
„Dass man Vertreter aller demokratischen Parteien an einen Tisch bekommt, ist nicht selbstverständlich“, lobte Martin Voss, zweiter Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Rhein-Neckar, den radpolitischen Stammtisch des ADFC Schwetzingen.
Florian Reck und Georg Ramsch betonten in ihrer Begrüßung, wie wichtig es sei, miteinander nach Lösungen für nachhaltige Mobilität zu suchen – gleichzeitig betonte Reck: „Wir sind nicht neutral. Wir sind ein Lobbyverband für den Radverkehr und eine umweltschonende Mobilität!“ Die konstruktive Diskussionsrunde brachte die verschiedensten Vorerfahrungen und Perspektiven auf das Fahrrad zu Tage. So gab die Linke Mara Zeltmann, offen zu, dass sie bisher nicht gern Fahrrad gefahren ist: „Meine Familie war immer sehr fahrradbegeistert, aber im Hochschwarzwald konnte ich mich dazu oft nicht durchringen. Seit ich im Flachland lebe, kommt die Begeisterung aber langsam.“
Holger Höfs, der als Mittelstandsexperte für die FDP kandidiert, schwärmte von seiner Mountainbike-Leidenschaft und bedauert, dass ihm im Alltag oft die Zeit für längere Touren fehle. Der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Sturm fährt am liebsten mit dem Rad nach Speyer zum Eisessen, sein grüner Kollege Andre Baumann versucht, möglichst immer zu Fuß oder mit dem Rad in sein Wahlkreisbüro zu gelangen. Der Sozialdemokrat Vincent Kilian legt die meisten Wege in seiner Heimatstadt Hockenheim mit dem Rad zurück. Er bedauert aber, dass es an vielen Stellen noch keine richtigen Radwege gebe. „Dadurch kommt es immer wieder zu Konflikten, die man verhindern könnte“.
Alle Kandidierenden waren sich einig, dass sie den Ausbau der Fahrradinfrastruktur für förderungswürdig erachten. Vincent Kilian betonte zudem, dass er auch als Autofahrer etwas davon habe, wenn Radfahrer auf sicheren Wegen abseits der Straßen fahren. Holger Höfs berichtete, wie er selbst schon erleben musste, dass Drahtseile über Trails gespannt wurden, um Mountainbiker zu Fall zu bringen. Bei den Konflikten zwischen Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern wurde er deutlich: „Das Denken muss sich grundsätzlich ändern – es gibt eine kleine Gruppe rücksichtsloser Menschen. Respekt und gegenseitige Rücksicht sind hier der Schlüssel!“ Wie wichtig gegenseitige Rücksichtnahme sei, betont auch Andre Baumann: „Es geht nicht, dass man mit dem Rad durch die volle Fußgängerzone rast, sodass links und rechts die Kinder wegspringen müssen!“ Der Staatssekretär sieht aber auch infrastrukturelle Chancen, Konflikten im Straßenverkehr vorzubeugen, dabei seien durchgängige Radwege auch entlang von Überlandstraßen essenziell. Dem stimmt Andreas Sturm zu, der aber auch die Vorbeugungswirkung von Beteiligung betont und dabei die Landesinitiative „The Städt“ lobt, bei der Bürger vor Ort in die Stadtplanung, zum Beispiel in die Schaffung verkehrsberuhigter Zonen eingebunden werden: „Solche Beteiligungsmöglichkeiten sollte das Land auch weiter fördern, denn sie bieten viel Raum für Begegnungen und Perspektivwechsel!“
Bei der Überlegung, wie man gerade Kinder mehr dazu bringen könnte, mit dem Rad zur Schule zu fahren, um sich dann im Alltagsverkehr auch besser zurecht zu finden, waren die Kandidierenden sich einig, dass es problematisch sei, Lehrkräften noch mehr Pflichtaufgaben aufzubürden. Baumann verwies lobend auf die verkehrspädagogischen Angebote des ADFC Rhein-Neckar, die an mehreren Schulen im Wahlkreis bereits erfolgreich umgesetzt würden und auf die jährliche Ferienfreizeit des Fahrradclubs. Vincent Kilian ergänzte, dass man kommunikativ kreativ werden müsse: „Oft ist es ja das Sicherheitsgefühl der Eltern, dass man anspricht, da müssen wir vor Ort kreativ sein – das Land sollte solche Initiativen fördern.“ Für dieses Problem bot ADFC-Sprecher Florian Reck Unterstützung an: „Wenn eine Lehrkraft eine Fahrradexkursion durchführen will, sich das aber allein aus Sicherheitsbedenken nicht zutraut, sind wir gern bereit, als Ordner mitzufahren!“ (pm/red)


