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Vor 800 Jahren

Johanneskirche in Weinsberg Das westliche Portal und der unbekannte Conrad von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann (Fortsetzung vom Nachrichtenblatt...
Skizze über die Inschrift im Bogenfeld über „+ CONRADUS“Foto: Wiedmann

Johanneskirche in Weinsberg

Das westliche Portal und der unbekannte Conrad

von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann

(Fortsetzung vom Nachrichtenblatt Nr. 20/26)

Anmerkung

Zur lateinischen Inschrift im Bogenfeld des Tympanons über dem Westportal der Johanneskirche in Weinsberg.

Wir wurden von Lesern gebeten, den lateinischen Text über die „Künstliche Intelligenz (KI)“ ins Deutsche übersetzen zu lassen (sinngemäß und stilistisch).

Wir haben Experten gebeten, dies für uns zu tun und das Ergebnis folgend niedergeschrieben. Die Übersetzung erfolgte über „Google-Gemini“.

„O Mensch, der du nach irdischen Dingen gierst, du bist von Sinnen! Was freust du dich an diesem Abscheulichen? Verehre die göttliche Macht Christi!“

Soweit die nachträgliche Übersetzung mithilfe der KI.

Im Nachrichtenblatt Nr. 20/26 haben wir die für die moderne Zeit übliche Übersetzung des lateinischen Textes bekannt gemacht. Er lautet:

„O Mensch, der du nach irdischen Dingen gierst, bist töricht geworden. Was freust du dich über den Unflat? Verehre die Gottheit Christi!“

Soweit die in der Zeit geltende Übersetzung.

Fazit

Zu der KI-Übersetzung und der traditionellen Übersetzung

Die KI-Übersetzung ist flüssiger zu lesen und psychologisiert den Text leicht („von Sinnen“, „das Abscheuliche“). Sie übersetzt so, wie wir heute im Alltag sprechen würden.

Die traditionelle Übersetzung ist näher am mittelalterlichen Weltbild. Wörter wie „töricht“ und „Unflat“ transportieren den drastischen, mahnenden Charakter, den der Bildhauer den Menschen in Weinsberg damals einbläuen wollte, weitaus besser.

Kommentar hierzu:

Dass ein und derselbe lateinische Text von verschiedenen Leuten auch völlig unterschiedlich übersetzt werden kann liegt an einer Mischung aus Sprachstruktur, Absicht und Aktualität. Übersetzungen altern überraschend schnell. Unsere eigene Sprache verändert sich ständig. Eine Übersetzung aus dem Jahr 1850 nutzt Begriffe und Satzstrukturen, die uns heute völlig veraltet und gekünstelt vorkommen. Eine moderne Übersetzung aus dem Jahr 2026 nutzt eine schlanke, direkte Sprache, um den antiken Text für uns nahbar zu machen.

Weiter im Text:

Paul Veith schreibt: „Der genannte Conradus ist entweder der Bauherr oder wahrscheinlicher ein Geistlicher, der den Bau der Kirche mit veranlasst hat.“

Christoph Planck vermutet: „Conradus könnte der Stifter der Kirche, Konrad I. von Weinsberg (1193–1242), sein.“ Er setzt aber vorsichtshalber ein Fragezeichen nach der Nennung.

Skizze über die Inschrift im Bogenfeld über „+ CONRADUS“

Anmerkung über das Bild über CONRADUS: Wir konnten keine Fotografie machen, weil eine Glaswand sich vor der Inschrift befindet und weil die Inschrift teilweise verwittert ist.

Diakon Klemm aus Geislingen, der erste der zitierten Übersetzer, stellt eine ganz andere These auf. Wir haben aus einem Geschichtswerk seinen Artikel „Conradus am Tympanon der Kirche in Weinsberg“ vorliegen und beziehen uns darauf.

Diakon Klemm weist darauf hin, dass das Kreuz vor dem Namen Conradus nicht unbedingt auf einen Geistlichen hindeuten müsse. Es sei nichts anderes als die Trennung des Textes, ein Zeichen für den Schluss des Vorhergehenden und einen neuen Anfang. Seine These untermauert er mit diversen Beispielen aus Ehingen bei Rottenburg, aus dem Elsass (Andlau und Straßburg) sowie aus Bebenhausen und Maulbronn. Er meint zusammenfassend, „dass es nicht zu kühn erscheine, wenn er dem Conrad ein ‚me fecit‘ (hat mich gemacht) unterstelle.“ Er folgert, Conrad könne der Name des Baumeisters gewesen sein. Für diese Annahme zieht er besonders auch den nicht eindeutig einzuordnenden Spaten in einer der Tympanonhälften heran.

Allerdings ist Klemm auch so kulant, den Hinweis bei Dillenius, das Patronat betreffend, aufzugreifen. Er schreibt selbst, dass wenn Conradus je ein Stifter gewesen sein sollte, einer der Herren von Weinsberg am nächsten läge. Wichtig war uns, auch diese seither unbekannte Deutung aufzuzeigen. Vielleicht hat gar einer unserer Leser hier eine andere Idee oder eine Variante, die er favorisieren würde?

Im Buch von Ostertag/Haag über „Weinsberg. Zur Baugeschichte der Oberamtsstadt Weinsberg“ von 1995 schreiben die Autoren über die Inschrift im Bogenfeld:

„Ihre deutsche Übersetzung nach Weismann: ‚O Mensch, der Du nach dem Irdischen gierst, was bist Du so töricht! Was erfreust Du Dich an solchem Unflat? Ehre die Gebote Christi + Conradus‘. Bei diesem Conradus handelt es sich zweifelsfrei um einen der Bauherren der Kirche. Doch schafft die Angabe des Namens keineswegs die gewünschte Klarheit über seinen Träger; sie verursacht im Gegenteil zahlreiche Irritationen und sorgt noch heute für mannigfache Interpretationen.

Eine These hält den Conradus der Umschrift für König Konrad III. (1093–1152), der die Kirche zum Dank für den Sieg über die Welfen 1140 errichtet haben soll. Da die Kirche nicht vor 1200 datiert werden kann, kommt er als Bauherr nicht infrage. Eine andere These interpretiert den Namen für die Person Herzog Konrad von Rothenburg (1171/74–1196), den Sohn Barbarossas, zu dessen Besitzungen auch Weinsberg gehörte. Gegen seine Person als Initiator des Kirchenbaus führte Hermann Bauer die rohe und ausschweifende Lebensart der Rothenburger ins Feld.

Übrig bleiben die Weinsberger Konrade, die als Ministeriale im Auftrag der Staufer auf der Burg saßen und die in der nachstaufischen Periode das Patronatsrecht über die Kirche besaßen. Wie die Gründung des Klosters Lichtenstern im Jahr 1242 durch die Witwe Engelhards von Weinsberg beweist, verfügten die Weinsberger zu jener Zeit durchaus über Vermögen, das ihnen den Bau der Kirche ermöglicht haben mag. Um 1200/10, der Entstehungszeit des ersten Bauabschnitts, herrschte auf der Burg Weinsberg Engelhard II. (1166–1212), der das Reichshofamt des Mundschenken versah. Er hatte zwei Söhne, nämlich Konrad d. Ä., der von 1215 bis 1235 nachweisbar ist, und Konrad d. J., der ab 1212 als Würzburger Kanoniker bezeugt ist. Es wäre zu erwägen, ob der Bau des Langhauses nicht unter der Herrschaft ihres Vaters Engelhard begonnen worden ist, der darüber starb. Den Bau hätten dann seine Söhne vollenden können, die sich – der eine als Bauherr und der andere als Geistlicher – als Initiatoren der Inschrift verewigen ließen.“

Soweit Ostertag/Haag.

(Fortsetzung im Nachrichtenblatt Nr. 24/26)

Kapitell, linke Seite, Ausschnitt.Foto: Wiedmann
Erscheinung
Nachrichtenblatt für die Stadt Weinsberg
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Ausgabe 23/2026
von Stadtgeschichte
02.06.2026
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