Sehr gut besucht war der Vortrag "Melezitose ernten, verarbeiten und verwerten" von Daniel Pfauth im Vereinsheim der Bezirksimker in Althengstett. Daniel Pfauth ist seit 10 Jahren Berufsimker in seiner Jagsttalimkerei auf der Ostalb und imkert zurzeit mit etwa 300 Völkern. Nach einer kurzen Erläuterung der chemischen Grundlagen des Zuckerspektrums der Honigtauerzeuger (verschiedene Lausarten) wie Glucose, Saccharose und Melezitose ging es zunächst um die Frage, wie man erkennen kann, ob es sich beim Honig in den Waben um den oft ungeliebten Melezitose- oder Zementhonig handelt. Zu erkennen ist dieser wertvolle und wohlschmeckende Honig daran, dass man die Struktur der Honigwabenrückseite nicht mehr sehen kann, wenn man die Wabe gegen das Sonnenlicht hält – also auf keinen Fall dunkle Waben im Honigraum verwenden! Außerdem glänzt der Honig nicht mehr, sondern wird matt. Die Bienen tragen davon beeindruckende Mengen von mehr als 3 kg pro Tag in den Bienenstock ein – man sollte ihn also unbedingt ernten. Das Problem für die Imkerinnen und Imker besteht aber darin, dass dieser Honig ab einem Melezitosegehalt von 4,5 % des Gesamtzuckergehaltes fest wird und sich beim Schleudern nicht aus den Waben löst. Honig und Wachs lassen sich aber erst ab einer Temperatur von 80° bis 90° trennen, was wiederum einen Qualitätsverlust beim Honig zur Folge hat. In der Jagsttalimkerei wird eine vollautomatische Entdeckelungsmaschine eingesetzt, die den Melezitosehonig auf den Waben bis auf 0,5 cm auf jeder Wabenseite abtragen kann. Die Bienen bauen so die Wabe neu auf und deckeln sie nicht einfach wieder zu. Das Honig-Wachs-Gemisch kommt dann in den "Direktschmelzer". Dieser zerstört die Inhaltsstoffe des Melezitosehonigs nicht bei richtiger Benutzung. Bei einem Blütenhonig wäre es anders. Am besten sind kurze Verarbeitungszeiten. Diese Verarbeitung des Honigs ist erlaubt, solange bestimmte Qualitätsparameter eingehalten werden. Bei einem Anschaffungspreis von etwa 5 000,– € ist der Direktschmelzer für Hobbyimker aber keine Option!
Es braucht für das Imkern in Regionen mit Zementhonig mehr Materialaufwand in Form von Aufsätzen (Zargen), mehr Waben, Waben ohne Draht für den Honigraum sowie Lagerkapazitäten und -behälter für das Melezitose-Wachs-Gemisch. Nach der Verarbeitung im Direktschmelzer sollte der gewonnene Melezitose-Honig ein halbes Jahr ruhen, bis er in einem letzten Arbeitsschritt geklärt und abgepackt wird.
Auch das Wegziehen mit Bienen bringt wenig, wenn sie sich auf Melezitose eingeflogen haben. Sie werden dann an dem neuen Standort nach Melezitose suchen.
Eine einfache Lösung für den Umgang mit Melezitosehonig konnte also auch an diesem Abend nicht gefunden werden. Aber es gibt ja auch die Möglichkeit, dass sich mehrere Hobbyimker zusammenschließen, um sich einen Schmelzer anzuschaffen – oder der Verein schafft sich ein Gerät an und verleiht es. Allerdings ist die Reinigung des Direktschmelzers nur mit einem ebenfalls ziemlich teuren Heißwasserhochdruckreiniger zu leisten. Alternativ kann der Imker auch einen Dienstleister suchen, der sein Melezitose-Wachs-Gemisch verarbeitet.
Zum Abschluss bedankte sich der Vereinsvorsitzende mit einem kleinen Geschenk beim Referenten.