
Karl-Josef Sickler
Betritt man das Vorzimmer des Dettinger Bürgermeisteramts, fällt dem aufmerksamen Besucher sofort ein ungewöhnliches Detail ins Auge: Über der Tür zum Amtszimmer hängt der preußische Adler. Dieses Symbol überrascht, denn man würde es in einer schwäbischen Gemeinde am Oberen Neckar kaum erwarten.
Der historische Hintergrund: Durch die Revolution 1848 war die Stellung des damaligen Landesherren Fürst Karl Anton von Hohenzollern in seinem Ländchen immer bedrohlicher geworden. Er rechnete mit der Möglichkeit, fliehen zu müssen. Im August 1849 ließ er Sigmaringen, Hechingen und auch Dettingen von preußischem Militär besetzen. Dies führte zu weiterem Misstrauen gegen den Landesherrn, der ohne Unterrichtung der Regierung und der Bevölkerung die Zukunft Hohenzollerns bestimmte.
In dieser Bedrängnis vermachte der Fürst im Jahr 1850 das Ländchen an den König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV.
Damit sind auch die Einwohner von Dettingen, die sich bisher als waschechte Schwaben verstanden, zu Preußen geworden.
Vier Jahre später, 1854, beschaffte das bisherige fürstlich hohenzollerische Bürgermeisteramt das gusseiserne Wappenschild, es trägt den preußischen Adler mit den Initialen des Königs: „F. W.“ für Friedrich Wilhelm und „R“, für Rex, König.
Die Kosten für das Schild beliefen sich auf 18 Gulden. Der Beleg über diese Ausgabe wurde im Ortsarchiv entdeckt. Um den Wert dieser Summe einzuschätzen, lohnt sich ein Vergleich mit dem Gehalt des Dettinger Nachtwächters Christian Kronenbitter. Für seine Dienstzeit vom 23. Januar bis Martini (11. November) erhielt er 45 Gulden und 30 Kreuzer. Somit waren die 18 Gulden für das Schild eine beträchtliche Ausgabe für die Gemeinde.
Abschließend bleibt die Frage offen, ob die Dettinger damals stolz darauf waren, nun nicht mehr fürstlich hohenzollerische, sondern königlich preußische Untertanen zu sein. Das Wappenschild spiegelt jedenfalls den Wandel unserer Ortsgeschichte wider.