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Vor 800 Jahren

Johanneskirche in Weinsberg Das westliche Portal und der unbekannte Conrad. Von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann (Fortsetzung vom Nachrichtenblatt...
s. TextteilFoto: Wiedmann

Johanneskirche in Weinsberg

Das westliche Portal und der unbekannte Conrad.

Von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann

(Fortsetzung vom Nachrichtenblatt Nr.24/26)

Die Deutung des Tympanons

Die Beschreibung des Tympanons ist nach unserer Meinung folgende: Die Symbole sind keine zufälligen Verzierungen, sondern bilden eine tiefgründige theologische Botschaft, die Besucher beim Betreten der Kirche empfangen sollten. Hier ist eine ikonografische Deutung der einzelnen Felder im Kontext der Romanik (ca. 1200–1230).

Das linke Feld des Tympanons symbolisiert höchstwahrscheinlich die menschliche Sterblichkeit und das irdische Dasein, das unter dem Zeichen von Sünde und Tod steht, aber bereits auf die Erlösung hinweist. Das große Kreuz im linken Feld beinhaltet das zentrale christliche Symbol des Opfers Christi und der Erlösung. Obwohl dieses Feld die Sterblichkeit thematisiert, wird diese bereits durch das Kreuz überwunden. Der Spaten (rechts vom Kreuz) ist in der christlichen Ikonografie das Werkzeug von Adam, dem Arbeiter. Die Lilie (links) ist das klassische Symbol für Reinheit, das Zeichen von Eva.

Das rechte Feld dient als Gegenstück und symbolisiert die Erfüllung der Heilsgeschichte – den Triumph der göttlichen Gnade über den Tod, also die Auferstehung und das ewige Leben. Die Anordnung (ein großes Kreuz, links davon eine Lilie, und auch rechts davon; sie sind miteinander verbunden) weist auf eine klare, symmetrische theologische Anordnung hin. Die Lilie (links) ist erneut das Symbol für Reinheit und himmlische Gerechtigkeit. Oftmals ist dies auch ein direkter Verweis auf die Jungfrau Maria als Mutter des Erlösers, und rechts vom Kreuz befindet sich Jesus.

Die einzelnen Bauteile des Portals der Johanneskirche in Weinsberg

Der zweigeteilte Tympanon vermittelt dem eintretenden Gläubigen eine Belehrung über die Heilsgeschichte und die Theologie.

Links (Das Gesetz/Der Mensch): Der Mensch (Adam) ist der Mühsal (Spaten) unterworfen, nur das Kreuz Christi bietet den Weg zur Reinheit (Lilie).

Rechts (Die Gnade/Christus): Christus (Kreuz) steht im Zentrum und garantiert durch sein Opfer die Reinheit (Lilie) und die Erfüllung des Bundes, die zum ewigen Leben führt.

Der Tympanon präsentiert somit die Dialektik von Sterblichkeit und Ewigkeit, die untrennbar durch das Kreuz Christi miteinander verbunden sind.

Die Beschreibung der einzelnen Bauteile des Portals der Johanneskirche in Weinsberg

Die kleine fratzenhafte Figur über den rechten Säulen

Die Figur wird von uns als Fratze, Dämon oder tierähnliche Figur interpretiert, die wir passend als „misslungenen Affen“ oder „Teufel“ bezeichnen. Sie ist ein typisches und hochinteressantes Element der romanischen Architektur (Stauferzeit, um 1200). Solche Figuren, die sich an Kapitellen (über den Säulen), Konsolen oder Bogenfriesen befinden, dienen nicht einfach als Dekoration, sondern besitzen eine tiefgründige symbolische Schutz- und Warnfunktion.

Die symbolische Deutung dieser ungewöhnlichen Figur fällt in der mittelalterlichen Ikonografie in einen von drei Hauptbereichen:

  1. Dämonische Abwehr.
  2. Die Allegorie der Sünde und Torheit.
  3. Die Dualität der Welt (Kontrast zum Heiligen).

Fratzenhafte Figur über dem rechten Kapitell

Dieser „Teufel/Affe“ über den Säulen ist die visuelle Ergänzung zum zweigeteilten Tympanon. Er zeigt den Weg zur Erlösung. Die dämonische Figur verdeutlicht, was abgewendet werden muss, um die Gnade Gottes und die Erlösung zu erlangen. Sie bildet einen vollständigen theologischen Rahmen für den Eintritt in die Kirche. Nach dem damaligen Glauben sollten die hässlichen und furchteinflößenden Fratzen das Böse, Dämonen und Unheil von dem heiligen Gebäude und den Gläubigen fernhalten. Sie verkörperten die ungezähmte, heidnische Natur oder die Versuchungen der damaligen Welt. Die fratzenhafte Figuren an der romanischen Johanneskirche in Weinsberg sind typische romanische Schmuckelemente. Sie sind Wächterfiguren.

Die vier Säulen

Die vier Säulen des Stufenportals in Weinsberg, die ein Flechtwerk umgeben haben ebenfalls eine wichtige symbolische Funktion, die durch die Dekoration noch verstärkt wird.

Basis der Säulen und der flechtartigen ornamentalen Dekoration

Säulen stehen seit der Antike für Festigkeit, Stärke und Dauerhaftigkeit. Im christlichen Kontext symbolisieren sie die Apostel oder die Grundpfeiler des Glaubens und der Kirche.

Das Portal selbst ist die Pforte zu Gott. Jesus Christus bezeichnete sich selbst als die Tür ("Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden." Johannes 10/9). Die Säulen rahmen und schmücken diesen wichtigen Übergang, und ihr reicher Schmuck verdeutlicht die Bedeutung des Eintritts in das Heiligtum.

Die flechtartigen Dekorationen an den Säulen der Johanneskirche Weinsberg sind somit ein Ausdruck des festen, ewigen und geschützten Glaubens, der die Eintretenden in die christliche Gemeinschaft führt. Die Dekoration der Säulen windet sich von der Basis hoch zum Kapitell. Die originalen , stark verwitterten Bauteile wurden in den 1960 - Jahren aus Denkmalschutzgründen ausgebaut und ersetzt. Der Tympanon ist noch im Urzustand und wird durch eine Glaswand vor witterungsbedingten Einflüssen geschützt. Auch die fratzenhafte Figur im Bereich des rechten Kapitells ist über 800 Jahre alt.

(Fortsetzung im Nachrichtenblatt Nr.:26/26 und Ende

S. Textteil.Foto: Wiedmann
Erscheinung
exklusiv online
von Stadtgeschichte
15.06.2026
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