
Anlässlich des bevorstehenden Volkstrauertages und Totensonntags erinnern wir an die Deportation der Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland vor 85 Jahren: Am 22. Oktober 1940 wurden tausende Jüdinnen und Juden, offizielle Quellen sprechen von 6.504 Menschen, verhaftet und in das Internierungslager Camp de Gurs deportiert. Gurs liegt im unbesetzten Teil Frankreichs, in den Pyrenäen.
Robert Wagner, Gauleiter von Baden, und Josef Bürckel, Gauleiter der Saarpfalz, wollten ihre Gaue „judenfrei“ machen. Im Einvernehmen mit Hitler, Himmler und dem Reichssicherheitshauptamt bereiteten sie diese „Aktion“ vor, die am Tag des jüdischen Laubhüttenfestes stattfand.
Die Betroffenen mussten innerhalb einer Frist von wenigen Stunden abfahrbereit sein. Auch jüdische Bewohner von Altersheimen – auch in Mannheim – zählten dazu.
Mitgenommen werden durften lediglich fünfzig Kilogramm Gepäck, Verpflegung für mehrere Tage und höchstens einhundert Reichsmark. Alles andere blieb in den Wohnungen zurück und wurde vom nationalsozialistischen Staat übernommen. Die Menschen wurden auf öffentlichen Plätzen zusammengeführt und festgehalten; einige nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Mit Lastwagen wurden die Menschen aus dem heutigen Rhein-Neckar-Kreis an den Mannheimer Bahnhof gebracht.
Auch ehemals in Leutershausen und Großsachsen lebende Jüdinnen und Juden wurden nach Gurs deportiert:aus Großsachsen: Arthur Adler; Julius und Marta Adler; Georg/Herz Buchheimer und Helene Kaufmann.
Aus Leutershausen: Leopold Hirsch; Regine Marx; Abraham/Alfred Schriesheimer; Albert Schriesheimer; Emma Schriesheimer; Henriette Schriesheimer, geb. Maas; Klara Stern geb. Schriesheimer; Max Schriesheimer; Meta Amalie Fischer, geb. Schriesheimer; Meta Schriesheimer und Bernhard Weil.
Sie kamen nicht direkt von Leutershausen oder Großsachsen nach Gurs, sondern von Karlsruhe oder Mannheim, wo sie gehofft hatten, in der Anonymität der Großstadt untertauchen zu können.
Die beiden Ältesten - Bernhard Weil und Klara Stern - waren 1868 geboren, d.h. 72 Jahre alt. Sie starben in Gurs.Die Verhältnisse im Lager waren miserabel. So starben viele an Entkräftung und Epidemien. Viele wurden von dort über Drancy (bei Paris) nach Auschwitz deportiert. Etwa ein Drittel wurde zwischen 1942 bis 1944 in den Vernichtungslagern im Osten ermordet.


