
Seit zehn Jahren lädt das DRK Hemsbach zum Seniorennachmittag in seine „gute Stube“ ein und bewirtet die Gäste mit Kaffee und Kuchen. „Wir nutzen unsere Treffen auch als Spielenachmittag, bieten Erste-Hilfe-Kurse an oder veranstalten ein Sommerfest“, erklärte Regina Kohl, die mit Brigitte Sousa-Blanco den Seniorennachmittag ins Leben gerufen hat. An diesem Nachmittag gab es einen Vortrag zu einem wichtigen Thema für die ältere Generation.
Zu dieser Veranstaltung über das Verhalten im Umgang mit Schockanrufen oder dem „berühmten“ Enkeltrick hatte der für die Sozialarbeit verantwortliche Peter Fath den Polizeioberkommissar Christian Bausch eingeladen. Bausch, der als Sachbearbeiter für Prävention im Polizeirevier Weinheim zuständig ist, wollte, wie er versicherte, keine Angst oder Unruhe erzeugen, aber „man ist gefeit, wenn man davon gehört hat. Es sind wenige, aber es passiert. Daher bleiben Sie wachsam.“ Der Beamte klärte über die Frage auf, woher Betrüger an die Namen, Adressen und Telefonnummern kommen: Eine wichtige Quelle ist das Telefonbuch, denn dort sind oft die Vornamen eingetragen, die in einer bestimmten Generation häufig zu finden sind und Rückschlüsse auf das Alter schließen lassen. Auch bestimmte Adressen sind aus deren Erfahrungen lohnenswerte Ziele. Daher Bauschs Rat: „Löschen Sie Ihren Eintrag im Telefonbuch.“ Sollte dennoch ein Anruf aus heiterem Himmel von Unbekannten eingehen, dann sei es sinnvoll, sofort aufzulegen. „Sich in kein Gespräch verwickeln zu lassen, ist die beste Reaktion, denn Betrüger wollen Sie schocken und verhindern, dass Sie überlegen oder sogar misstrauisch werden – Sie sollen überrumpelt werden“, so die Erfahrung des Polizisten.
Auch Anrufe von dem „in Tränen aufgelösten Enkel“ sei eine beliebte Variante, um fette Beute zu machen. Da wird von einem Anrufer Geld als Kaution für den vermeintlichen Unfallverursacher gefordert oder in Not geratene beziehungsweise in Lebensgefahr befindliche Angehörige auszulösen: „Niemals Geld an Personen übergeben, denn in Deutschland werden niemals Sicherheitsleistungen gefordert.“ Keine Polizei, in Uniform oder in ziviler Kleidung, kein Vertreter von staatlichen Institutionen fordere Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände, machte Bausch deutlich. Außerdem gelte: Wenn ein solcher Anruf erfolge und einen Rückruf mit unbekannter Nummer fordere, niemals zurückrufen. Bei Betrugsverdacht sollten Betroffene entweder mit Familienangehörigen Kontakt aufnehmen oder die Notrufnummer 110 wählen. „Da könnte ein Familienpasswort hilfreich sein“, riet der Polizeioberkommissar. Es sei erstaunlich, wie viel Bargeld manche Menschen zuhause aufbewahrten, wunderte sich Bausch, der einen Fall aus jüngster Vergangenheit vorstellte: Dabei wurden in Weinheim 85.000 Euro an einen Gauner übergeben. Sollte ein vermeintlicher Polizeibeamter an der Tür stehen, so könne er seinen Dienstausweis vorzeigen. Wie der aussieht, lernten die Zuhörer anhand des Originalexemplars von Bausch.
Perfide sind auch die Tricks mit dem Umtausch von Geldscheinen, bei denen ein Unbekannter Geld wechseln möchte, oder der am Geldautomaten einen Bankkunden beim Geldabheben beobachtet. Später taucht er dann an der Tür der Bankkunden auf, um das Geld auszutauschen, da es angeblich Falschgeld aus dem Automaten gab. Beliebt, so sagte Bausch, sei auch der „Danke für Ihre Bestellung“ am Telefon, obwohl die nicht getätigt wurde oder Gewinnversprechen, bei denen ein Gewinn angekündigt wird, jedoch die Übergabe mit Geldforderungen verbunden sind. „Gehen Sie niemals auf Bedingungen ein, um einen Gewinn zu erhalten. Reagieren Sie niemals auf entsprechende Briefe oder E-Mails", mahnte der Polizeioberkommissar. (bn)
Der Seniorennachmittag findet immer am 2. Donnerstag im Monat um 15 Uhr in der DRK-Unterkunft in der Königsberger Straße 16 statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.