkeit

Gewürdigt werden wie vor alter Zeit!

Wir wollen Euch dafür in Weinsberg bald begrüßen,

Als treue Weiber heißen Dank Euch wissen“.

Anmerkung:

Die Urschrift mit den Unterschriften der Frauen Weinsbergs befand sich in den Händen des Landtagspräsidenten.

Der im Gedicht angegebene Zeitraum von 886 Jahren war falsch, richtig ist 786.

Amt Weinsberg um 1500

Wie ging es nach dem I. Weltkrieg in Württemberg weiter?

1918–1926, der Volksstaat Württemberg

Die württembergische Regierung von 1918 bis 1926 war einigermaßen stabil und konnte die Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend gewährleisten, erlebte aber politische Unruhen durch linksradikale Bestrebungen und später auch durch nationalistische Strömungen, die das Innenministerium zu Beginn als Herausforderung sah, jedoch schneller reagierte als das Reich. Im Vergleich zu anderen Regionen blieb Württemberg ruhiger, selbst die Reichsregierung in Weimar flüchtete während des Kapp-Putsches 1920 nach Stuttgart (am 15. März kam die Reichsregierung für 5 Tage nach Stuttgart und bildete dort eine Regierung im Exil. Kapp und Lüttwitz, die Auslöser des Konflikts, flohen) und die Demokratie konnte sich stabilisieren.

  • Der Übergang vom Königreich zum Volksstaat Württemberg verlief 1918 unblutig.
  • Die Regierung konzentrierte sich erfolgreich auf die Demobilisierung der Soldaten und die Umstellung auf Friedenswirtschaft.
  • Linksradikale Putschpläne (März/April 1919) wurden abgewehrt, ein Rätemodell konnte sich nicht durchsetzen.
  • Die Hyperinflation und die allgemeinen Krisen der Weimarer Republik ab 1919 hinterließen auch in Württemberg ihre Spuren.
  • Kapp-Lüttwitz-Putsch von 1920 (s.o.) bot Stuttgart der Reichsregierung sicheren Unterschlupf, was die demokratischen Wurzeln Württembergs unterstrich.
  • Nach dem Putschversuch von 1923 (Hitlerputsch in München am 8. und 9. März) zeigte das württembergische Innenministerium zunächst eine hohe Toleranz gegenüber den Nationalsozialisten, was sich jedoch nach dem Reichsverbot der NSDAP änderte.
  • Trotz politischer Polarisierung etablierte sich eine lebendige demokratische Kultur, die auch von Ereignissen wie der Ermordung von Matthias Erzberger von der Zentrumspartei (1921) nicht getroffen war.

Trotz der überregionalen Krisen der Weimarer Republik meisterte Württemberg die frühen Jahre der Republik erfolgreich. Es gab zwar Herausforderungen und politische Spannungen, die aber aufgrund der bürgerlichen Ausrichtung und der starken demokratischen Traditionen besser gehandhabt werden konnten als in anderen Teilen Deutschlands.

1918–1926, die Weimarer Republik in Deutschland

Die Zeit von 1918 bis etwa 1926 in Deutschland war geprägt von extremen Schwierigkeiten und Krisen, die die junge Weimarer Republik fast an den Rand des Zusammenbruchs brachten, einschließlich Putschversuchen von links und rechts, die Hyperinflation, von politischen Morden und den harten Forderungen des Versailler Vertrags vom 28.6.1919. Die Regierungsbildung war durch politische Zersplitterung, mangelnde Akzeptanz der Demokratie und ständige Konflikte zwischen verfeindeten Gruppierungen überdimensional erschwert.

  • Viele Teile der Bevölkerung lehnten die parlamentarische Demokratie ab. Rechte Kräfte verbreiteten die „Dolchstoßlegende“ (Geschichtsfälschung), dass Deutschland den Krieg nicht verloren hätte, sondern verraten wurde.
  • Deutschland litt unter den Reparationszahlungen, was 1923 zur Hyperinflation führte.
  • Es gab zahlreiche Aufstände und Putschversuche von links (z.B. Spartakusaufstand radikaler Linker 1919) und rechts (z.B. Kapp-Putsch).
  • Die harten Bedingungen des Friedensvertrags sorgten für große Unzufriedenheit und förderten extremistische Bewegungen.
  • 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, um Deutschland zur Zahlung von Reparationen zu zwingen, was eine schwere Krise auslöste.
  • Die Regierungen waren oft durch die zersplitterte Parteienlandschaft und ideologische Gegensätze instabil, was häufige Regierungswechsel, Regierungskrisen zur Folge hatte.
  • Die Weimarer Republik stand im ständigen Kampf zwischen Befürwortern einer demokratischen Modernisierung und Anhängern „alter Ordnungen“.
  • Nach den schlimmsten Krisen der Jahre 1919–1923 stabilisierte sich die Lage allmählich, nicht zuletzt durch die Außenpolitik Gustav Stresemanns, die 1926 in der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gipfelte.

Oberamt Weinsberg März 1926

Die erste Hälfte der Weimarer Republik war eine Krisenzeit voller existenzieller Herausforderungen, die die jungen demokratischen Strukturen auf eine harte Probe stellten, die erst nach 1923 langsam eine gewisse Stabilität fanden.

Die Hyperinflation, die politischen Morde und der harte Versailler Vertrag wurden spürbar. Die Regierungsbildung war durch politische Zersplitterung, mangelnde Akzeptanz der Demokratie und ständige Konflikte zwischen verfeindeten Gruppierungen erschwert.

Es gab Herausforderungen und Probleme.

(Fortsetzung im Nachrichtenblatt 14/26)

Karte: Oberamt Weinsberg Anno 1926
s. Textteil.Foto: Wikipedia
Erscheinung
Nachrichtenblatt für die Stadt Weinsberg
NUSSBAUM+
Ausgabe 13/2026
von Stadtgeschichte
24.03.2026
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