Wussten Sie, dass jede*r Deutsche im Schnitt rund 160 Liter Kaffee pro Jahr trinkt? Das sind über drei Tassen Kaffee pro Person und Tag. Darüber, woher der morgendliche Muntermacher stammt, machen wir uns oftmals keine Gedanken. Tiefer in die Welt des fairen Kaffees eingetaucht sind am 21.04. rund zehn Teilnehmende beim interaktiven Stadtspaziergang „Walk & Talk – dem fairen Kaffee auf der Spur“ durch Flein. Die Gruppe machte sich gemeinsam an fünf Stationen mit Bildungsreferent Marc Ehrmann des Oikocredit Förderkreises Baden-Württembergs auf, mehr über die Bohne zu erfahren.
So erfuhren Sie, dass Kaffee eine anspruchsvolle Pflanze ist, die rund um den Äquator wächst. Woher der Kaffee in Ihrer Tasse kommt? Meist aus Brasilien, welches auf Platz eins der kaffeeexportierenden Länder liegt oder aus Vietnam, das den zweiten Platz einnimmt. Zusammen exportieren die zwei Länder über 50 % der weltweit angebauten Kaffeebohnen. Während der Tour wurde deutlich, dass sich mit Kaffee viel Geld verdienen lässt. Nur leider nicht mit dem Anbau, der handarbeitsintensiv und arbeitsreich, aber kaum gewinnbringend ist. Die großen Gewinne fahren die überwiegend im globalen Norden ansässigen Kaffeeröstereien und Handelsfirmen ein, während Kaffeebäuer*innen häufig kaum vom Anbau leben können. Der faire Handel macht hier einen Unterschied: vor allem durch Prämien bleibt deutlich mehr im Herkunftsland des Kaffees, wovon lokale Gemeinschaften profitieren.
Eine enorme Herausforderung für die Kaffeeanbauer ist der Klimawandel, der sich vor allem in zunehmenden Unwettern mit Überschwemmungen darstellt, wodurch ganze Ernten vernichtet und Existenzen gefährdet werden. Hier leistet Oikocredit wertvolle Unterstützung im Ergreifen von Gegenmaßnahmen, wie Schattenbäume pflanzen, sehr gezielte Bewässerung, Kompostierung, das Anbauen von Mischkulturen. Die internationale Genossenschaft Oikocredit arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit über 450 Partnerorganisationen im globalen Süden zusammen. Oikocredit stellt unter anderem Betriebskapital in Form von Krediten zur Verfügung und unterstützt darüber hinaus mit Beratungs- und Schulungsmaßnahmen. Das Geld für die Kredite kommt von privaten und institutionellen Anleger*innen, die mit ihrem Geld einen positiven Wandel vorantreiben möchten.
Der Anteil an fair gehandeltem Kaffee ist in Deutschland leider noch immer gering: Nur rund 6 % des Kaffees hierzulande ist fair. Dabei ist nachgewiesen, dass durch fairen Handel wesentlich mehr vom Ertrag in den Anbauländern verbleibt und somit dort zur Existenzsicherung beiträgt.
Zum Abschluss der Tour kamen die Teilnehmenden auch noch im Weltladen Flein in den Genuss von fairem Kaffee und erhielten praktische Handlungstipps an die Hand: bewusster konsumieren, mit Freund*innen und Familie über Ungerechtigkeiten sprechen und sich kritisch mit der Wirkung der eigenen Geldanlage auseinandersetzen.


