
2024 bis 2026 ist aufgrund des solaren Maximums, dem Höhepunkt des 11-jährigen Sonnenzyklus, mit einer besonders hohen Aktivität der Sonne und somit häufigeren Polarlichtern zu rechnen. Wissenschaftlich heißen sie Aurora Borealis, was so viel wie nördliche Morgenröte bedeutet. Wenn Sonnenstürme geladene Teilchen ins All schleudern, die auf das Erdmagnetfeld treffen, sind auch hier die farbenfrohen Polarlichter zu sehen, die die Menschheit von jeher fasziniert haben.
In weiser Voraussicht hatte Klaus Vetter, Vorsitzender des Kulturkreis Bad Schönborn, schon ein Plakat mit der Aufschrift „Wegen Überfüllung geschlossen“ vorbereitet, als der Verein zu einem Vortrag eingeladen hatte, bei dem die komplexen Prozesse erläutert wurden.
Denn aufgrund des begrenzten Angebotes an Sitzplätzen im Haus des Gastes in Mingolsheim konnten viele auch aus dem ganzen Umkreis angereisten Besucherinnen und Besucher nur einen Stehplatz ergattern oder fanden gar keinen Einlass mehr. Das lag einmal am Thema – so beschäftigte sich just am Tag des Vortrages ein großer Artikel in „Die Zeit“ mit Polarlichtern – aber natürlich vor allem am Referenten, Physiker Georg Henneges, der nicht nur am KIT in Karlsruhe, sondern auch in den National Labs in Los Alamos, USA, arbeitete und außerdem seit rund 40 Jahren Leiter der „Kraichgau Sternwarte“ ist. Dementsprechend ist er zu allen Themen der astronomischen Forschung ein gefragter Dozent. Zunächst ging er bei seinem Vortrag auf Mythen ein, die sich schon seit jeher um die Polarlichter ranken. Den Begriff Mythos hatte er ganz altmodisch in der Meyers Enzyklopädie nachgeschlagen, wie er schmunzelnd sagte. Es war spannend, wie die Polarlichter in den verschiedenen Kulturen und Zeiten unterschiedlich und oft komplett gegensätzlich interpretiert werden. Nicht überraschend war es, dass Chinesen gerne in nördliche Gefilde fahren, denn Kindern, die unter Polarlichtern gezeugt werden, wird Glück und besonders viel Erfolg vorausgesagt.
Im zweiten Teil des Vortrages ging es um die Fakten, die laut KI auf direkter Beobachtung oder Messungen beruhen und Ergebnis eines objektiven Prozesses sind. Hier wurde auch jede Vorstellungskraft des aufmerksam lauschenden Publikums gesprengt, denn Henneges schrieb die Zahl 2000 Quadrillionen, das ist die Masse der Sonne, mit allen Nullen aus. Wenn der Sonnenwind, der aus geladenen Teilchen besteht, auf die Erde trifft, verformt er deren Magnetfeld. „Vereinen sich zwei Magnetfeldlinien zu einer neuen, die das Magnetfeld quasi kurzschließt, so spricht man von magnetischer Rekonnexion, und diese Ereignisse setzen enorme Mengen von Energie frei“, erläutere Henneges anhand von Schaubildern. Das irdische Magnetfeld hält den Teilchenschauer zum größten Teil von der Erde ab, aber bei einem starken Sonnenwind kann das Plasma das Magnetfeld so stark verformen, dass magnetische Teilchen zur Erde beschleunigt werden und in den hohen Schichten der Erdatmosphäre Polarlichter hervorrufen. Der Experte erklärte, wie die Farben entstehen und die Vorhersagen getroffen werden. Mitgebracht hatte er Bilder, die in Australien und Neuseeland entstanden, aber auch auf einem Balkon in Bad Schönborn. Er ging abschließend auch auf die großen Gefahren ein, die für unsere hoch technisierte Zivilisation bestehen. Als der bisher größte Sonnensturm am 1. September 1859 die Erde traf, brachen die Telegrafennetze zusammen. Ein vergleichbarer Sturm würde auch noch heute Schäden in Milliardenhöhe hervorrufen.
Schon vor dem Vortrag hatte Norbert Vetter versprochen, dass der Vortrag von Georg Hennges aufgrund des großen Interesses ein zweites Mal stattfinden werde. Bei weiteren wissenschaftlichen Vorträgen soll zukünftig gleich ein größerer Raum gebucht werden. „Allerdings kann man nie genau wissen, wie viele letztendlich wirklich kommen“, bemerkte Susanne Christ, die 2. Vorsitzende des Kulturkreises richtig.
Nächster Termin: Eine zweite Gelegenheit, den Vortrag zu besuchen, gibt es im Haus des Gastes am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr. (cm)
