Weinsberger Blutostern 1525
Geschichte zum Bauernkrieg 1524/25
von Klaus Heiland und Manfred Wiedmann
(Fortsetzung vom letzten Nachrichtenblatt Nr. 24/25)
Er schreibt die beim Abbruch des Hauses der Geschwister Strohmaier aufgefundenen Reste der alten Heilig-Kreuz-Kapelle vor dem Tore zu.
Der Beleg für die und ihre Lage ist der Aussage des Bruders Franz, einem der 21 verhörten Zeugen zu dem Geschehen zu entnehmen.
(Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 419 Bü 101).
Der Geistliche gab an, dass er am Ostermorgen „vor der statt bey dem hailigen Creutz meß gelesen habe. Als er mit den Bürgern, die bei ihm Messe gehört hatten, in die Stadt kam, beschluß man die statt zu, sagt man, die Bauern zögen daher, wurdt den Bürgern gebotten, uff die maur und an die wöhr, mit wöhr und harnisch zu ziehen, also lueffen die burger eylendt uff die maur, auch die reissigen an die wöhr“.
Dieser Wortwechsel hat also innerhalb des Unteren Tores stattgefunden und ist somit ein Beleg dafür, dass die Heilig-Kreuz-Kapelle vor diesem Tor stand.
Mit Beginn der Reformation hier 1534 blieb die Kapelle unbenutzt und wurde vermutlich profaniert. Deshalb entging sie wohl dem Befehl von Herzog Christoph von 1555, Feldkirchen, in denen nicht gepredigt wird, abzureisen.
Dillenius macht nähere Angaben über die Kapelle, die er ebenfalls für die ursprüngliche Sühnekapelle hält. Demnach wurde die Kapelle 1800 an einen Gerber verkauft, der die Kapelle teilweise abbrach und ein Haus darauf baute.
Idealskizze der Sühnekapelle in Weinsberg
Beim Neubau habe der jetzige Besitzer die achteckigen Fundamente, das Fundament für einen Altar und auf der Nordseite den Bogen einer Eingangstür gefunden. Der Hinweis auf das achteckige Fundament ist Ehmer besonders wichtig. Er erinnert auf die Achteckkirchen im Taubergrund (Grünsfeldhausen, Oberwittighausen), sie stehen für Nachbauten von Kirchen im Heiligen Land (Grabeskirche). In derselben Region noch Stahnsdorf in der Nachfolge der Kirche auf dem Ölberg (Himmelfahrtskirche). Diesen Kirchen werden wir noch im Zusammenhang mit einem Bericht über das Turiner Grabtuch begegnen. Diese Kirchenformen wurden von den Kreuzfahrern aus dem Heiligen Land mitgebracht.
Hermann Ehmer ist das Heiligkreuz-Patrozinium der Kapelle das wichtigste Indiz, dass es sich bei einem Achteckbau nicht um die Sühnekapelle handeln kann. Deshalb sind alle späteren Hinweise und die Funde einer Kapelle vor dem unteren Tor auf die Heilig-Kreuz-Kapelle und nicht auf die Sühnekapelle zu beziehen. Auch die im Kernerhaus zu sehenden Flügel sind kein Beweis für die Existenz der Kapelle. Erst um 1920 werden sie dieser zugeschrieben. Wenn sie von der Kapelle stammen, dann sicher aus der Zeit, als die schon profaniert war. Ein Gotteshaus hätte man bestimmt nicht mit solchen Elementen geschmückt.
Türflügel der Eingangstüre zur Sühnekapelle im Bereich des Lindenplatzes in Weinsberg. Er befindet sich im Kernerhaus in Weinsberg
In dieser Sache hatten wir schon von jeher unsere Bedenken. Stilistisch passen die Türflügel nicht in die Nachbauernkriegszeit.
Sie enthalten keine gotischen und kaum Renaissance-Elemente. Auch hätten sich die armen Bürger bei einer aufdatierten Pflichtaufgabe, einer Strafarbeit, so einen Luxus nicht geleistet. Die wären froh gewesen, das so billig wie möglich zu erledigen.
Der Regierungswechsel von Österreich wieder zu Württemberg kam denen dabei entgegen. Die waren sicher glücklich, als die Sache eingeschlafen war. Diese Aspekte sind uns die wichtigsten in dem Ehmer-Text. Der frühere Archivdirektor geht noch ausführlich auf die Abfindung der Hinterbliebenen des Obervogts Graf Helfenstein ein. Unsere Meinung zu dem nicht erfolgten Bau der versprochenen Sühnekapelle ist eine profane. Der Herrschaft war es wichtig, ihre Untertanen in einer für ihre Kassen Einkommen schaffenden Arbeit zu wissen. Beim Zerstören von Stadtmauern und Türmen, beim Einebnen von Zwingergräben oder dem Errichten von Gedenkstätten fällt für die Landeskasse nichts an.
Untertanen, die Steuern und Abgaben erwirtschafteten, waren wertvoller als das Andenken am Tode der Opfer in welcher Form auch immer.
1532 hat die Gemeinde darum gebeten, wegen der unsicheren Zeiten die Stadttore wieder einhängen zu dürfen. Also waren selbst die nicht verbrannt, sondern nur ausgehängt worden.
Die Holztore durften erst zwei Jahren später, als Herzog Ulrich anrückte, auf Verlangen der Regierung wieder eingehängt werden.
Das war 1534 nochmals eine ganz spannende Zeit für den Flecken.
Der Herzog forderte von Neckarsulm aus als Erstes die zwei Ämter Weinsberg und Möckmühl auf, sich ihm zu ergeben.
Die Folgen für die Stadt wären bei einem Misserfolg von Herzog Ulrich verhängnisvoll gewesen. Sie hätten die Urfehde gebrochen und wären dafür schlimm bestraft worden. Dann wäre möglicherweise eine Stadt Weinsberg nie mehr zustande gekommen.
Wir wären auf Dauer österreichisch geworden und die Geschichte wäre ganz anders verlaufen.
Erst 20 Jahre nachher, schon unter Herzog Christoph, kam Weinsberg wieder in den vollen Genuss seiner alten städtischen Rechte.
Soweit der Bericht von Hermann Ehmer
Ein Fazit über den Bericht von Ehmer unsererseits
Prof. Hermann Ehmers Bericht über die Weinsberger Bluttat zu Ostern 1525 beleuchtet ein zentrales Ereignis im Deutschen Bauernkrieg. Die Hinrichtung des Grafen Ludwig von Helfenstein und seiner Begleiter durch die aufständischen Bauern war ein Akt von extremer Grausamkeit, der als „Spießrutenlauf“ in die Geschichte einging. Die Tat wurde schnell zu einem Fanal (Tat) des Bauernkriegs, das die Radikalität der Bauern auf der einen und die Entschlossenheit der Fürsten zur Niederschlagung des Aufstands auf der anderen Seite verdeutlichte. Die blutige Vergeltung durch den Schwäbischen Bund, der Weinsberg niederbrannte und zahlreiche Bauern hinrichtete, zeigte die gnadenlose Antwort der Herrschenden auf die Bauernrevolte: Ehmer ordnet die Weinsberger Bluttat als Wendepunkt ein, der die Eskalation des Konflikts markierte und wesentlich zum Scheitern des Bauernaufstands beitrug. Ehmers Darstellung betont somit die symbolische und brutale Bedeutung der Weinsberger Bluttat als Schlüsselereignis des Deutschen Bauernkriegs, das die folgenden blutigen Auseinandersetzungen maßgeblich prägte.
Eine weitere Anmerkung unsererseits zur Literatur über den Bauernkrieg: Die Gesamtliteratur ist sehr, sehr umfangreich. Zurückliegend haben wir die Werke von Schriftstellern angesprochen, die aus Weinsberg oder aus der benachbarten Umgebung herkommen.
Die „Literatur“ zum Bauernkrieg ist überaus vielfältig und umfasst ein breites Spektrum an schriftlichen und künstlerischen Ausdrucksformen. Dazu gehören zeitgenössische Primärquellen wie Urkunden, Flugschriften und Chroniken, ebenso wie spätere historische Analysen, Dramen, Opern, Romane und auch verschiedene Formen der bildenden Kunst. Diese umfangreiche Überlieferung dokumentiert nicht nur die Ereignisse, sondern spiegelt auch die sich wandelnde Darstellung und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Bauernkrieg über die Jahrhunderte wider.
Der Deutsche Bauernkrieg, der sich hauptsächlich zwischen 1524 und 1526 ereignete, stellt eine der weitreichendsten und folgenreichsten sozialen Erhebungen in der europäischen Geschichte vor der Französischen Revolution dar. Das Jahr 1525, auch in Weinsberg, markiert dabei den Höhepunkt und Wendepunkt der Konflikte und die Weiterentwicklung.
Das bevorstehende 500-jährige Jubiläum im Jahr 2025 wird so darf man annehmen, zu weiterer Forschung und öffentlichen Diskussionen anregen und sicherstellen, dass der Bauernkrieg ein lebendiges Kapitel in der deutschen und europäischen Geschichte bleibt.
(Fortsetzung im nächsten Nachrichtenblatt Nr. 26/25)