
Nach einer Planungsphase, deren Ursprünge Gemeinderätin Rita Locher (FWV) bis ins Jahr 1999 zurückverfolgte, hat der Gemeinderat von Wildbad mit großer Mehrheit den offiziellen Startschuss für die Generalsanierung des Waldfreibads Calmbach gegeben. In der jüngsten Sitzung stand die Vergabe des ersten und summenmäßig bedeutendsten Gewerks – „Abbruch-, Wasserhaltungs-, Erd- und Leitungsbau und Rohbauarbeiten“ – auf der Tagesordnung.
Den Zuschlag für die komplexen Arbeiten erhielt die Firma Hirschberger und Kusterer GmbH aus Bad Liebenzell zum Preis von 1,6 Millionen Euro brutto. Die öffentliche Ausschreibung lieferte lediglich dieses eine Angebot, das der Gemeinderat nach eingehender Prüfung durch das Generalplanungsbüro Fritz Planung annahm. Das einzige Angebot lag im Vergleich zum bepreisten Leistungsverzeichnis mit 99,7 Prozent nahezu exakt im Rahmen.
Für Diskussion sorgte die deutliche Abweichung zur ursprünglichen Kostenberechnung, die bei 1,1 Millionen Euro brutto lag. Das vorliegende Angebot lag demnach bei 143 Prozent dieser Berechnung. Stadtbaumeister Volkhard Leetz erklärte diese Differenz während der Sitzung mit Kostenfaktoren, die erst nach der ersten Kalkulation hinzugekommen waren. Er nannte explizit die Wasserhaltung – das Bohren von Tiefbrunnen zur Absenkung des Grundwassers – sowie die Notwendigkeit, Lösungen für die Entsorgung von 2.000 Kubikmetern Erde zu finden und die Vorsorge für Starkregenereignisse abzudecken. Leetz betonte, bei den Positionen gebe es „keine Auffälligkeiten von einzelnen Ausreißern oder Höchstpreisen“ und die Firma aus der Region sei „sicher in der Lage, die Arbeiten auszuführen“.
Finanziell ist die Vergabe des Gewerks, das unter anderem den Bau des neuen technischen Gebäudes und der neuen Trafostation umfasst, gesichert. Im Haushalt 2025 sind 1,5 Millionen Euro eingestellt, wovon bislang rund 284.000 Euro verausgabt wurden. Zusätzlich steht eine genehmigte Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 2,3 Millionen Euro bereit. Stadtkämmerer Tido Lüdtke präzisierte die tatsächliche Belastung für den Haushalt: „Die Baukosten von 1,6 Millionen Euro," so Lüdtke, „davon holen wir 19 Prozent als Vorsteuer vom Finanzamt. 1,35 Millionen Euro sind tatsächliche Kosten, die an der Stadt hängen bleiben.“ Die Baumaßnahme ist somit vorsteuerabzugsberechtigt, wodurch der Haushalt nur mit dem Nettobetrag in Höhe von 1,35 Millionen Euro belastet wird.
Die Ratsmitglieder äußerten sich hochzufrieden über den nunmehr erfolgten Startschuss, der von Bürgermeister Marco Gauger als „nächster Schritt“ in der Sanierung bezeichnet wurde. Gemeinderätin Rita Locher sprach von einem „Meilenstein heute“ und betonte: „Wir freuen uns, dass es jetzt so weit ist – für Bürger, Senioren, Kinder.“ Gemeinderätin Ursula Jahn-Zöhrens (SPD) bekräftigte: „Wir erlauben uns diese freiwillige Leistung, die ich nach wie vor für eine richtige Entscheidung halte. Jetzt gibt es den Startschuss. Letzte Zweifler werden jetzt auch überzeugt sein. Wir schaffen was Gutes für die Bürger.“
CDU-Gemeinderat Wilko Rochow-Borg lobte die Entscheidung als „Mut für die Bewohner und Gäste dieser Stadt“. Er wies jedoch darauf hin, dass der erste Bauabschnitt durch den Baubeginn nicht mehr förderfähig sei. Daher forderte er die Verwaltung auf, für den zweiten Bauabschnitt „kreativ“ zu werden und schon jetzt Förderanträge einzureichen, selbst wenn die neuen Fördermöglichkeiten noch nicht endgültig festgelegt seien.
Trotz der Euphorie meldete Gemeinderat Mathias Fey (AfD) Bedenken an. Er werde zustimmen, obwohl er Sorge hat, ob die Stadt Bad Wildbad das wirklich schafft. Bürgermeister Gauger entgegnete den Bedenken: Man habe eine „mutige Entscheidung“ getroffen und sich dazu entschlossen, dass das Freibad „für kommende Generationen so bleibt“. Er hielt es „nach wie vor für eine rein wegweisende Entscheidung für die Zukunft“. Die endgültige Abstimmung erfolgte mit einer Enthaltung von Gemeinderat Werner Kriech.
Hinsichtlich der Badesaison 2026 äußerte sich Stadtbaumeister Volkhard Leetz verhalten: Die Verwaltung müsse über eine eventuell verkürzte Saison nachdenken, da die Sanierung aktuell eine reguläre Badesaison 2026 ausschließe. Auch die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Umkleidekabinen soll parallel in Eigenleistung erfolgen. (mm)