Unter dem Motto: „Freunde kennenlernen und verstehen“ waren am Wochenende knapp 60 Franzosen aus den Walheimer Partnergemeinden Vair-sur-Loire, La Roche-Blanche und Pouillé-les Côteaux in der Neckargemeinde zu Gast. Bereits seit 26 Jahren existiert eine offizielle Partnerschaft zwischen Walheim und den drei Dörfern im Großraum Nantes. Privat kennt man sich allerdings schon fast 40 Jahre.
Als nach 1000 km langer Nachtfahrt die Gäste aus dem Nachbarland am Himmelfahrtsmorgen den Bus verließen, war von Müdigkeit nichts zu spüren. Diejenigen, welche sich schon seit Jahrzehnten kennen, lagen sich sofort in den Armen und auch die neu Hinzugekommenen verstanden sich sogleich prächtig. Nach dem Mittagessen in den Familien vertiefte sich das Verständnis füreinander beim Boule-Turnier mit deutsch-französischen Tandems weiter.
Am Freitag stand der Besuch der Festung Hohenasperg, auch bekannt als „Demokratenbuckel“ oder „Tränenberg“, auf dem Programm. Heute ein Gefängniskrankenhaus, hat die Anlage eine wechselvolle Vergangenheit, auch mit vielen Bezügen zu Frankreich. Sie war mehrmals in französischer Hand, so auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg, als die Franzosen damit drohten, Stuttgart zu zerstören, falls man ihnen die Festung nicht überließe. Im Ersten Weltkrieg waren rund 1000 französische Kriegsgefangene dort eingesperrt. Bedrückend der Besuch des Turms, in dem der Dichter Christian F.D. Schubart wegen seiner Kritik an Herzog Carl Eugen einsaß, dagegen geradezu befreiend das anschließende Picknick bei strahlendem Sonnenschein im dortigen Biergarten.
Die Französisch-AG der Walheimer Grundschule eröffnete mit ihren mit viel Beifall bedachten Beiträgen in französischer Sprache den deutsch-französischen Abend. Nach dem von „Katz & Maus“, einem Walheimer Caterer, organisierten Essen, den Grußadressen von Bürgermeister Christoph Herre, den Bürgermeisterinnen Amélie Cornilleau und Audrey Becmeur und dem Austausch von Gastgeschenken kam der den Gästen als „Überraschung“ angekündigte Auftritt des Walheimers Marco Miele. Begleitet von seiner französischen Assistentin Sophie verblüffte der national und international mit mehreren Preisen ausgezeichnete Mentalist, Hypnotiseur und Magier das Publikum mit seinen Zaubereien: So fügten sich zerrissene Spielkarten auf geheimnisvolle Weise wieder zusammen, Gedanken wurden „gelesen“, ein Besucher mit verbundenen Augen führte hypnotisiert Bewegungen aus und ein Tisch schwebte über die Bühne. Nach Kaffee und von den Gastgebern gebackenen Kuchen lud Dieter Bröckel mit einem von ihm zusammengestellten, vorwiegend frankophilen, Musikprogramm auf die Tanzfläche ein.
Am Samstag ging es nach Heilbronn. Die EXPERIMENTA, Deutschlands größtes Science Center, animierte auf vier Etagen, die Welt der Technik und der Naturwissenschaften spielerisch zu entdecken – vor allem für die jüngeren Besucher eine spannende Erfahrung. Nach einem Picknick ging es auf einer geführten Tour durch die Stadt, zuerst am Neckar entlang und dann vorbei an der lebensgroßen Statue des „Käthchens von Heilbronn“ zum nach dem Krieg wieder aufgebauten Rathaus mit seiner Mischung aus gotischen und Renaissancestil. Dann weiter auf den Hafenmarktturm mit einem fantastischen Blick auf die Stadt und die umliegenden Weinberge und als Krönung zur Kilianskirche, die mit ihrem achteckigen Turm als erstes Bauwerk nördlich der Alpen mit Renaissance-Elementen gilt und einen beeindruckenden Hochaltar besitzt. Nach der Rückkehr nach Walheim hatten offensichtlich viele der Gäste noch genügend Energie, um Weinfeste in der Umgebung zu besuchen und bis in den Morgen hinein zu feiern.
Am Sonntagmorgen verabschiedeten sich die Gäste an der Walheimer Feuerwache, dabei wurden nach einem rundum perfekten Wochenende zwar einige Tränen verdrückt, diese werden aber sicher getrocknet sein, wenn es beim nächsten Mal heißt: „Bienvenue chez vos amis!“ Bürgermeister Herre verwies in einem Kommentar zu Recht darauf, dass die Zukunft Europas im gegenseitigen Verständnis, im Austausch und in gelebter Freundschaft liege.
Ein großes Dankeschön geht an die Organisatoren und die vielen Helfer vor und hinter den Kulissen, ohne deren Einsatz das Fest nicht zu stemmen gewesen wäre; namentlich an den Bauhof, das „Kulturspektrum“ sowie für die Bereitstellung der Dekoration an die Walheimer „Blumenschmiede“. Und in erster Linie natürlich an die Gastgeber, welche Franzosen bei sich aufgenommen und diesen die Möglichkeit geboten haben, das Leben in einer deutschen Familie hautnah zu erleben.
Unseren positiven Eindruck von einer gelungenen Begegnung und einer tragfähigen Partnerschaft haben uns unsere französischen Freunde in einer E-Mail folgendermaßen bestätigt:
Liebe Freundinnen und Freunde aus Walheim,
nach diesen intensiven Tagen an eurer Seite und einer zwar langen, aber von Lachen und Gesprächen geprägten Busfahrt, die uns die Zeit verkürzt hat, sind wir nun wieder erholt und befinden uns entweder in der Schule, bei der Arbeit oder im verlängerten Urlaub …
Vielen Dank für diese wunderbaren Momente in eurer Gesellschaft. Auch in diesem Jahr haben wir unsere Freundschaften gefestigt und neue geschlossen. Und wir können uns nur freuen, junge Menschen unter uns zu sehen, die uns zeigen, dass diese Freundschaften generationsübergreifend sind. Vielen Dank auch an Herrn Herre für seine Anwesenheit und seine Worte, die uns sehr berührt haben. Wir freuen uns schon sehr auf seinen Besuch in Vair-Sur-Loire, La Roche-Blanche und Pouillé-les-Côteaux.
Ein besonderer Dank gilt auch den OrganisatorInnen, die uns ein reichhaltiges Programm geboten haben. Die Führungen in Heilbronn und Hohenasperg haben uns sehr beeindruckt. Der deutsch-französische Abend und seine Überraschung haben alle unsere Erwartungen übertroffen. Nun sind wir an der Reihe, Ihren Besuch vorzubereiten und Sie unsererseits zu begeistern.
Im Namen des gesamten Komitees ein großes Dankeschön und bis zum nächsten Jahr für neue Erinnerungen!
Comité de Jumelage des Grées
4 rue de la Boule d'Or
Saint Herblon
44150 Vair Sur Loire
Gefördert wird das Projekt vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds:
Der Deutsch-Französische Bürgerfonds berät, vernetzt und finanziert Projekte, die die deutsch-französische Freundschaft und Europa in der Breite der Bevölkerung erlebbar machen. Er fördert eine Vielzahl an Formaten und Themen, ist niedrigschwellig und steht allen Akteuren der Zivilgesellschaft offen. Der Bürgerfonds geht auf den im Jahr 2019 zwischen Deutschland und Frankreich geschlossenen Vertrag von Aachen zurück und wurde im April 2020 errichtet. Er wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) umgesetzt und zu gleichen Teilen von der Bundesregierung und der französischen Regierung finanziert.